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ERNÄHRUNG/1111: Therapeutische Säuglingsnahrung - Überflüssig und von zweifelhaftem Nutzen (Öko-Test)


ÖKO-TEST - Mittwoch, 31. August 2011

ÖKO-TEST therapeutische Säuglingsnahrung

Überflüssig und von zweifelhaftem Nutzen


Besorgte Eltern, deren Säuglinge an Dreimonatskoliken, Blähungen, Spucken oder Durchfall leiden, können getrost auf teure therapeutische Spezialnahrung verzichten. Darauf macht das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST aufmerksam. Denn der Nutzen von Heilnahrung ist nicht belegt. Dazu kommt, dass in einigen Produkten Fettschadstoffe oder gentechnisch veränderte Substanzen stecken.

Zeigt beispielsweise ein Baby eine erhöhte Spuckneigung, ist das bei gesunden Säuglingen zunächst einmal nicht behandlungsbedürftig. Zudem ist die Wirkung der angedickten Spezialnahrung klinisch fragwürdig. Studien zufolge lässt sich zwar weniger Aufstoßen und Spucken feststellen, doch es sind im Schnitt nur geringfügige 0,6 Spuckereien täglich weniger.

Die gleiche Situation beim Durchfall. Die beiden Heilnahrungen im Test enthalten nur wenig oder keine Lactose; ein Produkt ist zudem mit Ballaststoffen angereichert. Das soll den Stuhl rasch normalisieren. Doch bei Durchfall geht es primär darum, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, etwa mit Glucose-Elektrolyt-Lösungen, um dann mit der normalen Kost fortzufahren. Das bedeutet, dass die Spezialnahrungen überflüssig und ohne Nutzen sind. Sogar kinderärztliche Fachgesellschaften sprechen sich gegen die Verwendung von Spezialnahrung bei Durchfall aus.

Ein großes Problem ist außerdem, dass die Labors in einigen der Produkten den Fettschadstoff 3-MCPD-Fettsäureester gefunden haben. Im Tierversuch hat dieser die Nierenkanälchen verändert. Die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge für 3-MCPD überschreiten zwei Produkte sogar um mehr als das Zehnfache. Dazu kommt, dass in drei Heilnahrungen auch noch gentechnisch verändertes Material steckt.


Das ÖKO-TEST-Magazin September 2011 gibt es seit dem 26. August 2011 im Zeitschriftenhandel.
Das Heft kostet 3,80 Euro.


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Quelle:
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veröffentlicht im Schattenblick zum 1. September 2011