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ATTAC/967: Öffentlicher Brief an Opel-Beschäftigte


Attac - 17. November 2009

Öffentlicher Brief an Opel-Beschäftigte


Mehrere Attac-AGs und Einzelpersonen erklären sich in einem öffentlichen Brief an die Opel-Beschäftigten mit deren Kampf solidarisch und laden ein zu gemeinsamer politischer Arbeit.

Unter dem Motto "Arbeitsplatzverlust ist kein Schicksal - eine andere Welt ist möglich!" haben die bundesweiten Attac-Arbeitsgruppen "ArbeitFairTeilen", "Energie, Klima, Umwelt" und "Genug für alle" gemeinsam mit weiteren Gruppen und Einzelpersonen von Attac einen öffentlichen Brief an die Opel-Beschäftigten verfasst.

In dem Schreiben erklären sich die UnterzeichnerInnen solidarisch mit dem Kampf der Opel-Beschäftigten "für Arbeitsplätze, auskömmlichen Lohn und ein würdiges Leben". Langfristig seien Arbeitsplätze aber nur sicher, wenn die Bedürfnisse der Menschen und die Umweltverträglichkeit Grundlage der Produktion seien, nicht der Profit. Als erste drei Schritte aus der Krise nennen die Attac-Verfasser daher eine deutliche Arbeitszeitverkürzung, einen Umbau der Opel-Produktion hin zu nützlichen Produkten und eine soziale Absicherung für alle Menschen.

Verbunden mit dem Brief ist die Einladung an die Opel-Beschäftigten, bei Attac-Veranstaltungen - derzeit vor allem in den Schulen und Universitäten - selbst aufzutreten.


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Arbeitsplatzverlust ist kein Schicksal - eine andere Welt ist möglich!

Attac AG ArbeitFairTeilen, AG Energie - Klima - Umwelt und AG Genug für Alle;
Attac-Lokalgruppen: Hannover, Kaiserslautern und Wolfsburg

An die
Opel-Beschäftigten:

Protest und Alternativen

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen bei Opel,
liebe Betriebsräte, liebe Gewerkschafter_innen!


Die Situation bei Opel und General Motors ist Teil der Strukturkrise der Weltautomobilindustrie. Mit der jüngsten Entscheidung von GM ist die Zukunft Eurer Arbeitsplätze bedroht, Entlassungen und Betriebsschließungen sind wahrscheinlich, wenn es nach den Herren von GM geht. Ganz offen sprechen sie vom Krieg der Autoindustrie um Absatzmärkte und Marktanteile. Die Versuche von Bundes- und Landesregierungen, die bis zum Wahltag glauben machen wollten, sie könnten die Sicherheit Eurer Arbeitsplätze gewährleisten, sind bisher gescheitert.

Aber Arbeitsplätze sind nicht sicher, wenn es nur um Profit geht. Arbeitsplätze sind nicht sicher, wenn es um Konkurrenz geht. Arbeitsplätze sind nicht sicher, wenn es Überkapazitäten gibt.

Arbeitsplätze sind langfristig nur sicher, wenn die Bedürfnisse der Menschen und Umweltverträglichkeit Grundlage der Produktion sind, nicht der Profit!

Ihr kämpft für Arbeitsplätze, für auskömmlichen Lohn und für ein würdiges Leben.

Was aber, wenn keine Arbeit da ist, wenn diese Arbeit nicht mehr gefragt wird, wenn viele Autos nicht gebraucht und verkauft werden können?

Die Überkapazitäten in der Automobil- und Zulieferindustrie werden abgebaut. Lohnverzicht und Sozialabbau schützen also nicht vor Erwerbslosigkeit, sondern führen zu Armut schon vor Hartz IV, zu mehr Reichtum bei den Reichen, die uns in die nächste Krise stürzen.

Wir von Attac wollen Euch nicht nur mit Worten unterstützen!
Schritte aus der Krise können sein:

1. Deutliche Arbeitszeitverkürzung! Millionen Euro, die die Arbeitslosigkeit kostet, Millionen, die ein Sozialplan kostet, Millionen Steuerausfälle, können die Basis für Lohnausgleich sein. 30-Stunden-Woche statt Arbeitslosigkeit!
Es gibt Erfahrungen, z. B. die Vier-Tage-Woche bei VW. Wir wissen: Arbeitszeitverkürzung sichert Arbeitsplätze, erspart soziale Kosten, erhält menschliche Bedingungen für die Familien und ist bezahlbar.

