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UMWELT/298: Arzneimittel richtig entsorgen (SH Ärzteblatt)


Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 3/2017

Kampagne
Arzneimittel richtig entsorgen

Von Anne Lütke Schelhowe


In einer gemeinsamen Kampagne setzen sich Ärzte-, Tierärzte- und Apothekerkammer mit dem Umweltministerium für die sachgerechte Entsorgung von Medikamenten in den Müll ein.


Gut 20 Prozent der Bevölkerung werfen nicht mehr benötigte Tabletten in die Toilette oder Spüle, bei flüssigen Arzneimitteln sind es nach einer Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) sogar 47 Prozent der Befragten. Dies bleibt nicht ohne Folgen: In fast allen Gewässern Deutschlands können Arzneimittelrückstände nachgewiesen werden. Besonders häufig werden laut Umweltminister Robert Habeck (Die Grünen) Rückstände von Schmerzmitteln, Antibiotika, Antidepressiva, Antiepileptika, Betablockern und Desinfektionsmittel gefunden und das auch noch nach den Klärwerken. Zwar seien die Rückstände der Medikamente für den Menschen ungefährlich, die Pflanzen- und Tierwelt werde dagegen bereits bei geringen Konzentrationen geschädigt. Schmerzmittel können bei Fischen zu Leber-, Nieren- und Kiemenschäden, Arzneimittel mit hormonähnlicher Wirkung zu Verweiblichung der männlichen Tiere und damit zu einer Störung der Vermehrungsfähigkeit führen.

Daher hat das Umweltministerium Mitte Februar in Kooperation mit der Ärzte-, der Tierärzte- und der Apothekerkammer im Land eine Informationskampagne zur richtigen Entsorgung von Arzneimitteln gestartet. "Medikamente gehören nicht in die Spüle und nicht in die Toilette!", appellierte Habeck beim Auftakt der Kampagne in Kiel. "Wir müssen Einträge da, wo es irgend geht, vermeiden. Dazu können wir alle etwas beitragen", so der Umweltminister. Dazu sollen 4.400 Plakate und 110.000 Informationsflyer beitragen, die an alle Arztpraxen und Apotheken in ganz Schleswig-Holstein verteilt werden.

Dr. Franz Bartmann, Präsident der Ärztekammer im Land, richtete einen Appell zur Medikamentensparsamkeit sowohl an Ärzte als auch Patienten. Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass auch der Wirkstoff eingenommener Medikamente über die Nieren häufig unverändert ausgeschieden werde. Daher sollten Ärzte stets überlegen, ob wirklich nur ein Medikament zum Ziel führe, und wenn dies der Fall sei, ob es gerade dieses bestimmte Arzneimittel sein müsse. Auch die Patienten rief Bartmann zu mehr Achtsamkeit beim Medikamentenkonsum auf: "Man tut sich selbst keinen Gefallen, wenn man Medikamente nimmt, die man eigentlich nicht braucht. Es gibt kein Medikament, das nur die erwünschte Wirkung hat. Augen auf beim Medikamentenkauf." Für frei verkäufliche Arzneimittel wie beispielsweise Aspirin, dessen Wirkstoff Acetylsalicylsäre ebenfalls häufig in den Gewässerproben auftaucht, verwies Bartmann auf die Apotheken, die Patienten als Experten zur Seite stehen.

Zur Rücknahme alter Medikamentenbestände sind die Apotheken zwar nicht verpflichtet - viele bieten diesen Service aber trotzdem an, so Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer. "Selbstverständlich kann aber jeder Bürger seine Arzneimittel zur Begutachtung in der Apotheke vorlegen."

Die richtige Entsorgung variiert vom Hausmüll über den Recyclinghof bis zum Schadstoffsammelhof. Die für den jeweiligen Kreis korrekten Entsorgungsmöglichkeiten sind im Informationsflyer des Ministeriums enthalten oder online unter www.arzneimittelentsorgung. de einzusehen.

Habeck kündigte an, dass weiterhin Gespräche zwischen den Kammern und dem Umweltministerium stattfinden sollen, um einzelne Stoffe zu diskutieren und einer Problemlösung zuzuführen. "Nur ein ausführlicher Informationsaustausch und eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren, wie bisher zwischen den Kammern und dem Umweltministerium, ist zielführend", betonte Habeck. Außerdem kündigte er an, dass das Land exemplarisch Kläranlagen untersuchen wird. Dabei soll geprüft werden, wie sich die Reinigungsleistung der Kläranlagen in Schleswig-Holstein darstellt und welche Arzneistoffe in welchem Umfang bereits aus dem Wasser entfernt werden können. Basierend auf diesen Untersuchungen soll dann eine Strategie entwickelt werden, ob und wie die Kläranlagen im Land optimiert werden können. Insgesamt wurden 2014 laut ISOE in Deutschland mehr als 150 verschiedene Wirkstoffe in nahezu allen Gewässern nachgewiesen, bis hin zum Grund- und Trinkwasser.

Gesamtausgabe des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatts 3/2017 im Internet unter:
http://www.aeksh.de/shae/2017/201703/h17034a.htm

Zur jeweils aktuellen Ausgabe des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatts:
www.aerzteblatt-sh.de

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Quelle:
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
70. Jahrgang, März 2017, Seite 25
Herausgegeben von der Ärztekammer Schleswig-Holstein
mit den Mitteilungen der
Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein
Redaktion: Dirk Schnack (Ltg.)
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Das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt erscheint 12-mal im Jahr.


veröffentlicht im Schattenblick zum 11. April 2017

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