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AUSSTELLUNG/9476: Vorarlberg Museum - Wacker im Krieg. Erfahrungen eines Künstlers, bis 17.02.2019


Pressemitteilung von: vorarlberg museum

Wacker im Krieg. Erfahrungen eines Künstlers

9. Juni 2018 bis 17. Februar 2019


Der Krieg sollte für Rudolf Wacker (1893 - 1939) nie enden. Der Abschied von Bregenz am 1. August 1914 und die Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft am 14. September 1920 bleiben dem Maler zeitlebens die wichtigsten Erinnerungstage. Die Ausstellung veranschaulicht, wie Wacker im sibirischen Lager zum Künstler wurde, und welche Auswirkungen Krieg und Gefangenschaft auf sein weiteres Leben und Schaffen hatten. In Zusammenarbeit mit dem Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek, das den schriftlichen Nachlass des Künstlers verwahrt.

Wie der Krieg Hoffnungen zerstört und die Richtung eines Lebens drastisch verändert, wird in der Ausstellung exemplarisch dargelegt: Aufgewachsen im großbürgerlichen Milieu in Bregenz, führte Rudolf Wacker in Wien und Weimar das Leben eines begüterten Kunststudenten. Der Krieg zwang ihn in Uniform und Verderbnis, die Gefangenschaft in Tomsk in Sibirien konfrontierte ihn mit Hunger, Kälte, Typhus, Einsamkeit und Gewalt. Nach zwei Jahren im sibirischen Lager begann er zu zeichnen, leidenschaftlich, nicht mehr akademisch, wie er es gelernt hatte, sondern auf der Suche nach einem eigenen Stil: Selbstporträts, Landschaftsstudien, Lagerskizzen, Porträts von Mitgefangenen, aber auch von jungen Frauen, russischen Intellektuellen und Künstlern, die er außerhalb des Lagers kennengelernt hatte.

Das Leben nach dem Krieg

Als Rudolf Wacker 1920 nach fünf Jahren Gefangenschaft in sein Elternhaus zurückkehrte, war Bregenz eine andere Stadt geworden, die Monarchie war Geschichte, der Vater gestorben, die Inflation fraß das Vermögen auf. Hier begann er, seine eigene malerische Sprache zu entwickeln, verdichtete alle seine Erfahrungen, Emotionen und Ideen, aber auch seine Zeitkritik und Utopien in jenen Dingen, die seinen Stillleben einen so eigensinnigen Charakter verleihen und sie unvergleichlich machen. Er malte zersprungene Puppen mit leuchtenden Augen, versehrte Heiligenfiguren und Engel, künstliche Vögel, Kinderzeichnungen, Kasperlefiguren, Bücher, Zeitungen, Jasskarten und kombinierte sie in eigenwilligen Konstellationen. Das Selbstporträt bildete seit dem Lager einen wichtigen Teil seines Oeuvres.

Zu manchen der ehemaligen Mitgefangenen in Tomsk unterhielt Wacker zeitlebens enge Beziehungen und zurück in Bregenz zog ihn alles Russische magisch an. So wurde ihm Sergei Eisensteins Film "Panzerkreuzer Potemkin" zur Offenbarung einer "abstrakten Sachlichkeit", in Tolstois Bauern "Polikushka" sah er sich selbst, was er mit dem "Russenhemd", das er so oft trug, unterstrich. Als die Gestapo 1938 sein Haus in Bregenz durchsuchte, wurde ihm diese Russenliebe zum Verhängnis. Wacker erinnerte sich an die Durchsuchungen in den Tomsker Baracken. Der Krieg hörte eben nie auf. Rudolf Wacker starb 1939 an den Folgen eines Herzinfarkts.

Die Ausstellung

Die Ausstellung zeigt, wie Wacker im sibirischen Lager zum Künstler wurde und welche Auswirkungen Krieg und Gefangenschaft auf sein Leben und Schaffen nach dem Lager hatten. Hier die Fragilität der Lagersituation mit dem zeichnerischen Werk, dort die eher museale Präsentation mit den Ölgemälden. Durch "Wacker im Krieg" zieht sich ein dokumentarischer Strang aus Fotografien, Filmen, persönlichen Dokumenten und Auszügen aus Wackers umfassenden Tagebüchern und Briefwechsel, die seine künstlerischen, emotionalen und intellektuellen Befindlichkeiten wiedergeben. Die Ausstellung zeigt Werke (30 Ölgemälde, 115 Zeichnungen) und Objekte (Fotografien, Briefe, Postkarten, Lagerdokumente, Aufzeichnungen) aus Sammlungen aus Österreich, Schweiz, Polen, Russland und Slowenien, viele davon sind erstmals zu sehen, darunter auch eines seiner Schlüsselwerke "Der Maler (Selbstbildnis)" von 1924, das erstmals seit 1925 wieder öffentlich zu sehen ist.


