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TIERE/088: Zu schwer, zu groß, die Hummeln (SB)


H u m m e l n


Man nennt sie auch Bienen im Pelz, weil sie in ihrem gelb-braun-weiß gestreiften Haarkleid wie samtig-pelzige Bienen aussehen. Sie leben in viel kleineren Gemeinschaften als Bienen, und es ist eine einzelne Hummel, die einen neuen Verband gründet, der später einmal bis zu 500 Tiere zählen kann.

Es gibt viele verschiedene Hummelarten. Hier ein paar Beispiele: die Erdhummel, die Baumhummel, die Bergwaldhummel, die Grauweiße Hummel oder die Eisenhuthummel. Ihre Namen verraten schon, an welchen Orten sie leben, wie sie aussehen oder welche Pflanze sie als Pollen- und Nektarquelle bevorzugen. Hummeln kommen auch noch in hohen Bergregionen vor. In Indien gibt es Arten, die in einer Höhe von 6000 Metern beheimatet sind, in Europa leben einige Arten in den Alpen in Höhen von 800 bis 2500 Metern. Ihr Pelzkleid ermöglicht ihnen das.

Ende Februar / Anfang März, sobald Temperaturen um die 2 Grad C über Null gemessen werden, können schon die ersten Erdhummelköniginnen aus ihrer Winterstarre erwachen und sich den Weg aus ihrer Erdhöhle an die Oberfläche bahnen. Dort haben sie die Winterzeit verbracht. Ein bestimmter Stoff in ihrem Blut (Glykol) sorgte dafür, dass ihr Blut nicht einfriert. An der Oberfläche angelangt, wärmt ihr Haarkleid sie ausreichend und so kann eine Hummelkönigin ihren Flug zur Futtersuche starten, denn sie muss sich unbedingt erst einmal stärken. Die ersten Frühblüher - beispielsweise Schneeglöckchen, Krokusse, Schneerose, Seidelbast, Weidenkätzchen - dienen ihr als Pollen- und Nektarquelle.



Eine Hummel sitzt auf einer weißen Blüte, ihre Pollenhöschen sind voll beladen - Foto: © 2014 by Schattenblick

Foto: © 2014 by Schattenblick

Als nächstes hält sie bei ihren Rundflügen, die mehrere Kilometer lang sein können, Ausschau nach einer geeigneten Unterkunft. Von ihr bevorzugt werden kleine Erdhöhlen. Sehr gerne nimmt sie unbewohnte Mäuselöcher oder die Höhlen der Ziesel, aber auch Nistkästen, die eigentlich für die Vögel aufgehängt wurden, zählen zu ihren Lieblingswohnungen.

Wenn die Erdhummelkönigin so einen Höhleneingang ausfindig gemacht hat, tastet sie sich vorsichtig hinein, denn es kann immer sein, dass sie doch noch auf einen Bewohner trifft. Dann muss sie entweder schnell flüchten oder im Kampf die Höhle erobern und den bisherigen Höhleninhaber vertreiben. Die Hummel erweist sich hierbei als mutig und kämpferisch geschickt. So ist es durchaus möglich, dass eine Maus vor ihr Reißaus nimmt.

Ist es ihr gelungen eine Erdhöhle in Besitz zu nehmen, beginnt die Hummelkönigin mit dem Aufräumen des Nestes, polstert es mit Haaren, Federn oder Heu aus und fängt mit dem Formen von Wachstöpfchen an. Sie fertigt keine Waben wie die Bienen, sondern Wachsbehältnisse, die kleinen Fäßchen oder Näpfchen ähneln. Zuerst stellt sie eins davon her, in dem sie Nektar sammelt, als Nahrungsvorrat für sie selbst, denn wenn es draußen regnet oder gewittert, kann sie nicht ausfliegen. Das Wachs dafür stellt sie selber her. An ihrer Hinterleibsunterseite befindet sich eine Wachsdrüse, von der das Wachs abgeschieden wird. Mit den Hinterbeinen drückt sie es dort heraus, übernimmt die Portion dann mit ihren Vorderbeinen, um sie zu den Mundwerkzeugen zu befördern, mit denen sie daraus dann die Töpfchen formt. Das alles kostet sie viel Energie, deshalb ist danach erst einmal wieder eine Stärkung angesagt. Sie fliegt hinaus um Nektar zu trinken. Wieder im Nest, beginnt sie mit der Eiablage.

