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WIRTSCHAFT/7981: Märkte und Finanzen - 07.12.2018 (SB)


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Euroländer wollen sich vom Dollar emanzipieren

Der US-Dollar als Leitwährung im Welthandel ermöglicht den USA den Export ihrer Landeswährung, ohne das Risiko von Wechselkursschwankungen einzugehen. Außerdem kann Washington über die Finanzmärkte Druck auf andere Länder ausüben, sich an das eigene Sanktionsregime etwa gegenüber dem Iran zu halten. Die Euroländer können bislang weder bedenkenlos Anleihen auf ihre Währung ausgeben noch sich im Handel mit dem Iran von den USA frei machen. Unter anderem deswegen plant die EU-Kommission eine schrittweise Stärkung der europäischen Gemeinschaftswährung im internationalen Zahlungsverkehr und als Reservewährung. Dazu werden die Euroländer systematisch aufgerufen, Öl- und Gasgeschäfte in Euro abzuwickeln. Bislang werden nur 15 Prozent der jährlichen Energieimporte im Umfang von 300 Milliarden Euro tatsächlich in Euro bezahlt. Mehr als Anregungen geben, kann die EU-Kommission nicht. Letztlich entschieden sich die Marktteilnehmer für eine Währung, sagte der Vizekommissionspräsident Dombrovskis am Mittwoch. Neben Energielieferungen sollen nach und nach möglichst auch Rohstoffimporte, Flugzeug- und Autoexporte auf Euro-Basis umgestellt werden. Bevor der Euro mit dem Dollar gleichziehen kann, muß die Wirtschafts- und Währungsunion umgebaut und die Bankenunion geschaffen werden. Nicht nur in Deutschland gilt die Einführung von Euro-Bonds als problematisch. Die Staats- und Regierungschefs der EU werden sich beim Gipfel kommende Woche in Brüssel voraussichtlich auch mit der Bedeutung des Euro auf internationaler Ebene befassen.

7. Dezember 2018


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