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ATTAC/635: Gipfelproteste Erfolg für globalisierungskritische Bewegung


Attac Deutschland - Pressemitteilung vom 8. Juni 2007

* Gipfelproteste voller Erfolg für globalisierungskritische Bewegung

* Tiefe Legitimationskrise der G8 offenkundig


Das globalisierungskritische Netzwerk Attac betrachtet die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm als vollen Erfolg. "Diese Woche in Rostock und Heiligendamm hat vieles in der politischen Landschaft verändert. Wir haben die größte globalisierungskritische Massenmobilisierung erlebt, die es in Deutschland je gegeben hat", sagte Werner Rätz vom Attac-Koordinierungskreis.

Allein an der internationalen Großdemonstration am Samstag nahmen 80.000 Menschen teil. Gut 20.000 Aktivistinnen und Aktivisten haben bei der Aktionswoche mitgemacht; an den friedlichen Massenblockaden der Kampagne "Block G8" beteiligten sich mehr als 10.000 Menschen. Auch der Alternativgipfel zog rund 2000 Menschen an. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis, dessen Spannweite vom Rand der institutionellen Kirche über Attac bis zu linken Basisgruppen reichte. Mit Greenpeace oder der Interventionistischen Linken brachten sich Organisationen und Strömungen in die Zusammenarbeit ein, die Bündnissen bisher sehr zurückhaltend gegenüber standen. Werner Rätz: "Mit dieser breiten Bewegung wird künftig zu rechnen sein."

Der Gipfel in Heiligendamm habe erneut gezeigt, dass die G8 keinerlei Lösungen für die Probleme der Welt anzubieten haben. "Die Legitimationskrise der G8 ist offenkundig geworden", sagt Pedram Shahyar, ebenfalls Mitglied des Attac-Koordinierungskreises. "Die G8 sind überflüssig. Heiligendamm wird ein dicker Sargnagel in der Geschichte ihrer Beerdigung gewesen sein." Ein Klimakompromiss, der vom bereits zweimal reduzierten Mindestziel nach unten abweicht und nur erwogen wird, sei ein Witz. Dasselbe gelte für das Thema Afrika: Die G8 hätten ausschließlich die bis heute nicht erfüllten Versprechen vom G8-Gipfel 2005 in Gleneagles wiederholt.

In der Vergangenheit hätten die G8 es meist geschafft, zwischen ihren internen Machtansprüchen erfolgreich zu vermitteln. Doch dieser Konsens trage nicht mehr. "Da stehen die so genannten Schwellenländer und fordern ihren Anteil. Da steht die internationale Gemeinschaft und akzeptiert ihre Ausgrenzung immer weniger, wie die immer wieder scheiternden WTO-Verhandlungen zeigen. Und da stehen die Menschen überall in der Welt, die nicht nur Kuchen oder Brot, sondern die ganze Bäckerei fordern", so Shahyar.

Das alles zusammen verstärke die Legitimationskrise der G8. Entsprechend unsouverän sei die Reaktion der acht Regierungs-Chefs auf den breiten Protest der aus der Zivilgesellschaft. Werner Rätz: "Sie wollen sich den Protest vom Leib und aus den Augen halten. Das ist ihnen hier nicht wirklich gelungen. Da wird auch die Verlegung auf Flugzeugträger oder einsame Inseln nichts nützen."


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Quelle:
Presssemitteilung vom 08.06.2007
Pressesprecherin Attac Deutschland
Frauke Distelrath
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veröffentlicht im Schattenblick zum 9. Juni 2007