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BERICHT/015: Programmmacher und Kulturschaffende diskutierten über "Kultur im Radio und junge Menschen" (WDR)


Westdeutscher Rundfunk Köln (WDR) - Pressemitteilung vom 27. September 2012

WDR=Kultur=Gut: Programmmacher und Kulturschaffende diskutierten über "Kultur im Radio und junge Menschen"

Klassisches Radio nicht gefährdet



Was erwarten junge Menschen von einem Kulturradio? Und was kann Kulturradio jungen Menschen heutzutage bieten? Um diese und andere Fragen ging es bei der zweiten Veranstaltung der Diskussionsreihe "WDR=Kultur=Gut". Auf dem Podium im Bochumer Schauspielhaus diskutierten Programmmacher, Kulturschaffende und Kulturexperten. Schnell kam das Gespräch unter Leitung von WDR-Moderator Uwe Schulz auf das Spannungsverhältnis zwischen dem klassischen Radio und dem Internet. Wird das Radio von den neuen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke abgehängt? Oder hat die Kultur im Radio eine Zukunft?

Kultur im Radio müsse neue Wege gehen, um neue Hörerschichten für sich zu begeistern, war Jochen Rausch, 1LIVE-Chef und stellvertretender Hörfunkdirektor des WDR überzeugt. "Kulturradio wird bislang immer mit klassischer Musik verbunden. Ich fände es spannend, hier moderne Stücke einfließen zu lassen. Damit wäre die Hürde für junge Menschen viel niedriger." Auch der Chef von DRadio Wissen, Dr. Ralf Müller-Schmid, sah diesen Weg als "sehr reizvoll", an. Gutes Radio müsse die Menschen in ihrer gerade aktuellen Lebenssituation abholen. "Wenn Wagner im Radio läuft, legt die ganze Familie nicht automatisch das Besteck weg." Müller-Schmid sah die Sozialen Netzwerke und die digitale Welt als engen Verbündeten des klassischen Radios. "Wir produzieren Inhalte über die idealerweise in Facebook diskutiert wird." Die Rückmeldung durch die User sei enorm wichtig, "sonst stünden wir viel ärmer da".

Jochen Rausch warnte jedoch davor, das klassische Radio zu überfordern. Natürlich müsse auch das Radio neue Wege gehen und die digitalisierte Welt als Chance sehen, "aber bestimmte Dinge, wie die ständige und umfassende Rückmeldung der Radioschaffenden in den Sozialen Netzwerken werden wir nicht hinbekommen. Bei der Hörer- und Userbeteiligung muss die Dosierung stimmen".

Der Blogger und Moderator Friedemann Karig empfahl den Radiomachern, unvoreingenommener mit der neuen medialen Welt umzugehen. "Manche Medien haben mit kulturpessimistischer Perspektive auf die digitale Entwicklung reagiert. Dabei sind wir auch nach zehn Jahren Internet nicht zu digitalen Zombies geworden", meinte Karig. Im Netz werde vielmehr über Kulturangebote im Radio gesprochen und würden Empfehlungen weiter gegeben.

Der Leiter des Netzwerkes für Kulturberatung, Dr. Patrick S. Föhl, sah das Radio ebenfalls nicht durch die digitale Medienwelt gefährdet. "Die sogenannten klassischen Medien wie Zeitung und Radio werden enorm wichtig als Navigatoren sein in einer immer komplexeren Kulturwelt", meinte Föhl.

Theaterregisseurin Christine Eder machte dem Radio Mut, gerade im Bereich der Kultur selbstbewusst aufzutreten: "Eigentlich sind Theater und Radio Anachronismen, aber sie haben dennoch Chancen. Man muss die Hörer fordern und ihnen auch schon einmal etwas abverlangen", meinte Eder.

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Quelle:
Presseinformation vom 27. September 2012
Herausgeber:
Westdeutscher Rundfunk Köln (Anstalt des öffentlichen Rechts),
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veröffentlicht im Schattenblick zum 29. September 2012