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KALTE PLATTE/0068: Klatsch auf krossen Kräckern (SB)


Satirische Canapés und Cocktailbissen



Seniorenschutzgesetz

Daß die Menschen in Deutschland immer älter werden, ist nicht nur für die Bundesversicherungsanstalt ein Problem. Auch was die deutschen Honoratioren aus Kultur und Politik angeht, gibt es aufgrund deren zunehmenden Alters immer häufiger Schwierigkeiten. Schließlich ist nicht jeder ein Helmut Schmidt. Bei manchen eilen die mentalen Alterungsprozesse den physischen doch allzu sehr voraus.

Hier hat die Bundesregierung den dringenden Handlungsbedarf erkannt und ist gesetzgeberisch tätig geworden: Um in Zukunft zu verhindern, daß sich hochverdiente deutsche Kulturträger wie Günter Grass oder angesehene langjährige Regierungsmitglieder wie Heiner Geißler in der Öffentlichkeit lächerlich machen, indem sie Ansichten äußern, die allein ihrem fortgeschrittenen Alter geschuldet sind, gibt es jetzt das Seniorenschutzgesetz.

Das Seniorenschutzgesetz verbietet die Veröffentlichung, Zitation und Kommentierung von solchen Äußerungen Betagter (insbesondere derer in Vorbildposition, z.B. Nobelpreisträger, Bundesverdienstkreuzträger etc.), die mit deren allgemein bekanntem gesellschaftspolitischen Habitus nicht vereinbar sind.

Auf diese Weise soll verhindert werden, daß das kulturelle und politische Erbe, das Betagte in Form ihrer Lebensleistung für die folgenden Generationen zusammengetragen haben, durch dementielle oder andere cerebrale Dysfunktionen geschmälert oder gar vollkommen infrage gestellt wird.

Denn ist ein Heiner Geißler, der von einem Baukonzern verlangt, sich an Vereinbarungen mit Umweltschützern zu halten, nicht ebenso zum Fremdschämen wie ein Günter Grass, der einen israelischen Atomtechniker als Helden bedichtet, weil der den Weltfrieden über nationale Interessen gestellt hat? Schade, daß das Seniorenschutzgesetz nicht rechtzeitig in Kraft getreten ist, um derlei Entgleisungen zu verhindern.

15. Oktober 2012