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BERICHT/014: Radio Wissenschaft im Offenen Kanal Jena (Uni-Journal Jena)


Uni-Journal Jena - Nr. 01 - Sommersemester 2012

Radio Wissenschaft

Jenaer Forschung im Offenen Kanal Jena

von Sebastian Hollstein



Die Abendsonne über Jena-Ost scheint ins Studio hinein. Das On-Air-Rotlicht ist wegen des grellen Lichts kaum zu erkennen. Doch die vier Redakteure hinter dem Mikrofon lassen sich nicht blenden. Ihr Blick ist auf die Monitore und den Ablaufplan vor ihnen gerichtet - soweit der Plan existiert. "Natürlich wissen wir, welche Beiträge uns vorliegen", erklärt Stefan Meldau das kreative Chaos. "Aber es ist nicht selten, dass wir erst während der Sendung entscheiden, was wann kommt."

Gemeinsam mit anderen Kommilitonen hat der Doktorand der Uni Jena vor zwei Jahren "Radio Wissenschaft" ins Leben gerufen. Immer am letzten Dienstag des Monats von 19 bis 20 Uhr widmen sich die jungen Radiomacher im Offenen Kanal Jena (OKJ) einem Themengebiet aus der Wissenschaftslandschaft Jena und garnieren das mit aktuellen Meldungen und Veranstaltungstipps.


Selber machen

"Ich höre sehr gern Podcasts zu wissenschaftlichen Themen und irgendwann hab ich gedacht, dass ich sowas auch selber machen könnte", erzählt Stefan. Beim OKJ rannte er mit seiner Idee offene Türen ein. Zwei seiner Doktoranden-Kollegen, Andreas Wolff und Sandra Julich, moderierten bereits eine Sendung im Regionalradio und brachten somit das technische Know-how mit. Katja Schubach, die Journalistin im Team, half bei der Organisation und beim Texten.

Nach zwei Jahren ist inzwischen vieles zur Routine geworden. "Wir sind spürbar besser geworden", sagt Hendrik Wünsche, ebenfalls ein Gründungsmitglied. "Wir agieren lockerer am Mikrofon und die Texte werden radiogerechter." Einige Interviews zeichnen die Redakteure meist bei den Forschern vor Ort auf und schneiden sie dann mit der Technik des OKJ. Außerdem müssen Rubriken wie "Wer ist eigentlich?" und "Was ist eigentlich?" geschrieben und eingesprochen werden. Darin klären die Radiomacher über Personen und Begriffe auf, die dem Hörer gerade in Jena immer wieder begegnen. Gerade inhaltlich lernen die Hobbyjournalisten regelmäßig dazu. Obwohl die meisten aus dem naturwissenschaftlichen Bereich kommen, ist ihnen eine gute Mischung sehr wichtig. "Vor kurzem haben wir eine Sendung über Theologie gemacht", berichtet Stefan Meldau. "Da will man ja auch keine blöden Fragen stellen und bereitet sich entsprechend vor." Studiogäste kommen gerne in die Sendung. Für viele ist es das erste Mal in einem Radiostudio. "Ich bin schon aufgeregt", gesteht Dr. Michael Ramm vom Hans-Knöll-Institut Jena, der in der aktuellen Sendung über die Arbeit der Einrichtung Rede und Antwort steht. Doch das Eis bricht schnell und er schlägt sich gut. Zwischen den eingespielten Beiträgen und einzelnen Liedern kommen die Moderatoren auch ohne Mikrofon mit ihrem Gast ins Gespräch. Während Ramm alles über die Sendung wissen will, vertiefen die Radiomacher hinter dem Mikrofon die Fragen, die sie gerade noch über den Äther verbreitet haben, oder sprechen die nächsten Inhalte ab.


Nachfolger gesucht

Doch nach allem Erfolg und Weiterentwicklung in den vergangenen zwei Jahren steht die Sendung vor einem Problem, das bei studentischen Projekten nicht selten ist. "Wir haben als Doktoranden begonnen, doch inzwischen haben wir fast alle die Promotion abgeschlossen und immer weniger Zeit fürs Radiomachen", sagt "Erfinder" Stefan. Einige Redaktionsmitglieder haben Jena bereits verlassen, andere haben aus beruflichen und familiären Gründen immer weniger Zeit, eigene Beiträge zu gestalten oder die Moderation zu übernehmen. "Wir wollen natürlich, dass die Sendung weiterläuft, auch wenn die erste Generation kürzer treten muss", sagt Dr. Andreas Wolff. "Wir freuen uns deshalb über jeden, der Interesse hat, in unserem Team mitzuarbeiten - neue Mitglieder bedeuten ja auch neue Impulse. Außer Neugier für wissenschaftliche Themen muss man eigentlich nichts mitbringen."

Nach einer Stunde ist es doch so dunkel geworden, wie man sich ein Radiostudio vorstellt. Die rote Lampe färbt die Gesichter der vier jungen Radiomacher hinter dem Technikpult. Sie diskutieren bereits über den Inhalt der nächsten Sendung. Denn auch im dritten Jahr wollen sie ihr "Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Radio Wissenschaft" in die Welt funken.

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Quelle:
Uni-Journal Jena Nr. 01, Sommersemester 2012, S. 37
Herausgeber: Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Redaktion: Fürstengraben 1, 07743 Jena
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veröffentlicht im Schattenblick zum 25. Juli 2012