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PFLANZEN/065: Moore - Geschichte großer Klimasenker ... (SB)



In den vergangenen Jahrhunderten stand der Nutzen und der Verbrauch an Bäumen, sogenannten Nutzpflanzen und Böden im Vordergrund. Wälder wurden abgeholzt, fielen einem Beinahe Kahlschlag zum Opfer, um aus dem Holz Häuser und Handels- oder Kriegsschiffe zu bauen. Moore wurden trockengelegt, um Land für Äcker und Felder zu gewinnen, Torf abgebaut, um als Brennstoff genutzt zu werden. In der damaligen Zeit wurde kaum darüber nachgedacht, welche weitreichende Bedeutung der Wald und das Moor für den Wasserhaushalt und das Klima der Erde haben. Im Vordergrund stand der Bedarf der Menschen an Roh- und Brennstoffen.
Heute, da die Folgen der Industrialisierung nicht mehr zu leugnen sind, die Anreicherung der Atmosphäre mit Kohlendioxid immense Auswirkungen auf sämtliche Ökosysteme hat und zu erheblichen Belastungen für Tier, Pflanze und Mensch führt, wird nach Lösungen gesucht, wie dem weltweiten CO2-Ausstoß Einhalt geboten werden kann, beziehungsweise wie man das Kohlendioxid wieder aus dem System entfernen kann. Hier kommen der Wald und die Moore als ideale Kohlenstoffspeicher, bzw. -senken ins Spiel. In diesem Teil befassen wir uns zunächst mit dem Moor und fragen, wie ein Moor entsteht und ob es wirklich so einfach ist, die bereits vernichteten Moore wieder in einen relativ ursprünglichen Lebensraum zurückzuführen.


Eine weite Fläche von weißen Wollgrasblüten bedeckt, wächst auf feuchten Moorboden - Foto: 2017, by TineWelli, (eigenes Werk) CC BY-SA 4.0 [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0], via Wikimedia Commons

Blühendes Wollgras im Oppenweher Moor
Foto: 2017, by TineWelli, (eigenes Werk) CC BY-SA 4.0
[https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0], via Wikimedia Commons



Die Bedeutung von Mooren für unser Wasser

Moore sind bereits nach der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren entstanden und haben sich seitdem über die Erde verbreitet. Zwar beträgt ihr Anteil an der gesamten Landfläche der Erde nur ungefähr drei Prozent, doch ist ihre Wirkung als Kohlenstoffsenke enorm. Sie speichern etwa ein Drittel des erdgebundenen Kohlenstoffs - das ist etwa doppelt so viel wie alle Wälder der Erde zusammen. Doch durch den Torfabbau und durch die Entwässerung der Moore zwecks Umwandlung in Acker- , Feld- und Wiesenflächen für die landwirtschaftliche Nutzung wurden und werden diese Ökosysteme weltweit zerstört. Allein in Deutschland wurden in den letzten Jahrhunderten 95% der Moore durch den Menschen trockengelegt oder durch Bebauung ganz vernichtet.

Dabei sind sie für den Wasserhaushalt in den Landschaften in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Bei starken Niederschlägen oder Überflutungen sind sie in der Lage große Mengen Wasser ähnlich einem Schwamm rasch aufzunehmen. Späterhin geben sie es langsam wieder ab, so dass Zeit für eine Regeneration (Erholung) der Landflächen bleibt. Des Weiteren wirken sie als Wasserfilter und erfüllen eine wichtige Aufgabe bei der Grundwasserneubildung.
Diese Wirkung erstreckt sich allerdings über lange Zeiträume, denn durch Moorböden sickert das Wasser nur ganz langsam. Würde es rascher einsickern, könnte keine typische wassergetränkte, morastige Moorfläche entstehen.

Unter den unwirtlichen Lebensbedingungen im Moor blühen beispielsweise Torfmoose, Röhrichte, Seggen oder Erlen. Sie können auf einem Boden, der stets von Wasser bedeckt ist und keine oder kaum Nährstoffe enthält, wachsen. Das reicht aber nicht für Bodenbakterien und Pilze, die normalerweise für die Zersetzung der Pflanzenreste sorgen. Auf diese Weise kann unter den nahezu sterilen Bedingungen das entstehen, was wir Torf nennen. Über viele Jahre häuft sich die Torfmasse an, wird nach unten zusammengedrückt und hat dann eine fast schwarze Färbung angenommen.

Diese Pflanzen, aus deren Resten der Torf entstand, haben während ihrer Wachstumszeit nicht nur Kohlendioxid aufgenommen, sondern auch andere im Wasser gelöste Schadstoffe, wie beispielsweise Nitrat, Ammoniak, Stickstoff oder Phosphor. Mit den Schadstoffen und dem Kohlendioxid verbunden, verbleiben sie gut versiegelt im Moor.


