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ATTAC/777: Keine akademischen Würden für Ackermann


Attac Deutschland - Pressemitteilung vom 22. Juli 2008

* Keine akademischen Würden für Ackermann
* Deutsche-Bank-Chef darf nicht Honorarprofessor werden


Mit scharfer Kritik hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac auf den bereits zweiten Anlauf des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität reagiert und den Senat der Universität aufgefordert, den Antrag bei seiner Sitzung am morgigen Mittwoch abzulehnen. "Man weiß nicht, ob man über die Chuzpe des Fachbereichs staunen oder sich über diese Unverschämtheit empören soll", sagte Detlev von Larcher vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. Die Situation heute unterscheide sich in nichts von der im Frühjahr 2005. Damals lief noch das Strafverfahren gegen den Chef der Deutschen Bank im Rahmen des Mannesmann-Prozesses. Ackermann wurde wie fünf anderen Angeklagten Untreue vorgeworfen. Die Universität bekam kalte Füße und stoppte das Verfahren. "Und nur weil Herr Ackermann im zweiten Mannesmann-Prozess einen Deal aushandeln konnte, mit dem er sich für de facto für 3,2 Millionen Euro freigekauft hat, kann er jetzt auf einmal Honorarprofessor werden?", fragte Detlev von Larcher.

Ackermann stehe für eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die die Spaltung in Arm und Reich weiter vorantreibe. "Verluste der Banken - wie zurzeit in Folge der Finanzkrise - sollen nach seinem Willen sozialisiert werden, die Gewinne aber weiterhin den Aktionären vorbehalten sein", sagte Detlev von Larcher. Die Deutsche Bank zeichne sich zudem durch eine besonders aggressive Unternehmenspolitik aus, die bewusst auf das Geschäft mit Hunger und Tod setze. So warb die Deutsche Bank im Frühjahr in zynischer Weise auf Brötchentüten bei Frankfurter Bäckereien für einen ihrer Agrarrohstoff-Fonds. "Freuen Sie sich über steigende Preise? Alle Welt spricht über Rohstoffe - mit dem Agriculture Euro Fond haben Sie die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren. Investition in etwas Greifbares", hieß es da - während die Hungerkrise verzweifelte Menschen in Haiti, Bangladesh, Westafrika und anderswo auf die Straße trieb.

Detlev von Larcher: "Ackermann ist ein schlechtes Vorbild für Wirtschaftswissenschaftler. Soll er den Studenten beibringen, wie man 6000 Arbeitsplätze abbaut, während das Unternehmen Höchstgewinne erzielt?"

Der Fall Ackermann zeigt laut Attac - ebenso wie die beabsichtigte Berufung des Fraport-Chefs Wilhelm Bender als Honorarprofessor - wie die Freiheit von Lehre und Forschung an den Universitäten unter dem massiven Einfluss der Wirtschaft zunehmend verloren geht.


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Quelle:
Pressemitteilung vom 22.07.2008
Pressesprecherin Attac Deutschland
Frauke Distelrath
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veröffentlicht im Schattenblick zum 23. Juli 2008