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ATTAC/1075: Attac zu Derivate-Richtlinie - Alles an die Börsen!


Attac Deutschland - Pressemitteilung vom 15. September 2010

* Attac zu Derivate-Richtlinie: Alles an die Börsen!
* Zwei Jahre nach Lehman-Pleite ungenügender erster Schritt


Für das globalisierungskritische Netzwerk Attac ist der heute - am zweiten Jahrestag der Lehman-Pleite - präsentierte Richtlinienentwurf der EU-Kommission zum Handel mit Derivaten und zum "Short-Selling" (Leerverkäufen) nur ein erster, ungenügender Schritt in die richtige Richtung.

Nach wie vor ist keine Zulassungsprüfung für Derivate vorgesehen; alle Derivate bleiben erlaubt. "Die bedingungslose Zulassung von Derivaten erhöht das Systemrisiko massiv. Bestimmte hochriskante Derivate dürfen gar nicht genehmigt werden", kritisierte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. Als Beispiele nannte sie CDOs (komplizierte Bündel verbriefter Kredite) und CDS (Kreditausfallversicherungen), Wetten auf Rohstoffpreise sowie gedeckte oder ungedeckte Leerverkäufe. Nach Ansicht von Attac müsste eine EU-Finanzaufsicht bestehende Derivate überprüfen und gegebenenfalls zurückrufen, sowie den Import von außerhalb der EU zugelassenen gefährlichen Derivaten durch Kapitalverkehrsbeschränkungen verhindern.

Attac kritisiert zudem, dass der außerbörsliche Handel "Over the Counter" nicht auf die beaufsichtigten Börsen verlagert werden soll. "Alles muss an die Börsen. Der unregulierte Handel außerhalb der Börsen muss völlig beendet werden. Derivate sollten auf Grund ihres Systemrisikos nur an 'sicheren' Plätzen gehandelt und mit hohen Sicherheitsunterlegungen vermittelt werden", forderte Jutta Sundermann.

Finanzderivate seien nichts anders zu behandeln als eine Risikotechnologie, was sie inzwischen viel zu oft bewiesen hätten: Metallgesellschaft (1992), Orange County (1994), Barings Bank (1995), LTCM (1998), Enron (2001) und Immobilienblase (2008). Daher habe auch hier das Vorsorgeprinzip zu gelten. Jutta Sundermann: "Es ist völkerrechtlicher Standard, auf die Anwendung zu riskanter, komplexer, undurchschaubarer Technologien zu verzichten oder sich zumindest vor ihrem Import schützen zu dürfen."


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Quelle:
Pressemitteilung vom 15.09.2010
Pressesprecherin Attac Deutschland
Frauke Distelrath
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veröffentlicht im Schattenblick zum 17. September 2010