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ATTAC/775: WTO - Glos will Konkurrenz der Schwellenländer ausschalten


Attac Deutschland - Pressemitteilung vom 21. Juli 2008

* WTO: Glos will Konkurrenz der Schwellenländer ausschalten
* Exportweltmeister fürchtet um seine Position


Bundeswirtschaftsminister Michael Glos verlangt von den Schwellenländern Zugeständnisse bei der aktuellen Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation WTO und hat sie aufgefordert, den Zugang zu ihren Märkten zu erleichtern. Dazu erklärt das globalisierungskritische Netzwerk Attac:

"Die Forderung von Glos zeigt, wessen Interessen er in Genf zu vertreten gedenkt: die der großen Konzerne in den Industrieländern. Der Exportweltmeister Deutschland fürchtet um seine Position am Weltmarkt und will missliebige Konkurrenz ausschalten, indem er in die Märkte der Schwellenländer einbricht. Dies mit Armutsbekämpfung zu bemänteln, ist zynisch", sagte Alexis Passadakis, Welthandelsexperte im bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. Wer - wie von Glos behauptet - Entwicklung für alle ermöglichen wolle, müsse den Entwicklungs- und Schwellenländern eine eigenständige Industriepolitik zugestehen, die Erfolge von Staaten wie China, Indien und Brasilien erst ermöglicht habe.

Als unlauter bezeichnete Attac auch den Versuch, Marktöffnungen der Entwicklungs- und Schwellenländer für Industriegüter mit einem verbesserten Zugang für Agrarprodukte zu den Märkten der Industrieländer erpressen zu wollen. "Glos hat zu Recht darauf hingewiesen, dass mehr als 70 Prozent des Welthandels auf Industriegüter und mehr als 20 Prozent auf Dienstleistungen fallen, Agrarprodukte aber nur einen Anteil von etwa sieben Prozent haben. Damit hat er zugleich deutlich gemacht, wer angesichts dieser extrem asymmetrischen Strukturen von der geforderten Handelsliberalisierung profitieren würde", stellte Alexis Passadakis fest.

Attac fordert einen Abbruch der WTO-Verhandlungen sowie einen Paradigmenwechsel in der Handelspolitik der Bundesregierung und der EU-Kommission hin zu einem kooperativen Welthandelssystem. Entwicklungs- und Schwellenländer müssten die Möglichkeit haben, Importe zu beschränken, um ihre bäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen und eine eigenständige Industriepolitik zu ermöglichen.


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Quelle:
Pressemitteilung vom 21.07.2008
Pressesprecherin Attac Deutschland
Frauke Distelrath
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veröffentlicht im Schattenblick zum 22. Juli 2008