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GRENZEN/003: Protest über den Wolken - Flugzeug muss umdrehen (Flüchtlingsrat Hamburg)


flüchtlingsrat hamburg
Pressemitteilung des Afrique-Europe-Interact Netzwerks - 20.01.2011

Protest über den Wolken: Flugzeug muss aufgrund einer Abschiebung umdrehen

Air France lässt deutsche und französische Passagiere nach Aktion gegen eine Abschiebung festnehmen


Paris, 20.1.2011 - Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Karawane von Mali zum Weltsozialforum 2011 und andere Passagiere protestierten am Donnerstag Nachmittag an Bord einer Air France Maschine gegen eine brutale Abschiebung. Auf Grund der Proteste wurde der Flug AF 3096 von Paris nach Bamako (Mali) abgebrochen und die Maschine kehrte zum Flughafen Charles-de-Gaulle (Paris) zurück. Auf dem Rollfeld nahm die Polizei 17 Passagiere, davon mehrere acht aus Deutschland, in Gewahrsam. Der Passagier Michael Hackert beschrieb die Ereignisse an Bord des Flugzeuges: "Nachdem ein Mann, gefesselt und von mehreren Polizisten begleitet, sich gegen seine gewaltsame Abschiebung wehrte, solidarisierten sich andere Reisende mit ihm und standen von ihren Sitzplätzen auf."

Obwohl der Protest friedlich blieb, ließ Air France nach der Rückkehr nach Paris 17 Passagiere, darunter 3 Kinder, von der Polizei abführen. Ein zweiter Versuch, den Mann gewaltsam abzuschieben, wurde unternommen, konnte aber nach Angaben von malischen Aktivistinnen und Aktivisten aus Bamako nicht durchgeführt werden. "Air France macht sich zum wiederholten Mal zum Handlanger der europäischen Abschiebemaschinerie", kommentiert Marion Bayer von Afrique-Europe-Interact, einem Netzwerk malischer und europäischer AktivistInnen. Neun der Festgenommenen sind Teil des Netzwerks. Sie wollten in Mali und Senegal mit einer Karawane für Bewegungsfreiheit und für globale Rechte kämpfen.

Bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche starteten Flüge ab Paris verspätet, weil es zu Protesten gegen Abschiebungen kam: Am vergangenen Freitag standen im Flug AF946 nach Douala/Kamerun Passagiere gegen eine Abschiebung auf - vier von ihnen wurden in der Folge aus dem Flugzeug abgeführt und die Personalien festgestellt. Und Mittwoch morgen weigerten sich mehrere Passagiere, bei einem Flug der Royal Air Maroc ihre Sitzplätze einzunehmen, bis die Maschine eineinhalb Stunden später ohne die beiden Gefangenen abhob. Mitarbeiter (Angestellte? Mitarbeiter klingt irgendwie schwammig) der Air France sprechen sich bereits seit 2007 gegen Abschiebeflüge der Airline aus - bislang ohne Erfolg.

Der couragierte Einsatz im Flieger wird für die AktivistInnen voraussichtlich ein juristisches Nachspiel in Frankreich haben, in Mali jedoch dürfte ihnen ein herzlicher Empfang sicher sein. An der Durchführung der Karawane ist maßgeblich eine Organisation selbstorganisierter Abgeschobener aus Mali beteiligt, die die Brutalität in den Fliegern aus eigener Erfahrung kennen. Die TeilnehmerInnen der Karawane wollen nun schnellstmöglich ihre Reise nach Bamako fortsetzen, um dort rechtzeitig zum Auftakt der Tour am 25. Januar einzutreffen. Der Endpunkt ist Dakar, die Hauptstadt Senegals. Dort findet vom 6. bis 11. Februar 2011 das 11. Weltsozialforum statt.


Afrique Europe Interact besteht aus zahlreichen Graswurzel-Initiativen, aktuell sind AktivistInnen aus Deutschland, Mali, den Niederlanden und Österreich beteiligt - unter ihnen viele Abgeschobene (Mali) bzw. FlüchtlingsaktivistInnen (Europa). Was uns eint, ist die gemeinsame Überzeugung, dass sich an den aktuellen Ungleichsverhältnissen zwischen Afrika und Europa nur etwas ändern lässt, wenn soziale Basisbewegungen aus beiden Kontinenten in großem Stil gleichberechtigt, verbindlich und direkt zusammenarbeiten. Konkret richtet sich unser Protest gegen die zutiefst inhumane und häufig tödliche EU-Grenzpolitik, gleichzeitig werden auch die Hintergründe von Flucht und Migration zum Thema gemacht.
Konkret fordert Afrique-Europe-Interact "das Recht zu bleiben" UND "das Recht zu gehen". Was das konkret heißt, kann unserer 4-seitigen Aktionszeitung entnommen werden, die am 24.12.2010 der bundesweiten Ausgabe der Tageszeitung "taz" beigelegt war und die sich zusammen mit vielen weiteren Texten, Videos und Bildern auf unserer Webseite befindet:
www.afrique-europe-interact.net


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Quelle:
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veröffentlicht im Schattenblick zum 22. Januar 2011