2. Die Produktion bei Opel muss jetzt umgebaut werden: Nützliche Produkte statt zu viele Autos, die niemand braucht und die die Erde unbewohnbar machen. Die Milliarden, die Magna oder GM bekommen sollen, sind besser eingesetzt für den Umbau der Produktion und die Qualifizierung der Belegschaften.

3. Soziale Absicherung muss es für alle Menschen geben, die Opfer der Krise werden, auch für die Beschäftigten in den Zulieferbetrieben und deren Familien, bezahlbar durchaus von den Banken, die uns die Krise eingebrockt haben und nun schon wieder maximale Profite kassieren.

Weder die Bosse von GM noch die Regierung in Berlin werden ohne Druck von unten diese Schritte gehen. Einzig ihr könnt diesen Druck erzeugen, wenn ihr Unterstützung aus der Bevölkerung bekommt und Solidarität über Grenzen hinweg der Standortkonkurrenz entgegen setzt.

Dabei, liebe Kolleginnen und Kollegen, wollen wir Euch unterstützen durch Aktionen und Informationen. Wir kommen gerne zu Euch zu Betriebs- oder Streikversammlungen, zu größeren oder kleineren Gesprächen.

Für Euch und bei Opel geht es um mehr als die Zukunft eines Unternehmens und die Arbeitsplätze - es geht um eine fundamentale gesellschaftspolitische Auseinandersetzung um Macht, Produktion und Arbeit. Diese Auseinandersetzung verlangt und erlaubt alle kreativen Formen des demokratischen und sozialen Kampfes, über die Ihr entscheiden werdet. Dabei wollen wir Euch gerne unterstützen. Eure und unsere Ansprüche lassen sich realisieren, wenn wir mit Gegenmacht und gerechten Forderungen die Machtlogik von Politik und Wirtschaft durchbrechen.


Attac ist ein Netzwerk globalisierungskritischer Gruppen in vielen Ländern. Wir engagieren uns gegen den vom Finanzmarkt getriebenen Kapitalismus und gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die "kleinen Leute", die die Krise nicht verschuldet haben. Die Durchsetzung Globaler Sozialer Rechte ist ein Weg, um das zerstörerische Projekt des Neoliberalismus zu stoppen. Dazu gehört die Verteidigung der berechtigten sozialen Interessen der Beschäftigten bei Opel.
Unsere WebSite: www.attac.de

Attac AG ArbeitFairTeilen, AG Energie - Klima - Umwelt und AG Genug für Alle; Attac-Lokalgruppen: Hannover, Kaiserslautern und Wolfsburg; aus dem Attac-Koordinationskreis: Hugo Braun, Hanni Gramann, Matthias Schmelzer, Jutta Sundermann und Steffen Stierle;
aus dem Attac-Rat: Hermann Gendrisch, Roland Klautke, Stephan Krull und Wilfried Trautmann;
aus verschiedenen ATTAC-Zusammenhängen: Horst Boettcher (Frankfurt), Gerhard Brand (Würzburg), Genoveva Brandenburger (Kaiserslautern), Hinrich Garms, (Offenbach), Peter Grottian (Berlin), Aichard Hoffmann (Bochum), Johanna Kulenkampf (Hannover), ) Mohssen Massarrat (Osnabrück), Bernd Mehrhoff (Minden), Bernhard Mossner (Coswig) Petra Müller-May (Wurmtal), Brigitte Oehrlein (Projektgruppe Krisen), Heidrun Rudolph (Coswig), Werner Schmiedecke (Dresden).

Frankfurt, 17. November 2009;

ViSdP: Stephan Krull, Lister Kirchweg 112, 30966 Hannover, Tel. 0511 7605432


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Quelle:
Detlev v. Larcher
Böttcherei 210, 28844 Weyhe
E-Mail: detlev.larcher@attac.de
Internet: www.attac.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 18. November 2009