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KALTE PLATTE/0045: Klatsch auf krossen Kräckern (SB)


Satirische Canapés und Cocktailbissen


Ernährungsprobleme satt

Keine Frage, Adipositas (Übergewichtigkeit) ist teuer. Das weiß inzwischen jedes Kind. Daher gibt es überall und allerorten Hinweise, wie eine richtige Ernährungsweise auszusehen hat. Selbst in der Grundschule ist das schon Thema. Wehe dem, der für zu dick befunden wird. Niedergedrückt von der Schuld, die er am Anstieg der Krankenkassengebühren trägt, kann er eigentlich nur noch kriechen.

Ist es da ein Glück, daß er schon in naher Zukunft Gesellschaft bekommt? In der Kostenverursacherstatistik der Krankenkassen, gleich neben "Adipositas", holt eine bisher kaum bekannte Ernährungserkrankung mächtig auf: Orthorexie. Dabei sind bei den Betroffenen die vielfältigen Ernährungsanweisungen, mit denen schon Kinder konfrontiert werden, ins Zwanghafte übersteigert. Der Orthorektiker erlegt sich beim Essen so strenge Regeln auf, daß neben dem totalen Verlust jeglichen Genusses Mangelerkrankungen, starkes Untergewicht und nicht selten sogar Magersucht die Folge sind. Doch weil er nur durch die überdisziplinierte Ernährungsweise sein Selbstwertgefühl steigern kann, um sich anderen nicht mehr unterlegen zu fühlen, ist er nicht in der Lage, von seinen "Diätplänen" abzulassen.

Orthorexie ist teuer. Meist sind langwierige Verhaltenstherapien unumgänglich. Die Krankenkassenbeiträge steigen an. Das muß unbedingt verhindert werden. Daher sollen Kinder künftig schon in der Kita mit den Gefahren der Orthorexie vertraut gemacht werden. Rechtzeitig, bevor man sie in der Grundschule mit den Ernährungsregeln konfrontiert, die eine Übergewichtigkeit verhindern sollen ... .

21. August 2011