Im Vordergrund stehen viele kleine lila und rosa Blüten, grünes Gras um eine kleine dunkle Wasserfläche herum - Foto: 2006, by Pinkman, CC BY-SA 3.0 [http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/], via Wikimedia Commons

Pflanzengesellschaft im Moor(Haspelmoor)
Foto: 2006, by Pinkman, CC BY-SA 3.0
[http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/], via Wikimedia Commons


Das Wasser, das sich in den Mooren sammelt, ist auf diese Weise von Schadstoffen weitgehend befreit worden, so dass es gefiltert und gereinigt langsam in Richtung Grundwasserschicht sickern kann. Sauberes Grundwasser ist nicht nur für Pflanzen und Tiere vonnöten, auch wir sind darauf angewiesen und nutzen es als Trinkwasser.


Gefahren durch Entwässerung und Torfabbau

Durch das Eingreifen des Menschen kann von den Mooren allerdings auch eine klimabelastende Wirkung ausgehen. Das geschieht zum einen durch die Moor-Entwässerung. Moore sind eine Art Zwischenwelt aus Wasser und Land, sie bestehen zu fast 90% aus Wasser. Wird es im Zuge einer Entwässerung abgeleitet, trocknet der Boden und kann späterhin als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt werden.
In dieser Erde können sich dann auch wieder Bodenbakterien und Pilze ansiedeln, die eine vielfältige Belebung des Bodens ermöglichen. Wichtig ist dies für die Humusbildung, also für die Zersetzung von organischen Stoffen aller Art. Dieser Umwandlungsprozess dauert lange und aufgrund des anfangs noch fehlenden Humus wird Stickstoff, der in Moorböden zu einem großen Teil gespeichert war, freigesetzt und reagiert an der Luft mit Sauerstoff zu N2O - zu Lachgas. Dieses wirkt etwa 300-mal so stark als Treibhausgas wie Kohlendioxid und trägt somit erheblich zur globalen Temperaturerhöhung bei.

Zum anderen liegt die Gefahr direkt beim Torfabbau, denn die bis dahin darin gespeicherten Stoffe gelangen beim sogenannten Torfstechen an die Luft und in die Umgebung, also in Boden, Wasser und Atmosphäre. Torfstechen bedeutet, dass die Torfmasse in Stücken herausgestochen wird, die dann zum Trocknen ausgelegt werden. Wird Torf, der zu einem sehr großen Teil aus Kohlenstoff besteht, als Brennmaterial benutzt, gelangt das CO2, das bei dessen Verbrennung frei wird, noch schneller in die Atmosphäre.


Moore als Klimaretter?

Vor vielen Jahrhunderten existierten auch in Deutschland noch weitflächige Moorgebiete. In der vorindustriellen Zeit war die Kohlendioxidbelastung ein kaum wahrgenommenes Problem und außerdem konnten die vielen noch intakten Moore den Torfabbau, der an einigen Orten betrieben wurde, ausgleichen, so dass keine nennenswerten Schäden an Umwelt und Atmosphäre zu bemerken waren. Heute haben Wissenschaftler einen tiefen Einblick in die Ökologie des Lebensraums Moor. Aufgrund ihrer Erkenntnisse wird von Naturschutzorganisationen darauf gedrängt, die Moore wiederzubeleben, das heißt, sie zu renaturieren. Sie sollen als Kohlendioxidsenken dienen und damit dazu beitragen die Erderwärmung zu mindern. Doch ist es überhaupt möglich, Moore wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu überführen?
Die meisten trockengelegten Moore dienen heute als landwirtschaftliche Nutzflächen. Gehen sie bei einer Wiedervernässung verloren? Gibt es andere Möglichkeiten oder andere Nahrungspflanzen, die auf feuchten, moorähnlichen Gebieten gedeihen würden? Woher kommt das Wasser, das für eine erneute Bewässerung der ehemaligen Moorgebiete erforderlich wäre? Diese und andere Fragen werden wir im zweiten Teil über Moore behandeln.

Fortsetzung folgt ...


Diesem Artikel liegen folgende Quellen zugrunde:

https://www.nabu.de/news/2018/04/24302.html

https://www.moorschutz-deutschland.de/fileadmin/moorschutz/wasser/Moorschutz-i-_OEDL_Hydrologie.pdf

https://www.boell.de/de/2023/01/10/wiedervernaessung-von-mooren-ein-baustein-im-kampf-gegen-die-klimakrise

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/moore/moore-und-klimawandel/23375.html


9. Juni 2023


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