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AUSSTELLUNG/9381: Passau - Poesie und Prosa, Bilder aus der Sammlung des Museum Moderner Kunst


Pressemitteilung von: Museum Moderner Kunst Wörlen-Passau

Poesie und Prosa
Bilder aus der Sammlung des MMK

Ab 10. Februar 2018


Das MMK präsentiert aus seiner Sammlung Gemälde, Grafiken, Fotografien und Objektbilder zeitgenössischer Künstler, vornehmlich aus Deutschland und Österreich. Es werden sowohl gegenständliche als auch abstrakte, sowohl lebhaft farbige als auch monochrom-lineare Gestaltungen gezeigt. Gemeinsam ist den meisten Werken die ihnen innewohnende "Poesie", eine nahezu magische Wirkung, die vor allem im Bereich der Stille, jenseits von Pathos und Aufdringlichkeit, angesiedelt ist.

Der Begriff "Poesie", der in früheren Zeiten alle dichterischen Werke umfasste und ab dem 19. Jahrhundert immer mehr durch den Begriff "Literatur" ersetzt worden ist, wird heute vor allem noch als Synonym für den Textbereich der Lyrik verwendet. Weit größere Bedeutung hat der Begriff "Poesie" mittlerweile aber als Bezeichnung einer bestimmten Wirkungsart. So spricht man beispielsweise von einer "poetischen Stimmung" oder der "Poesie eines Augenblicks". Folgerichtig haben auch bildende Künstler diesen Begriff für sich entdeckt.

Die tschechische Künstlerin Anna Kocourková (*1942) beschäftigt sich seit 1996 mit ihrem Projekt "Totale Poesie". In dem Zyklus von nicht arrangierten Fotografien dokumentiert sie die "Poesie des Alltags", die Wirkung von meist einfachen Dingen, die bei genauerer Betrachtung eine Fülle von Metaphern und Symbolen offenbaren.

Voll von "Poesie" sind die Bilder der österreichischen Künstlerin Helga Hofer (*1955), deren Hauptmotiv die Frau ist. Den schlichten, aber symbolhaft aufgeladenen Darstellungen der Künstlerin haftet meist etwas Archaisches und Ursprüngliches an.

Im Werk des österreichischen Künstlers Alois Riedl (*1935) kann die Poesie der aus speziellen Alltagsgegenständen - meist Polstermöbeln und Stühlen - erwachsenen abstrakten Formen entdeckt werden.

Den monochromen Arbeiten Karl Schleinkofers (*1951) schließlich wohnt eine ganz besondere Art von Poesie inne, eine des "fließenden Stillstands" oder der "hellen Dunkelheit". Mit seinen Bildern aus sich überlagernden schwarzen, grauen und weißen Linien lädt Schleinkofer den Betrachter ein, in vorsprachliche Bildwelten einzutauchen, in eine vielschichtige Welt der Ursprünglichkeit und Wildnis hinter dem reinen Schwarz.

Das Werk von Hannsjörg Voth (*1940), einem der Wegbereiter von Konzeptkunst und Land Art in Deutschland, entführt in eine symbolhaft verfremdete Realität. Mit seinen Objektkästen "Erntedank in Niederbayern" thematisiert Voth die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und den sich dadurch ergebenden Umweltproblemen. Trotz dieses "prosaischen" Themas entfalten auch diese Arbeiten mit ihren Erd- und Pflanzenmaterialien, Vogelfedern oder vergoldeten Tierknochen eine suggestive "poetische" Kraft. Eine besondere Rarität sind die Blätter aus der "Edition Ghetto", einem 1987/88 in Passau erschienenen Grafikzyklus. Diese Edition vereint Werke von 26 Künstlern, die zum Teil Mitarbeiter und Studierende des Referats Kunstpädagogik der noch jungen Universität Passau waren. Der Name "Ghetto" bezieht sich auf das erste Studentendorf in Passau, das auf dem Gelände des heutigen Sportzentrums lag. Die Studentensiedlung, in der "linksradikales und autonomes Gedankengut" vermutet wurde, fiel 1996 nach über zehnjährigem Kampf der Bewohner den von zahlreichen Polizisten begleiteten Abrissbaggern zum Opfer. - Aus den technisch und motivisch sehr unterschiedlichen Arbeiten der Edition, von denen einige auch das Passauer Ghetto selbst thematisieren, wurde für diese Schau eine Auswahl getroffen. Das Blatt "Flying Bunny" von Max Kanior ziert das Ausstellungsplakat.

Zu einem Gutteil verdankt sich diese Schau mehreren großzügigen Schenkungen an das Museum. Im Laufe der Jahre ist durch wiederholte Gaben Alois Riedls eine stattliche Anzahl von Werken des Künstlers in der Sammlung des Museums zusammengekommen.

Im Jahr 2015 schenkte das Ehepaar Hacker aus Salzweg dem MMK die seltene Ghetto-Mappe, außerdem überreichte die Künstlerin Anna Kocourková dem Haus mehrere Fotografien ihres Zyklus "Totale Poesie". Zum Jahresende 2016 schenkte die berühmte Münchner Galerie van de Loo dem Passauer Museum eine größere Anzahl von Arbeiten der Künstler Karl Schleinkofer und Pia Mühlbauer. Im Dezember 2017 gab die Künstlerin Helga Hofer eine Reihe von Arbeiten in die Sammlung des Museums. Die jüngste Gabe sind die großformatigen Materialbilder von Hannsjörg Voth, welche die Sammlung des Museums im Bereich der Objektkunst um eine wichtige aktuelle Position erweitern.

Diese Bestandsausstellung wird bis auf Weiteres zu sehen sein. Im Lauf des Jahres wird es dazu erstmals eine Audio-Führung im Museum Moderner Kunst geben.

Die Museumspädagogik des Hauses nimmt zahlreiche Aspekte der Sammlungspräsentation auf und bietet ein vielfältiges Programm für alle Altersgruppen an.

MUSEUM MODERNER KUNST - WÖRLEN gemeinnützige GmbH
Bräugasse 17, D-94032 Passau
www.mmk-passau.de

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Quelle:
bpar - Beisel Public Art Relations
Eine Initiative der Healthcom GmbH
Agrippinawerft 22, 50678 Köln
Telefon: 0221 / 222 83 - 181, Fax: 0221 / 222 83 - 322
E-Mail: info@bpar.de
Internet: www.bpar.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 16. Februar 2018

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