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ATTAC/626: Kreativer, friedlicher Protest in Rostock überwiegt


Attac-Erklärung zum Ablauf der internationalen G8-Großdemonstration in Rostock vom 3. Juni 2007

Schwimmen lernen in der Informationsflut...

Kreativer, friedlicher Protest in Rostock überwiegt und macht Mut


Liebe Freundinnen und Freunde,

an der Ostseeküste haben die Proteste gegen den bevorstehenden G8-Gipfel begonnen.

80.000 Menschen aus ganz verschiedenen Organisationen und Initiativen demonstrierten gestern friedlich unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich". Der Rostocker Oberbürgermeister lobte den Verlauf der Demonstrationszüge zum Stadthafen, an dem eine mehrstündige Abschlusskundgebung stattfand.

Überall waren kreative Beiträge zum Protest zu sehen: farbenfrohe Transparente schmückten den Demozug, Großpuppen überwanden gemalte Sicherheitszäune, ein Patentmonster fraß Saatgut und Medikamente, rote Ballons forderten eine wirksame Entschuldung der ärmsten Länder. An ungezählten Rucksäcken flatterte unser G8-Protestwimpel.

Wir konnten zu Beginn der Abschlusskundgebung sehr zufrieden sein mit diesem Auftakt in Rostock. Die zahlreichen Demo-Mitveranstalter hielten sich ebenso wie die Polizei an die im Vorfeld getroffenen Verabredungen, friedlichen Protest zu gestalten und zuzulassen. Das Spektrum des vorbereitenden Bündnisses reichte von der Interventionistischen Linken über Attac, Gewerkschaften und christliche Gruppen bis hin zu großen NGOs wie Greenpeace. Leider kam es am Ziel der Demonstrationen dann zu einer gewaltsamen Aktion aus der Demo heraus. Aus dem Block "Make Capitalism History" heraus wurde von Teilnehmern, die sich zu keiner Zeit in die Vorbereitungen der Demo eingebracht hatten, ein Polizeiauto angegriffen und die beiden darin sitzenden Polizisten verletzt. Daraufhin gingen mehrere Polizeieinheiten in die Demonstration. Darauf reagierten ca. 500 Demonstranten mit Steinwürfen und Feuerwerkskörpern und lieferten sich heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Danach eskalierte die Situation unter Beteiligung beider Seiten weiter. Eine Beruhigung der Lage erfolgte nach aktivem Bemühen um Deeskalation durch die Veranstalter und intensiven Kontakten zwischen Demo-Leitung und Polizei.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilt scharf den tätlichen Angriff auf die beiden Polizeibeamten. Auch das wiederholte Nachsetzen einiger Protestteilnehmer auf die sich zeitweise zurückziehende Polizei war vollkommen verantwortungslos.

Am späteren Abend entspannte sich die Lage - nachdem immer mehr Demonstrierende aktiv die Deeskalation unterstützt hatten und auch die Polizei auf dem Platz sich darauf einließ. Danach genossen noch mehr als 20 000 Protestaktive trotz der Vorfälle das Konzert "Move against G8", tanzten, sangen und tankten Kraft für die nächsten Tage.

Diese Kraft werden wir brauchen und schauen heute bei strahlendem Sonnenschein den nächsten Tagen mit Spannung, aber auch Zuversicht entgegen. Attac hat mehrere schöne und wichtige Aktionen vorbereitet.

Heute noch werden vor der großen Bühne Tausende mit uns ein Band der Klimalügen knüpfen. Kilometerweise Baumwollband liegt bereit und wird in einer riesigen Mitmachaktion mit Kritik und Forderungen zur Klimapolitik der G8 und unserer Bundesregierung beschriftet werden. Sonntag ist außerdem Thementag "globalisierte Landwirtschaft" mit dem Motto "Widerstand ist fruchtbar". Das Attac-Agrarnetz gestaltet eine bunte Treckerdemo und eine Rallye zu verschiedenen Orten in der Umgebung mit.

Morgen rettet Attac die Welt. Darauf freuen wir uns besonders und sind sicher, dass die Aktion, obwohl nur symbolisch, Mut zur weiteren Arbeit machen kann. Bis zu 100 Schwimmerinnen und Schwimmer werden im Rostocker Hafenbecken eine große Weltkugel aus einem Netz befreien, mit dem die G8 unsere Erde hinter sich herzieht. "Stoppt den Raubzug der G8" ist das Motto.

Am Dienstag beginnt der Alternativkongress in Rostock. Viele ReferntInnen aus aller Welt sind bereits angereist oder werden noch erwartet. Wir gestalten das Forum "Wem gehört die Welt?", freuen uns auf die Diskussionen und sind gespannt auf die Perspektiven, die sich daraus ergeben.

Bei vielen anderen Aktionen sind Attacis außerdem dabei. Nach den unschönen Szenen von gestern schwingt bei allem die Sorge mit, wie der breite friedliche Protest wohl "rüberkommt", wenn wieder Wenige über die Stränge schlagen. Uns ist es wichtig, das breite Bündnis, das zu den Protesten aufrief, aufrecht zu erhalten und gemeinsam die Tage hier in Rostock und der Umgebung zu einem Erfolg zu machen.

Ganz wichtig ist dabei auch Deine bzw. Ihre Aufmerksamkeit. Dramatische Bilder finden leider oft schneller ihren Weg auf die Fernsehbildschirme als die leisere, kreative Protestarbeit. Wir sind aber davon überzeugt, dass diese wirksam ist und ohne Attac so gar nicht geschehen könnte.

Noch bieten die G8-Proteste alle Chancen, gestärkt und motiviert unsere globalisierungskritische Arbeit fortzusetzen.

Eine ausführlichere Erklärung von Attac zu der friedlichen Demo und Ausschreitungen ist auf der Homepage zu finden:
http://www.attac.de/aktuell/presse/presse_ausgabe.php?id=728

Mit freundlichen Grüßen aus dem Schatten eines bunten Zirkuszeltes im Rostocker Stadthafen

Peter Wahl
Werner Rätz
Sven Giegold
Sabine Leidig
Jutta Sundermann
Frauke Distelrath
für die anwesenden Attac-Aktiven


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Quelle:
Attac-Erklärung vom 03.06.2007
Pressesprecherin Attac Deutschland
Frauke Distelrath
Post: Münchener Str. 48, 60329 Frankfurt/M
Tel.: 069/900 281-42; Fax: 069/900 281-99
E-Mail: presse@attac.de
Internet: www.attac.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 5. Juni 2007