Ihre Eier wurden im vorherigen Jahr, bevor sie sich in ein Erdloch in die Winterstarre begab, von Drohnen, den männlichen Hummeln, befruchtet. Nun legt sie die Eier in mehrere der frisch gebauten Wachsbehältnisse. In ein Näpfchen passen 5 bis 15 Eier hinein. Bevor sie die Wachsbehältnisse mit einem Wachsdeckel verschließt, prüft sie sorgsam, ob eines der Eier beschädigt wurde. Nach dem Verschließen kann der Entwicklungsprozess beginnen. Wenige Tage später schlüpfen daraus die Larven, die sich nach 15 bis 20 Tagen verpuppen. Die Hummel ist eine fürsorgliche Hummelkönigin-Mutter, denn sie betreibt eine außergewöhnliche Brutpflege. Sie umfasst ein Näpfchen und bewegt sich dabei hin und her, so als ob sie sich ankuschelt. Dabei kann eine Wärme von ungefähr 35 Grad C entstehen - und Wärme ist gut für das Wachstum der Nachkommenschaft. Nach 20 Tagen schlüpfen die ersten Hummel-Arbeiterinnen. Zu Anfang sind sie feucht und farblos, aber in dem Nest, wo ca. 30 Grad C herrschen, trocknen sie schnell und erhalten dann nach und nach ihre typische Färbung. Die Hummelkönigin fliegt bald nicht mehr hinaus, da sie immer weiter neue Eier legt. Je nach Hummelart kann ein Volk auf ungefähr 50 bis 500 Tiere anwachsen.



Eine Hummel fliegt eine blaue Blüte an - Foto © 2014 by Schattenblick

Foto: © 2014 by Schattenblick

Nun ist es die Aufgabe der Arbeiterinnen, Nahrung heranzuschaffen. Den Pollen sammeln sie in den sogenannten Pollenhöschen an ihren Hinterbeinen. Voll beladen kehren sie in die Höhle zurück und verstauen den Pollen in Wachsnäpfchen. Diese Pollendepots und der Nektar dienen dem gesamten Hummelvolk als Nahrungsvorrat. Es gibt Hummeln, die ausfliegen und sich um die Nahrungsbeschaffung kümmern, und jene, die vornehmlich im Nest arbeiten. Sie versorgen die Königin und übernehmen die Brutpflege, denn das kann die Hummelkönigin nicht mehr schaffen. All das findet bis in den August hinein statt.



An einer blauen Blüte hängt eine Hummel, die dabei ist Pollen zu sammeln - Foto: © 2014 by Schattenblick

Foto: © 2014 by Schattenblick

In dieser Zeit wird das Leben der Hummeln immer wieder durch ihre Feinde bedroht. Der Bienenfresser, ein prächtig bunter Vogel, frisst nicht nur Bienen, sondern alle großen Insekten, also auch Hummeln. Auch bei der Gottesanbeterin, einer Fangschrecke, stehen sie auf dem Speiseplan, und der Braunbär erschnüffelt auch den süßen Duft aus den unterirdischen Hummelnestern. Einmal von ihm entdeckt, gibt es keine Rettung mehr. Er verspeist das Nest samt und sonders. Aber auch der Mensch setzt der Hummel zu. Viele Hummeln werden vom Menschen, meist aus Unkenntnis, mit Insektenspray getötet. Auch die verschiedenen Gifte gegen Pflanzenschädlinge, gegen unerwünschte Insekten und Pilze, die in der Landwirtschaft und im Garten eingesetzt werden, können zum Tod der Hummeln führen. Gerade im Frühjahr, wenn die Hummelköniginnen ausfliegen, fallen viele von ihnen dem Straßenverkehr zum Opfer. Den Autos können sie oft nicht schnell genug ausweichen und sterben beim Aufprall auf den Windschutzscheiben. Ihr Tod bedeutet, dass die Gründung eines ganzen Hummelvolkes nicht mehr stattfinden kann.

Wenn im Spätsommer viele Pflanzen verblühen und immer weniger Pollen und Nektar zu finden sind, beginnt auch die Zeit des Hummelsterbens.



Die Blüte ist schon am welk, die Hummel sucht hier noch nach Nahrung - Foto: © 2014 by Schattenblick

Foto: © 2014 by Schattenblick

Doch zuvor vollzieht sich im Nest noch eine Veränderung. Die Königin legt nun auch unbefruchtete Eier in die Näpfchen. Sie kann es steuern, ob sie befruchtete oder unbefruchtete Eier legen will. Aus letztgenannten entstehen die Drohnen. Das sind die männlichen Tiere. Aber sie legt auch noch befruchtete Eier, die eine besondere Zuwendung von den Brutpflegehummeln, auch Ammen genannt, erhalten. Aus ihnen entwickeln sich die jungen Bienenköniginnen. Sie sind größer als die Arbeiterinnen. Die geschlüpften Drohnen stärken sich an den Vorräten im Nest, bis sie dann hinaus fliegen. Ihre Aufgabe ist es, die jungen Königinnen zu begatten, die bald ebenfalls das Nest verlassen. Bevor sie das aber tun, töten sie die alte Hummelkönigin. Ungefähr 6 Monate lang hat sie für Nachwuchs gesorgt und ihr Volk gegründet. Nun ist ihre Zeit vorbei.

