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ERNÄHRUNG/1075: Mäusestudie - Fett- und kohlenhydratreiche Ernährung kann Lebenserwartung verkürzen (idw)


Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke - 14.12.2010

Fett- und kohlenhydratreiche Ernährung kann die Lebenserwartung verkürzen


Potsdam-Rehbrücke - Wie ein Wissenschaftlerteam um Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) nun belegt, verkürzt eine lebenslange Ernährung mit viel Fett und viel Kohlenhydraten die Lebenserwartung von Mäusen um 33 Prozent. Dagegen vermindert fettreiches Futter mit einem hohen Eiweiß- aber geringem Kohlenhydratanteil die Lebenserwartung der Nager nur um sieben Prozent. Am längsten leben Mäuse, wenn ihr Futter viele Kohlenhydrate, viel Eiweiß und wenig Fett enthält. Darüber hinaus belegen die neuen Studienergebnisse, dass eine erhöhte Muskelaktivität die negativen Effekte einer fettreichen Ernährung kompensieren kann.

Das Team um Susanne Klaus, Leiterin der DIfE-Arbeitsgruppe "Physiologie des Energiestoffwechsels", publizierte kürzlich ihre Daten in der Fachzeitschrift Aging Cell (Keipert et al. 2010, DOI: 10.1111/j.1474-9726.2010.00648.x).

Weltweit steigt die Zahl krankhaft übergewichtiger Menschen. Dabei erhöht massives Übergewicht das Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Diabetes und bestimmte Krebsarten, was mit einer verkürzten Lebenserwartung verbunden ist. Wissenschaftler gehen daher der Frage nach, welche Ernährungsweise am besten geeignet ist, die Lebenserwartung zu erhöhen. Ergebnisse aus kontrollierten Langzeitstudien, in denen Menschen lebenslang eine vorgegebene Ernährungsweise verfolgen, gibt es nicht. Daher greifen Wissenschaftler auf Tiermodelle zurück, um ernährungsbedingte Langzeiteffekte hinsichtlich der Lebenserwartung zu untersuchen.

Die Wissenschaftler um Susanne Klaus führten eine umfassende Studie an Mäusen durch. Dabei war eine der zwei untersuchten Mausgruppen genetisch so verändert, dass sie über ihre Muskulatur sehr viel Energie verbrauchte. Die andere Mausgruppe entsprach dem unveränderten Wildtyp. Ab der elften Lebenswoche erhielten die Mäuse bis zu ihrem natürlichen Ende eine von drei Futtermischungen, die hinsichtlich der Makronährstoff-Zusammensetzung variierte. Am längsten lebten die Tiere, wenn sie fettarmes Futter bekamen. Die kürzeste Lebenserwartung (ca. 550 Tage) hatten die Mäuse, die schnell an Gewicht zulegten. Bei diesen handelte es sich um die Wildtyp-Tiere, welche die fett- und kohlenhydratreiche Kost verzehrten. Die Mäuse mit erhöhter Muskelaktivität nahmen unter derselben Ernährung zwar auch, aber etwas weniger und deutlich langsamer zu. Sie lebten durchschnittlich etwa 230 Tage länger.

Die zweite fettreiche Futtermischung mit viel Eiweiß und wenig Kohlenhydraten führte bei den Wildtyp-Mäusen zu ähnlichen Effekten, obwohl diese nicht ganz so stark und schnell zunahmen und auch wesentlich länger lebten, nämlich etwa 754 Tage. Dagegen nahmen die Mäuse, die viel Energie in ihren Muskeln verbrannten, unter dieser Kost nicht stärker zu und lebten genau so lange wie unter dem fettarmen Futter, nämlich circa 850 Tage. "Dies zeigt, dass eine gesteigerte Muskelaktivität wesentlich dazu beitragen kann, die negativen Auswirkungen einer fettreichen Ernährung zu kompensieren", sagt Susanne Keipert, Erstautorin der Studie. "Zudem weisen unsere Daten darauf hin, dass besonders eine schnelle Gewichtszunahme im jugendlichen Alter die Lebenszeit verkürzt", ergänzt Susanne Klaus. "Würde man die Daten auf den Menschen übertragen, so sollten Menschen, die sich sehr fettreich ernähren, auf ausreichend Bewegung achten und besonders in jungen Jahren eine starke Gewichtszunahme vermeiden".


Kontakt:

Prof. Dr. Susanne Klaus
Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
E-Mail: klaus@dife.de

Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
E-Mail: olias@dife.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dife.de/de/index.php?request=/de/forschung/abteilungen/kurzprofil.php?abt=EST&kst=KR1201
Informationen zur Arbeitsgruppe von Frau Prof. Klaus

Hintergrundinformationen:

Lebenserwartung der einzelnen Mausstämme in Abhängigkeit von der Makronährstoff-Zusammensetzung des Futters:

Mausgruppe; Futtermischung; durchschnittliche Lebenserwartung in Tagen

Wildtyp-Maus; viel Kohlenhydrate, wenig Fett, viel Eiweiß; 814
Wildtyp-Maus; wenig Kohlenhydrate, viel Fett, viel Eiweiß; 754
Wildtyp-Maus; viel Kohlenhydrate, viel Fett, moderater Eiweißanteil; 548
Maus mit erhöhter Muskelaktivität; viel Kohlenhydrate, wenig Fett, viel Eiweiß; 849
Maus mit erhöhter Muskelaktivität; wenig Kohlenhydrate, viel Fett, viel Eiweiß; 852
Maus mit erhöhter Muskelaktivität; viel Kohlenhydrate, viel Fett, moderater Eiweißanteil; 785,5


Anteil der einzelnen Makronährstoffe zur Energiezufuhr bezogen auf die drei unterschiedlichen Futtersorten:

- Futtersorte 1: mit viel Kohlenhydraten (41,0 Prozent), viel Fett
   (43,0 Prozent) und moderatem Eiweißanteil (16,0 Prozent)

- Futtersorte 2: mit wenig Kohlenhydraten (11,5 Prozent), viel Fett
   (43,6 Prozent) und viel Eiweiß (45,0 Prozent)

- Futtersorte 3: mit viel Kohlenhydraten (41,1 Prozent), wenig Fett
   (17,2 Pozent) und viel Eiweiß (41,7 Prozent)


Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Zur Leibniz-Gemeinschaft
gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur-und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler.
Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung:
http://idw-online.de/pages/de/institution166


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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Dr. Gisela Olias, 14.12.2010
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 16. Dezember 2010