Biografie Wacker

1893
Am 25. Februar als viertes Kind von Baumeister Romedius Wacker und Marianne Wacker (geb. Wüstner) in Bregenz geboren

1905 - 1909
Besuch des Gymnasiums in Bregenz

1909 - 1910
Selbststudium unter Anleitung von Zeichenlehrer Johann Jelinek, Besuch des Offenen Zeichen- und Modelliersaals der k. k. Fachschule für gewerbliches Zeichnen in Bregenz

1910 und 1911
Aufnahmeprüfungen an die Akademie der bildenden Künste in Wien scheitern.

1910 - 1911
Besuch der privaten Malschule von Gustav Bauer in Wien

1911 - 1914
Studium an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar bei Fritz Mackensen, Albin Egger-Lienz und Walther Klemm

1914 - 1915
Einjährig Freiwilliger im k. u. k. 1., dann 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger, ab September im k. u. k. Infanterieregiment Erzherzog Rainer Nr. 59, Grundausbildung in Innsbruck, Trient und Salzburg, Ausbildung zum Zugskommandanten in Steyr und Salzburg, Rekrutenausbildner in Salzburg

1915
26. Mai zum Feldregiment an die russische Front, 7. Oktober Gefangennahme, 8. Oktober Beförderung zum Fähnrich in der Reserve

1915 - 1920
Kriegsgefangenschaft, zunächst in Tetjusi, ab Juni 1916 Tomsk in Sibirien. Beginnt 1917 im Lager zu zeichnen, als Folge der Russischen Revolution kann sich Wacker zeitweise außerhalb des Lagers aufhalten. 1920 verlässt Wacker das Lager und zieht in die Stadt Tomsk. Hier macht er Bekanntschaft mit russischen Künstlern und Intellektuellen.

1920
14. September Rückkehr nach Bregenz

1921
Ausstellung von Zeichnungen im Landesmuseum Weimar, mit der eine regelmäßige Ausstellungstätigkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Museen und Galerien beginnt.

1921 - 1923
Wacker verbringt jeweils mehrere Monate in Berlin, er versucht hier als Künstler Fuß zu fassen.

1922
Heirat mit Ilse Moebius, Tochter eines Pastors in Goslar, die er als sein Modell kennenlernt.

1923 / 1924
Umzug nach Wien, Reise nach Hermannstadt/Sibiu in Rumänien

1924 - 1939
Wacker lebt dauerhaft in Bregenz, unterbrochen von fast jährlichen ein- bis zweimonatigen Aufenthalten in Berlin und Goslar; Reisen in die Schweiz und innerhalb Österreichs. Mitgliedschaft in mehreren Künstlervereinigungen, Mitbegründer der "Vorarlberger Kunstgemeinde" und des "Kreises", ein Zusammenschluss von Künstlern rund um den Bodensee

1929
Geburt des Sohnes Romedius

1933
Beitritt zur "Vaterländischen Front"

1934 - 1937
"Amtswalter der Vaterländischen Front für kulturelle Belange", Ortsgruppe Bregenz

1934
Teilnahme an der XIX. Biennale in Venedig

1935
Erfolglose Bemühungen um eine Professur an der Akademie der bildenden Künste in Wien, als Nachfolger von Josef Jungwirth wird Herbert Boeckl ernannt.

1938
Hausdurchsuchung und Verhör durch die Gestapo; erster Herzinfarkt; Entfernung aus dem Vorstand der "Vorarlberger Kunstgemeinde" und aus dem "Zentralverband bildender Künstler Österreichs" als Vertreter Vorarlbergs

1939
Am 19. April in Bregenz gestorben. Die für September geplante und genehmigte Gedächtnisausstellung der "Vorarlberger Kunstgemeinde" wird aufgrund des Kriegsbeginns verschoben und erst 1946 verwirklicht.

vorarlberg museum
www.vorarlbergmuseum.at

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Quelle:
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veröffentlicht im Schattenblick zum 15. Juni 2018

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