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ATTAC/730: Bankenverband IIF will den Bock zum Gärtner machen


Attac Deutschland - Pressemitteilung vom 9. April 2008

* Bankenverband IIF will den Bock zum Gärtner machen

* Attac fordert unabhängige Finanzmarktaufsicht


Mit Kritik hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac auf den Bericht reagiert, den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann heute als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF (Institute of International Finance) vorgestellt hat. In dem Papier drängt das IIF, dem 370 Banken aus aller Welt angehören, auf besseres Risikomanagement, mehr Transparenz bei kompliziert strukturierten Produkten sowie Änderungen bei der Vergütung von Managern. Der Verband will einen entsprechenden Verhaltenskodex entwickeln.

"Wer als Ausweg aus der Finanzkrise auf mehr Selbstdisziplin der Banken setzt, macht den Bock zum Gärtner", sagte Stephan Schilling, Mitglied im Koordinierungskreis von Attac. Der Internationale Währungsfonds IWF habe den Banken am Dienstag zu Recht "kollektives Versagen" vorgeworfen. "Nun die Verursacher der Krise aufzufordern, sich mal ein bisschen zusammenzureißen, ist lächerlich", betonte Stephan Schilling. Es sei offensichtlich, dass die Banken mit dem angekündigten Kodex vor allem eine stärkere staatliche Regulierung abwehren wollen. Statt auf freiwillige Selbstverpflichtungen zu vertrauen, müsse die Politik die Finanzmärkte über gesetzliche Regeln in ihre Schranken verweisen.

Attac fordert unter anderem eine unabhängige Finanzmarktaufsicht, die über die Zulassung neuer Finanzprodukte entscheidet. Dies könne nicht den Banken selbst überlassen werden. Schließlich seien es die Institute selbst gewesen, die auf ihrer Jagd nach 25 Prozent Eigenkapitalrendite immer komplexere, kaum durchschaubare Finanzinnovationen bedient und damit die Stabilität des Finanzsystems aufs Spiel gesetzt hätten.

Die Globalisierungskritiker schlagen zudem vor, die Eigenkapitalvorschriften für die Vergabe von Krediten neu zu gestalten und stärkere Sicherheiten zu verlangen. Es sei eines der zentralen Probleme auf den Finanzmärkten, dass die Banken über zu leichte Kreditvergabe hochspekulative Finanzinstrumente wie Hedgefonds ermöglichen.

Zudem müsse sich das Verhalten auf den Finanzmärkten stärker an langfristigen, nachhaltigen Entwicklungen orientieren. Attac fordert ein Verbot des bisherigen Systems der Bonuszahlungen. Sofern Bonussysteme in die Vergütung eingebaut würden, müssten sie langfristig orientiert sein und auch Abzüge (Mali) ermöglichen.

"Insgesamt müssen die aufgeblähten Finanzmärkte zur Ader gelassen werden, um ihre Dominanz über die Realökonomie zu brechen", sagte Detlev von Larcher, ebenfalls Mitglied im Attac-Koordinierungskreis. Dies sei - über die genannten kurzfristigen Forderungen hinaus - nur möglich durch einen Abbau der massiven globalen Ungleichverteilung von Vermögen. Gleichzeitig gelte es, die Kapitalströme wieder unter Kontrolle zu bringen, etwa durch die Einführung einer Steuer auf alle Kapital- und Devisentransaktionen.

Informationen im Internet:
http://www.attac.de/finanzmarktkrise/


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Quelle:
Pressemitteilung vom 08.04.2008
Pressesprecherin Attac Deutschland
Frauke Distelrath
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Tel.: 069/900 281-42; Fax: 069/900 281-99
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Internet: www.attac.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 11. April 2008