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ATTAC/1138: Protest bei "Super Return" - Private Equity endlich regulieren!


Attac Deutschland - Frankfurt am Main, 28. Februar 2011

* Protest bei "Super Return": Private Equity endlich regulieren!
* Bündnis übergibt fast 10.000 Boykott-Androhungen gegen Hess-Natur-Interessent Carlyle


Mit einer Protestaktion haben Attac-Aktivisten am heutigen Montag die Besucher der als "Super Return" bezeichneten Tagung empfangen, zu der bis Donnerstag im Berliner Hotel Intercontinental Vertreter der weltweit wichtigsten Private-Equity-Fonds zusammenkommen. "Am Plündern hindern! - Private Equity Fonds regulieren, Beschäftigte beteiligen" und "Kein Waffengeld bei Hess Natur - Rüstungsinvestor Carlyle stoppen!" forderten die als moderne Piraten verkleideten Demonstranten auf Transparenten und in Sprechchören. Mit im Gepäck hatten sie fast 10.000 Boykottandrohungen gegen den PE-Fonds und Rüstungskonzern Carlyle: Sollte dieser Hess-Natur übernehmen, werden die Unterzeichner nicht mehr bei dem Ökotextil-Versender kaufen. Die Aktion bildete gleichzeitig den Auftakt zu einer Bündnis-Kampagne zur Umwandlung von Hess Natur in eine Kooperative.

"Die Heuschrecken sind zurück! Die Branche feiert sich erneut mit dem zynischen Namen Super Return, sprich Superrendite, und sorgt sich vor allem darum, dass in Deutschland im Jahr 2011 zu wenige Milliardendeals zu erwarten sind", sagte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. "Doch der Unmut der Bürger über diese Finanzmarkt-Arroganz wird immer größer. Das zeigen auch die 10.000 Menschen, die Carlyle das Geschäft vermasseln werden, sollte der Fonds Hess Natur schlucken." Seit Dezember ruft das globalisierungskritische Netzwerk Attac dazu auf, beispielhaft diese Übernahme zu verhindern und fühlt sich von der Resonanz bestärkt.

Der Bundesregierung warf Attac vor, trotz anderslautender Ankündigungen während der Finanzkrise PE-Fonds und ähnliche Finanzmarktakteure nach wie vor nicht richtig zu regulieren. Zwar habe das Europaparlament im November einige Regulierungen verabschiedet; die Rechte der Arbeitnehmer kämen aber weiterhin systematisch zu kurz. "Und die neuen Regeln verhindern auch nicht wirksam, dass ein Unternehmen nur gekauft wird, um es auszuplündern. Die Politik lässt sich immer wieder einwickeln von der Finanzmarktlobby", sagte Jutta Sundermann.

Dass es Alternativen gibt, zeigt Attac gemeinsam mit dem Netzwerk Solidarische Ökonomie, der Kampagne für Saubere Kleidung und dem Betriebsrat. Noch im März wird das Bündnis eine Genossenschaft gründen und so ermöglichen, dass statt eines Finanzinvestors wie Carlyle Kunden und Beschäftigte Hess Natur übernehmen. Mehr als 550 Interessenten haben sich bereits gemeldet. "Wenn Tausende sich in den nächsten Tagen und Wochen solidarisieren und Mitglied werden, können wir Carlyle und Co. etwas entgegensetzen", sagte Dagmar Embshoff, Mitglied der Attac-Arbeitsgruppe Solidarische Ökonomie und Sprecherin des gleichnamigen Netzwerkes. Walter Strasheim-Weitz vom Betriebsrat ergänzte: "Wir haben die Chance, aus dem Pionierbetrieb für öko-faire Kleidung nun auch noch ein demokratisches Vorzeigeunternehmen zu machen."

Dabei geht es dem Kampagnenbündnis nicht allein um Hess Natur, sondern darum, dass Demokratie auch in die Sphäre der Ökonomie Einzug hält. "Solidarische Ökonomie" steht darüber hinaus für ein bedürfnis- statt renditeorientiertes Wirtschaften, das auf Kooperation anstelle von Konkurrenz basiert.



Im Internet:

* Attac-Seite "Carlyle stoppen!":
www.attac.de/carlyle-stoppen

* Homepage der Hess-Natur-Genossenschaft:
www.hnGeno.de


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Quelle:
Pressemitteilung vom 28.02.2011
Frauke Distelrath - Pressesprecherin Attac Deutschland
Post: Münchener Str. 48, 60329 Frankfurt/M
Tel.: 069/900 281-42; Fax: 069/900 281-99
E-Mail: presse@attac.de
Internet: www.attac.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 1. März 2011