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DOKUMENTATION/1389: ZDF - "Stolzes Sizilien", "Politik unter Druck", "Energiewende", am 20.07., 27.07. und 03.08.2017 (ZDF)


"Stolzes Sizilien", "Politik unter Druck", "Energiewende"
Donnerstag, 20. Juli 2017, 22.15 Uhr / Donnerstag, 27. Juli 2017, 22.15 Uhr / Donnerstag, 3. August 2017, 22.15 Uhr

Inhalt:
– Sendetermine und Stab
– Stolzes Sizilien – Aufbruch am Ätna
– Politik unter Druck – Europa und die Flüchtlinge
– Club Europa
– Zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Wie realistisch ist die Energiewende?
– Biografische Angaben zu Gert Anhalt, Autor von "Stolzes Sizilien"


Sendetermine und Stab

Donnerstag, 20. Juli 2017, 22.15 Uhr, ZDF
Stolzes Sizilien – Aufbruch am Ätna

Film von Gert Anhalt
Produktion: ZDF
Redaktion: Claudia Ruete
Länge: ca. 45 Minuten

Donnerstag, 27. Juli 2017, 22.15 Uhr, ZDF
Politik unter Druck – Europa und die Flüchtlinge

Film von Katja Nellissen
Kamera: Olaf Jürgens, Adnane Korchyou
Produktion: Gruppe 5
Redaktion: Paul Amberg, Claudia Ruete
Länge: ca. 45 Minuten

Donnerstag, 3. August 2017, 22.15 Uhr, ZDF
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Wie realistisch ist die Energiewende?

Film von Birgit Tanner
Produktion: k22
Redaktion: Volker Angres
Länge: ca. 45 Minuten


Hinweis zur Sommerpause von "maybrit illner"

Am Donnerstag, 13. Juli 2017, 22.15 Uhr ist im ZDF die letzte Ausgabe der Polittalks vor der Sommerpause zu sehen. Am Donnerstag, 24. August 2017, 22.15 Uhr ist die erste "maybrit illner"-Ausgabe nach der Sommerpause im ZDF zu sehen.

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Stolzes Sizilien – Aufbruch am Ätna

Trauminsel im Mittelmeer – oder Eiland des Elends? Sizilien erlebt den Beginn einer neuen Zeit. Zwischen Palermo und Taormina trifft Gert Anhalt junge Sizilianer mit Mut, Ideen und Visionen.

Korruption und Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Flüchtlingselend – Sizilien kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Aber eine neue Generation junger Sizilianer lässt sich von den Widrigkeiten nicht schrecken und sucht ideenreich den Anschluss an Europa.

Über hundert Bewerbungen für eine Schuhputzer-Lehrstelle

In kürzester Zeit gingen 120 Bewerbungen ein. Dabei wurde kein Top-Job angeboten, sondern eine Lehrstelle als Schuhputzer in Palermo. So hoch ist die Arbeitslosigkeit, so hungrig die Jugend nach Beschäftigung, dass selbst Hochschulabsolventen sich bewarben. Marielisa war eine der Glücklichen, die nun eine Ausbildung machen konnten. Mit dem Job will sie sich das Geld für ein Medizinstudium verdienen.

Dieser eiserne Wille zum Durchhalten scheint typisch für eine neue Generation von Sizilianern, die an Europas Wohlstandsversprechen glauben. Ihnen ist allerdings auf ihrer wunderschönen, jedoch teilweise dysfunktionalen Insel schlicht der Anschluss abhandengekommen ist. Damit soll jetzt Schluss sein.

Palermo als "Stadt der Jugend"

Italiens Regierung hat Palermo zur "Stadt der Jugend 2017" ernannt – angeblich, weil dort viel für die junge Generation getan wird. Wenn das tatsächlich so wäre, dann würde es auch höchste Zeit: Mehr als 70 000 Sizilianer haben in den vergangenen Jahren ihrer Heimat den Rücken gekehrt und sind nach Norden entschwunden, weil sie daheim keine Perspektive mehr sahen. Aber es gibt auch solche, die zurückkamen und die anpacken, um Sizilien zu verbessern.

Zum Beispiel Ermes. Der 31-Jährige kehrte nach langen Aufenthalten im Ausland heim, um zu helfen, die Insel aus dem Würgegriff der Mafia zu befreien. Heute arbeitet er als Reiseführer bei der Initiative Addiopizzo, die unter anderem Touristen an die Schauplätze des organisierten Verbrechens führt und Geschäftsleute anstiftet, kein Schutzgeld mehr zu bezahlen.

Mit der Unterwelt hat Mimma, 33, keine Erfahrung – sie hat einen Universitätsabschluss in Altgriechisch, was es nicht nur im strukturschwachen Sizilien schwer macht, einen Job zu finden. Daher beschloss sie, den Bauernhof ihres verstorbenen Vaters weiter zu betreiben – und schaffte sich 130 Esel an, deren Milch sie heute erfolgreich vermarktet.

