Schattenblick Logo®


Schattenblick → INFOPOOL → BÜRGER/GESELLSCHAFT → FIAN


NEWS/118: FIAN kritisiert G8-Strategie zur Hungerbekämpfung


Fian - Pressemitteilung vom 10.07.2009
Internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht, sich zu ernähren

FIAN kritisiert G8-Strategie zur Hungerbekämpfung


Köln, 10.7.2009. Zum Abschluss des G8-Gipfels in L'Aquila zieht die Menschenrechtsorganisation FIAN eine gemischte Bilanz. "Wir begrüßen die Zusage der G8, in den nächsten drei Jahren 20 Milliarden US-Dollar für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern bereitzustellen", erklärte Ute Hausmann, Geschäftsführerin von FIAN Deutschland. Zugleich kritisierte sie Widersprüche in der G8-Strategie zur Hungerbekämpfung: "Solange die G8 die Länder des Südens zur Öffnung ihrer Märkte drängen, kann die Wiederbelebung der dortigen Landwirtschaft nicht gelingen."

FIAN warnte zudem vor dem Trugschluss, dass Investitionen in die Landwirtschaft automatisch zur Minderung des Hungers führen. "Die von den G8 geförderte Neue Grüne Revolution wird Kleinbauern weiter marginalisieren und in die Verschuldung treiben", kritisierte Roman Herre, Agrarexperte von FIAN Deutschland. Beunruhigend sei der Vorschlag Japans, Investitionen ausländischer Firmen in Agrarland zu fördern und durch Leitlinien sozial verträglich zu gestalten. "Damit würden Landnahmen legitimiert, die für viele KleinbäuerInnen und Nomaden den Verlust von Acker- oder Weideland bedeuten", so Roman Herre.

FIAN forderte mehr Transparenz und eine Überprüfung der Entwicklungshilfe der G8 auf Basis der international anerkannten Leitlinien zum Recht auf Nahrung. Der in L'Aquila vorgelegte Rechenschaftsbericht der G8 wirft laut FIAN ernste Fragen auf. "Von den 13 Milliarden US-Dollar, welche die G8 nach eigenen Angaben seit Januar 2008 zur Ernährungssicherung ausgegeben haben, werden nur vier Milliarden inhaltlich zugeordnet", bemängelte Ute Hausmann. "Es bleibt völlig offen, in welche Bereiche die restlichen zwei Drittel der Gelder geflossen sind".

Positiv bewertet FIAN daher die Absicht der G8, das in Rom angesiedelte Komitee für Welternährung zu reformieren und zum koordinierenden Forum für Welternährungspolitik auszubauen. "Im Komitee für Welternährung hat jeder Staat eine Stimme. Auch die geplante Einbindung der Zivilgesellschaft würde mehr Demokratie und Transparenz in der Ernährungspolitik gewährleisten", so Hausmann. "Arbeitsgrundlage des Komitees müssen die Leitlinien zum Recht auf Nahrung sein. Danach müssen die Prioritäten gesetzt und die Maßnahmen der Staatengemeinschaft zur Hungerbekämpfung gemessen werden."


*

FIAN (FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk) ist eine internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht auf Nahrung mit Mitgliedern in 60 Ländern.


*

Quelle:
Pressemitteilung vom 10. Juli 2009
Herausgeber: FIAN-Deutschland e.V., Briedeler Straße 13, 50969 Köln
Tel.: 221/702 00 72, Fax: 0221/702 00 32
E-Mail: fian@fian.de
Internet: www.fian.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 11. Juli 2009