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ITALIEN/488: Meloni punktet in Tokio - Japan erhöht Investitionen in Italien (Gerhard Feldbauer)


Meloni punktet in Tokio

Japan erhöht Investitionen
Die Luft- und Raumfahrt-Rüstungsgiganten Mitsubishi Heavy und Leonardo kooperieren beim Global Combat Air Programm

von Gerhard Feldbauer, 8. Februar 2024


Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, 2024 Vorsitzende der G7-Gruppe, hat bei einem Besuch ihres Vorgängers und japanischen Amtskollegen, Fumio Kishida, diesem für seine "großartige Arbeit" gedankt und hinzugefügt, "deren Fortsetzung wird schwierig sein". Im bilateralen Bereich beschlossen die strategischen Partner, zur Festigung der Kooperation einen "Konsultationsmechanismus zu Sicherheit und Verteidigung" einzurichten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ANSA. Begleitet von Experten traf Meloni nach dem Treffen mit Fumio Kishida mit nicht weniger als den CEOs und Präsidenten von acht großen japanischen Industrieunternehmen, die in Italien vertreten sind, zusammen. Es ging darum, "die industrielle Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu stärken, neue Partnerschaften zu fördern und japanische Investitionen vor allem in der Mikroelektronik, der Luft- und Raumfahrt nach Italien zu ziehen".

Hitachi Ltd, ein multinationales Unternehmen, das hauptsächlich in den Bereichen Elektronik, Eisenbahn, digitaler Mobilitätswandel und Batterieproduktion tätig ist, will insgesamt mehr als eine Milliarde Euro anlegen. Neben Ebara Corporation (Energie, Umwelt und Infrastruktur) stand NTT (Nippon Telegraph and Telephone) Corporation, ein multinationales Unternehmen im IT-Sektor (Telekommunikation, Finanz- und Multi-Utility-Dienstleistungen, Fertigung und Gesundheitswesen) auf der Agenda. Das Unternehmen mit Tochtergesellschaften (NTT DATA), u. a. in Mailand, Rom, Turin, Genua, Neapel und Cosenza, wird stärker einsteigen und neue Filialen in Sizilien und Apulien eröffnen, meldete Quotidiano Nazionale. In Cosenza befindet sich eines der drei größten globalen Forschungs- und Entwicklungszentren (zusammen mit denen in Tokio und Palo Alto, Kalifornien), das eng mit der Universität Kalabrien und der Region zusammenarbeitet.

Bei ihrem Besuch des Top-Managements von Mitsubishi Heavy Industries, einem der größten multinationalen Unternehmen u. a. in der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie, ging es um die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in dem Bereich angesiedelten italienischen Konzern Leonardo, einem der größten Rüstungsunternehmen der Welt, das seit Jahren auch auf einem der vorderen Plätze in der EU steht. Hier wurde die Kooperation der beiden Rüstungsgiganten in dem Global Combat Air Programme (GCAP), einem multinationalen Gemeinschaftsprojekt zwischen Italien, dem Vereinigten Königreich und Japan, bekräftigt, das u. a. bis 2035 den Tarnkappenjäger der sechsten Generation entwickelt, um den Eurofighter Typhoon bei der Royal Air Force wie auch bei der italienischen Luftwaffe und in Japan die Mitsubishi F-2 zu ersetzen. Leonardo hat im vergangenen Jahr auch für den Start eines von der EU-Raumfahrtbehörde ESA bis 2028 geplanten eigenen Raumschiffes den Auftrag erhalten, die zweistufige Trägerrakete "Ariane 6" bis 2024 auf die Startrampe zu bringen.

Mit dem Besuch des Yasukuni-Schreins, in dem die verurteilten japanischen Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkrieges geehrt werden, legte die faschistische Ministerpräsidentin ein Bekenntnis zu den von der Reaktion in Tokio hoch gehaltenen Traditionen des militaristischen Japan ab. Fumio Kishida revanchierte sich und lobte "ihre Fähigkeiten, politische Hartnäckigkeit und ihre Offenheit", insbesondere im Hinblick auf "die komplizierten Beziehungen zu China". Für die japanische Presse, so die Zeitung Sankei Shimbun, ist Meloni zur Anti-Macron geworden.

In einer Pressemitteilung zeigte sich Meloni sehr zufrieden mit den Ergebnissen ihres Besuchs. Die strategische Partnerschaft habe "zu einer Stärkung der Zusammenarbeit, beispielsweise im wissenschaftlichen und industriellen Bereich, geführt. Der Handelsaustausch zwischen Italien und Japan beträgt über 15 Milliarden Euro und ist um 15 Prozent gestiegen". Sie bekräftigte, dass Italien an gemeinsamen Militärmanövern im Indopazifik teilnehmen wird und das Flaggschiff der italienischen Kriegsmarine, der Flugzeugträger "Cavour", dorthin auf dem Weg ist. Erörtert wurde die Situation im Roten Meer, mit Auswirkungen auf die Stabilitäts- und Handelswelt im Indopazifik, sowie die Haltung zum Jahrestag des Beginns des Angriffskrieges durch Moskau auf die Ukraine. Nach Tokio wird Meloni auch alle anderen G7-Mitgliedsländer besuchen, darunter die USA und Kanada.

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Quelle:
© 2024 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 9. Februar 2024

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