Ob in der Meersalzgewinnung im Westen Siziliens, in der Betreuung afrikanischer Flüchtlinge in Pozzallo an der Südküste oder in der Konditorei in Taormina – überall trifft der Filmautor auf junge Leute, deren Lebensfreude sprichwörtlich ist und deren Hoffnungen größer sind als ihre Schwierigkeiten.

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Politik unter Druck – Europa und die Flüchtlinge

Am 4. September 2015 entschließt sich Bundeskanzlerin Merkel, die Grenze für Flüchtlinge aus Ungarn zu öffnen. Eine historische Entscheidung, die vieles verändert in Deutschland und Europa. Wie kam es zu dieser augenscheinlich einsamen Entscheidung der deutschen Regierungschefin? Die ZDF-Dokumentation wirft einen Blick auf die Hintergründe und den Verlauf der jüngsten Flüchtlingskrise und fragt, wie es weitergeht mit der Fluchtburg Europa.

Nach wie vor ist Europa das Ziel vieler Flüchtender aus den Kriegsgebieten, vor allem Syriens. Aber auch aus Afrika, dem Irak und Afghanistan machen sich viele Menschen auf den Weg in eine vermeintlich sichere Welt. Grenzschließungen und ein Deal mit der Türkei im vergangenen Jahr haben mittlerweile den Weg über den Balkan und die Ägäis versperrt. Wie ist es dazu gekommen? Die Autorin Katja Nellissen zeichnet die Stationen und Entscheidungsmomente im Flüchtlingsdrama der vergangenen Jahre nach.

Die Not der Menschen und die Versäumnisse der EU wurden mit der Tragödie vom 3. Oktober 2013 im Mittelmeer deutlich. 300 Menschen starben, als ihr Boot auf dem Weg von Libyen nach Italien vor der italienischen Insel Lampedusa kenterte. Der herbeigeeilte damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso appellierte an die Staats- und Regierungschefs: "Der Notstand von Lampedusa ist ein europäischer, Europa kann sich nicht abwenden." Doch nichts passierte.

Anfang September 2015 eskaliert die Krise: Immer mehr Flüchtlinge sind auf dem Weg nach Europa. Auf einmal kommt vieles zusammen: eine EU, die den Druck an ihrer Außengrenze weitestgehend ignoriert und sich nicht auf eine gemeinsame Politik einigen kann, eine deutsche Bundeskanzlerin, die mit extremen Emotionen aus der Bevölkerung konfrontiert wird, und ein ungarischer Ministerpräsident, der die vielen Asylsuchenden in seinem Land so schnell wie möglich loswerden möchte. Angela Merkel trifft eine folgenschwere Entscheidung.

Der Film erzählt die Geschichte von Macht, Druck und politischen Interessen, von Taktik und fehlender Strategie. Zu Wort kommen Politiker, die Entscheidungen mit getroffen haben, Journalisten, die Einblicke haben in den inneren Kreis der Politik und die Auskunft geben können, was die Politiker in den Momenten der Entscheidung angetrieben hat. Aber auch Wissenschaftler, die die Interessenkonflikte und die Folgen für die Demokratie beleuchten: Wie viel Spielraum gab es tatsächlich für die politischen Entscheider? Und gibt es mittlerweile Auswege aus der Krise?

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Club Europa

Im Anschluss an die Dokumentation "Politik unter Druck – Europa und die Flüchtlinge" ist am Donnerstag, 27. Juli 2017, ab 23.00 Uhr in der Reihe "Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten" der Film "Club Europa" zu sehen: Aus dem Bedürfnis heraus, etwas Gutes zu tun, nehmen Martha und ihre Mitbewohner einen Flüchtling in ihrer Kreuzberger WG auf. Für alle beginnt ein moralisches Abenteuer mit offenem Ausgang.

Das Zusammenleben von Martha, Jamie, Yasmin und ihrem kamerunischen Mitbewohner Samuel ist freundschaftlich, und alle wachsen zusammen. Als sich Samuels Aufenthaltsstatus ändert, stellt sich den engagierten Helfern aber die Frage, wie weit sie wirklich gehen wollen.

Denn Martha und ihre Mitbewohner treibt Samuels Plan, illegal in Deutschland und vor allem auch in der WG zu bleiben, an die Grenzen ihrer Hilfsbereitschaft. Sind sie bereit, das Risiko einzugehen, sich selbst strafbar zu machen? Oder stellt sich heraus, dass letzten Endes jeder nur für seine eigenen Ziele kämpft?

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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Wie realistisch ist die Energiewende?

