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ERNÄHRUNG/1098: Kritische Mikronährstoffe in Schwangerschaft, Stillzeit und früher Kindheit (idw)


Stiftung Kindergesundheit - 30.06.2011

Kritische Mikronährstoffe in Schwangerschaft, Stillzeit und früher Kindheit


Internationale Experten fordern eine konzertierte Aktion zur Verbesserung der Versorgung mit Vitamin D, Folsäure und Eisen in Schwangerschaft, Stillzeit und früher Kindheit. Experten und Forscher verschiedener Universitäten, NGOs und Industrie diskutierten im Rahmen eines Workshops, veranstaltet von EURopean micronutrient RECommendations Aligned (EURRECA) und der Early Nutrition Academy (ENA), in Zusammenarbeit mit der Dr. von Haunerschen Kinderklinik, Klinikum der Universität München über den aktuellen Forschungsstand zu den Auswirkungen der Zufuhr von Vitamin D, Folsäure und Eisen in Schwangerschaft, Stillzeit und früher Kindheit.

Die Veranstaltung formulierte Schwerpunkte für die künftige Forschung und zukunftsweisende wissenschaftliche Aktivitäten.

Prof. Berthold Koletzko (Dr. von Haunersches Kinderspital der Universität München) und Dr. Christophe Matthys (ILSI Europe, Brüssel) eröffneten die Tagung, in dem sie die Bedeutung der frühen Mikronährstoffversorgung für die gesunde Entwicklung von Säuglingen und Kindern hervorhoben. Weltweit werden Einzelheiten der optimalen Zufuhr in wissenschaftlichen Gremien derzeit kontrovers diskutiert. Harmonisierte, evidenzbasierte Empfehlungen für die Vitamin D, Folsäure- und Eisenzufuhr fehlen wegen unterschiedlicher Bewertung von Detailfragen. Daten der WHO zeigen jedoch, dass weltweit eine große Anzahl der Schwangeren sowie der Säuglinge und Kinder unzureichend mit Vitamin D, Folsäure und Eisen versorgt sind.

Prof. Hans Biesalski (Stuttgart) diskutierte die vielfältigen Funktionen von Vitamin D für unterschiedliche Stoffwechselprozesse und Immunsystem. Prof. Heike Bischoff-Ferrari (Zürich) folgerte aus Beobachtungsstudien und Metaanalysen, dass eine Serumkonzentration an Vitamin-D [25(OH)D] von unter 25 nmol/L bei Schwangeren und bei Neugeborenen einen negativen Einfluss auf Knochengesundheit, Gewichtsentwicklung, Atemwegserkrankungen und chronische Erkrankungen haben kann. Dr. Elina Hyppönen (London) verwies auf Beobachtungsstudien und klinische Interventionsstudien mit Vitamin D, die einen Nutzen für die Immunmodulation und ein reduziertes Diabetesrisiko zeigen.

Die Folsäuresupplementierung mit Beginn vor der Konzeption und weiterer Dauer während der ersten Monate der Schwangerschaft ist als effektive Primärprävention von Neuralrohrdefekten etabliert, so Prof. Andrew Czeizel (Budapest). Auch liegen Hinweise auf besonders gute präventive Effekte der kombinierten Gabe von Folsäure mit Multivitaminen sowie auf eine Prävention auch von anderen Fehlbildungen wie angeborenen Herzfehlern vor. In mehr als 60 Ländern weltweit wird das Grundnahrungsmittel Mehl mit Folsäure angereichert, mit einer deutlichen Senkung der Häufigkeit angeborener Fehlbildungen in diesen Ländern. Die praktischen Aspekte einer Folsäureanreicherung von Grundnahrungsmitteln sowie einer gezielten Supplementierung einzelner Bevölkerungsgruppen thematisierte Prof. Helmut Heseker (Paderborn).

Die Eisenmangel-Anämie ist weltweit auch heute unter Schwangeren verbreitet, so dass der Eisenzufuhr vor und in der Schwangerschaft weiterhin hohe Aufmerksamkeit gebührt, wie Dr. Nils Milman (Kopenhagen) betonte. Er berichtete, dass Nebenwirkungen bei Eisensupplementen von unter 100 mg/Tag in kontrollierten Studien nicht gefunden wurden. Prof. Richard Hurrell (Zürich) diskutierte die Sicherheit und Wirksamkeit von Eisensupplementen in Ländern mit hohem Vorkommen von Malaria.

Die Teilnehmer der Expertentagung folgerten, dass stärkere, bevölkerungsweit wirksame Anstrengungen unternommen werden müssen, um die verbreitete Unterversorgung mit diesen Mikronährstoffen in der Schwangerschaft, während der Stillzeit und in der frühen Kindheit zu bekämpfen. Für künftige Forschungsaktivitäten besteht insbesondere ein Bedarf an kontrollierten Interventionsstudien mit ausreichend großen Fallzahlen. Damit soll eine bessere Evidenzbasis für die Zufuhrmengen von Vitamin D, Folsäure und Eisen etabliert werden, um optimale präventive Effekte zu erzielen.


Rückfragen:
Stiftung Kindergesundheit
Professor Dr. Berthold Koletzko

Dr. Christiane Vollhardt
Dr. von Haunersches Kinderspital
Klinikum der Universität München
Lindwurmstr. 4, D-80337 München
info@kindergesundheit.de

Hintergrundinformationen unter:
http://www.early-nutrition.org

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung:
http://idw-online.de/de/institution1021


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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Stiftung Kindergesundheit, Dipl. oec. troph. Hildegard Debertin, 30.06.2011
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 2. Juli 2011