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KALTE PLATTE/0076: Klatsch auf krossen Kräckern (SB)


Satirische Canapés und Cocktailbissen



Her mit dem Atommüll!

Endlich! FDP und CDU als vehemente Kernenergie-Befürworter bekennen sich zu ihrer Verantwortung. Nachdem sich im Zuge der Diskussion um eine Endlager-Neuvergabe gerade schwarz-gelb-regierte Bundesländer eher abgeneigt gezeigt hatten, zum Atommüll-Endlagerstandort zu werden, kommt jetzt Bewegung in das Thema.

Um politisch glaubwürdig zu bleiben, haben Mitglieder beider Parteien eine Initiative gegründet, die ein Atommüllendlager am eigenen Wohnort ausdrücklich begrüßt. Erste Demonstrationen der Initiative fanden in unmittelbarer Nähe der AKW Biblis und Isar statt. Die Demonstranten schwenkten Transparente mit der Aufschrift "Atommüll - gerne hierher!" und "Atomares Endlager - na und?!" oder "Unseren Energiekonzernen unser Vertrauen!".

Ein Sprecher der Initiative erklärte, Vattenfall, RWE und E.ON hätten bereits großzügige Spenden zur Unterstützung in Aussicht gestellt. Denn wenn die Bevölkerung erst die irrationale Angst verlöre, in der Nähe eines Endlagers zu leben (bei einem größeren Zwischenfall wäre ohnehin nicht nur die unmittelbare Umgebung betroffen), könne endlich wieder über rein privatwirtschaftliche Endlager nachgedacht werden. Ein entsprechendes Positionspapier der Energieversorgungsunternehmen habe es bereits 1990 gegeben und jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, es umzusetzen. Dann könnten die Regierungsparteien sich wichtigeren Dingen widmen und eine kostengünstige, eventuell transnationale Lösung der Atommüllfrage den Erzeugern überlassen.

Auch das Automobil, so schloß der Sprecher, habe seinerzeit die Gemüter erregt. Und doch sei mit dem Ausbau eines Verkehrsnetzes begonnen worden. Heutzutage wären mehrere tausend Verkehrstote jährlich keine Schlagzeile mehr wert. Gewöhnung sei also genau die richtige Strategie. Und die fange mit dem klaren Bekenntnis an: Atommüll - ja bitte!

15. April 2013