Erneuerbare Energie ist eines der besten Mittel gegen die Klimaerwärmung. Dazu müsste das Energiesystem konsequent umgebaut werden. Und das ist eine gigantische Herausforderung. Beispiel Windenergie: 25 Gigawatt Zubau pro Jahr müssten erreicht werden, um die Energiewende im Zeitplan zu halten und die deutschen Klimaschutzziele zu erfüllen. Doch tatsächlich gibt es gerade einmal 2,5 Gigawatt neuen Windstrom.

An den Windkraftanlagen-Herstellern liegt es nicht. Die Bundesregierung selbst tritt bei der Energiewende aus Kostengründen auf die Bremse. Das muss nicht so bleiben, denn im September wird neu gewählt. Die Vorschläge zur Energiewende sind dabei so unterschiedlich wie das politische Spektrum der zur Wahl stehenden Parteien. Für die AfD gibt es keinen menschengemachten Klimawandel. Deshalb will sie auch keine Energiewende, sondern wie US-Präsident Trump das Pariser Klimaschutzprotokoll kündigen. Alle anderen Parteien, allen voran Bündnis 90/Die Grünen, wollen die Energiewende. Allerdings verfolgen sie bei der Umsetzung die unterschiedlichsten Ansätze. Sie reichen von wesentlich stärkerer staatlicher Lenkung und Subventionierung bis hin zum freien Spiel der Marktkräfte.

Was bedeutet all das für die Bürgerinnen und Bürger? Schließlich zahlen sie die Energiewende, nicht nur durch die Umlage für erneuerbare Energien. Eine Blaupause für die Energiewende gibt es nicht. Diese Erkenntnis setzt sich immer mehr durch. Alte Forderungen, wie die nach einem Netzausbau mit "Stromautobahnen", gelten mittlerweile nicht mehr als zielführend. Im Gegenteil: Erneuerbare Energien sind dezentral am wirkungsvollsten, können am besten ja nach Standort eingesetzt werden. Genau das schafft auch neue Möglichkeiten der energetischen Verknüpfung: Wurden früher Strom- und Wärmeversorgung sowie auch Mobilität getrennt betrachtet, werden jetzt neue Formen der Verknüpfung gesucht. Sektorkopplung ist der Fachbegriff dafür. Das treibt nicht nur die Energiewende voran, sondern beschert der Wirtschaft auch lukrative neue Geschäftsmodelle.

Warum nicht die Batterie eines Elektroautos beim Parken als Stromquelle an einen Netzbetreiber vermieten, um die Spitzenlast im Netz abzufedern? Millionenfach gedacht ist das höchst attraktiv. Warum nicht aus überschüssigem Windstrom Methangas herstellen? Es ist gut speicherbar und findet viele Anwendungen. Warum nicht Hunderttausende private Photovoltaikanlagen über digitale "Smart Grids" ganz nach Bedarf zu virtuellen Kraftwerken zusammenschließen? All das ermöglicht eine neue Dimension der Gestaltungskreativität.

Die Dokumentation zeigt an Beispielen, wo die Hindernisse der Energiewende derzeit liegen und welche Modelle sich als höchst erfolgreich erwiesen haben und fragt auch nach den unterschiedlichen Prioritäten, die die Parteien bei der Umsetzung der Energiewende setzen.

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Biografische Angaben zu Gert Anhalt, Autor von "Stolzes Sizilien"

Gert Anhalt, 1963 in Bad Wildungen geboren, ist als Reporter und Redakteur in der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen aktiv. Seit 1989 im ZDF tätig, leitete Gert Anhalt von 1993 bis 1998 das ZDF-Studio in Peking und von 2000 bis 2005 das ZDF-Studio in Tokio. Der studierte Japanologe arbeitete in den vergangenen Jahren als Filmautor und Reporter, die zweiteilige Reportage "Indien", eine Folge aus der Doku-Serie "Chinas Schätze", die "Anhaltspunkte" zu den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 oder die "Bin mal kurz …"-Dokumentationen für ZDFinfo sind Beispiele dafür. Im Januar 2015 war im Rahmen des ZDF-Zweiteilers "Wüstenträume" Gert Anhalts Film "Oman – Im Reich des Sultans" erstmals zu sehen, im Sommer 2015 erkundete der Filmautor in "Life's a Beach" für das ZDF "Traumstrände der Welt" und im Januar 2017 stand sein Film "Let it snow – Kalt erwischt auf drei Kontinenten" auf dem ZDF-Programm. Gert Anhalt ist auch Autor zahlreicher Sachbücher und Kriminalromane.  

– Änderungen und Ergänzungen vorbehalten –
 

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Quelle:
ZDF – Zweites Deutsches Fernsehen
Presse Special – Juli 2017
Copyrights by ZDF
Internet: www.zdf.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 17. Juli 2017

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