Nachdem die jungen Königinnen ausgeflogen sind, treffen sie auf die Drohnen, die schon nach ihnen Ausschau halten. Einige Zeit nach dem Begattungsvorgang sterben auch die Drohnen. Die jungen Königinnen graben sich im Herbst ein Erdloch, ungefähr 15 cm tief, unter Blättern und Gras. Dort fallen sie in Winterstarre. Längst nicht alle überleben den Winter, aber jene, die es schaffen, begründen im Frühjahr ein neues Volk.

Hummeln sind sehr fleißige Pollensammler und Nektartrinker, wobei sie im Nebenherein die Blüten bestäuben. In ihrem Haarkleid bleibt der Blütenstaub haften, der von dem männlichen Teil der Blüte, den Staubgefäßen, stammt. Fliegen sie nun auf die nächste Blüte der gleichen Art, gelangt dieser Blütenstaub auf deren Stempel/Narbe, das ist der weibliche Anteil der Pflanze und eine Befruchtung findet statt. Ungefähr 18 Stunden am Tag sind sie unterwegs und können beinahe 1000 Blüten anfliegen. Bienen sind nicht ganz so aktiv, aber dafür gibt es sie in viel größerer Zahl.

Inzwischen wird aber viel vom Bienensterben gesprochen und die Ursache dafür ist vielschichtig. Immer mehr Grünflächen werden zubetoniert, es wachsen immer weniger Blumenarten am Straßenrand. Die Pflanzenschutzmittel wirken giftig auf die Bienen und können sie töten. Außerdem gibt es von Natur aus viele Feinde der Bienen, wobei die kleinen, fast unsichtbaren, die gefährlichen sind und einen ganzen Bienenstock zunichte machen können - Faulbrut, Varroamilben, Bakterien.

Auch die Hummeln sind aus ähnlichen Gründen gefährdet. Trotzdem gibt es Überlegungen, sie als eine Art Ersatz für die Bienen einzusetzen, damit sie die Arbeit der Bestäubung der Blüten übernehmen. Kann es aber eine Lösung sein, wenn in einer Art Hummelzucht-Fabrik hunderttausende Hummeln gezüchtet werden, die dann ein neues Volk begründen? Sie werden in Kisten verpackt an die Kunden verschickt, um beispielsweise auf Obstplantagen aufgestellt zu werden, wo sie die Blüten bestäuben sollen. Auch für den eigenen Garten kann so ein Hummelkarton erstanden werden. Die Hummeln sind anpassungsfähig und nehmen gern einen solchen Karton als "Höhle" für den Nestbau an. Andernorts wird ähnlich mit den Bienen verfahren. Königinnen werden verschickt, um neue Völker zu gründen, und Unternehmer verleihen ihre Völker dann an landwirtschaftliche Großbetriebe zu einem bestimmten Preis, damit deren Pflanzen von diesen Bienen bestäubt werden. Die natürlichen Bestände von Hummeln und Bienen schwinden, eben weil es immer weniger Grünflächen mit Blütenbestand gibt, weil Umweltgifte und Parasiten ihnen zu schaffen machen.

Der Mensch ist aber auf Hummeln, Bienen und andere Insekten als Bestäuber angewiesen. Er muß seine Nahrungspflanzen von gerade den Tieren bestäuben lassen, denen er das Leben so schwer macht, und er hat eine Lösung gefunden. Die Tiere werden gleich wie Maschinen oder Werkzeuge eingesetzt. Auf Anbaugebieten mit Monokulturen, also dort, wo nur eine Pflanzenart angebaut wird, beispielsweise Mandelbäume oder Kirschen, sollen sie ihre Arbeit verrichten. Dabei wird nicht bedacht, ob Bienen oder Hummeln eine Blütenvielfalt schätzen. Denn eigentlich sammeln sie nicht für den Menschen, sondern für ihr eigenes Volk. Pollen und Nektar der verschiedenen Blüten dienen ihnen als Vorrat für Schlechtwetterzeiten und die Ernährung ihrer Nachkommenschaft. Und vielleicht stärkt eine abwechslungsreiche Nahrung ihre Abwehrkräfte? Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass sie über Jahrmillionen auf der Erde überleben konnten und die Schwierigkeiten auftraten, als der Mensch begann, sie ihrer Nahrung zu berauben?



Anmerkungen:

Diesem Artikel liegen folgende Quellen zugrunde:
- http://www.hummelfreund.com/alles-über-die-hummel/
- TV-Sendung "Hummeln - Bienen im Pelz"
Dokumentarfilm, Österreich, 2013, Film von Kurt Mündl, 45 Minuten

19. Februar 2015


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