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ZOOLOGIE/983: Gelenkige Schildkröte - Zwei neue Arten der Landschildkröte Kinixys in Afrika entdeckt (idw)


Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen - 22.05.2012

Gelenkige Schildkröte - Zwei neue Arten der Landschildkröte Kinixys in Afrika entdeckt



Dresden, den 22.05.2012. Pünktlich zum morgigen Weltschildkrötentag wird die Artenliste der Panzerträger um zwei Namen reicher. Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam zwei neue Arten der afrikanischen Gelenkschildkröte identifiziert. Die zugehörige Studie ist kürzlich im Fachjournal "Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research" erschienen.

Gelenkschildkröten sind die Bewegungskünstler unter den landlebenden Schildkröten. Aufgrund eines Scharniers im Rückenpanzer können die in Afrika und Madagaskar lebenden Reptilien den hinteren Teil ihres Panzers verschließen und damit sowohl ihren Schwanz als auch die hinteren Gliedmaßen schützen.

Doch trotz dieses ausgeklügelten Schutzmechanismus, der an das Visier eines Ritterhelms erinnert, sind die Panzerträger gefährdet - wie viele Landschildkröten dienen auch Gelenkschildkröten in einigen Gegenden als Nahrungsmittel und werden für den Tierhandel gefangen.

Foto: © James Harvey

Eine der neu entdeckten Arten: Kinixys zombensis aus Südafrika und Madagaskar.
Foto: © James Harvey

"Bei einer so kleinen und auffälligen Tiergruppe wie den Schildkröten ist es um so wichtiger, dass diese gründlich erforscht wird", meint Prof. Uwe Fritz, Leiter des Museums für Tierkunde an den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden. Denn nur wenn klar ist, welche Gelenkschildkröten-Arten existieren, lassen sich auch Schutzkonzepte dafür entwickeln. Bislang waren 317 Schildkrötenarten bekannt, sechs davon wurden den Gelenkschildkröten (Gattung Kinixys) zugeordnet.

"Die Abgrenzung der Arten- und Unterarten der Gelenkschildkröten war in den letzten 50 Jahren immer wieder in der Diskussion und wurde häufig geändert", erklärt die Erstautorin der Studie, Carolin Kindler. "Wir haben deshalb erstmals alle anerkannten Gelenkschildkröten-Arten untersucht und Teile des Erbguts bestimmt."

Dabei wurden die Dresdner Wissenschaftler und ihre Kollegen überrascht: Eine bisher anerkannte Art, die Glattrand-Gelenkschildkröte (Kinixys belliana), entpuppte sich als Konglomerat dreier vollkommen unterschiedlicher genetischer Linien. "Wir gehen davon aus, dass es sich hier um drei verschiedene Arten handelt und dass die Artenliste der Gelenkschildkröten um zwei Namen erweitert werden muss", erläutert Fritz die Ergebnisse.

Die Analysen lassen außerdem vermuten, dass die Glattrand-Gelenkschildkröten von Madagaskar ursprünglich aus Afrika stammen, da sie sich genetisch kaum von afrikanischen Artgenossen unterscheiden. "Wir glauben, dass die Gelenkschildkröte vom Menschen nach Madagaskar eingeführt wurde. Wahrscheinlich wurden die Tiere als Reiseproviant, quasi als 'lebende Konservendosen' für die Seereise von den ersten Siedlern nach Madagaskar mitgebracht. Übrig gebliebene Tiere wurden dann nach der Ankunft freigelassen", sagt Kindler.

Publikation
Kindler et al. (2012): Molecular phylogeny of African hinge-back tortoises (Kinixys): implications for phylogeography and taxonomy (Testudines: Testudinidae)
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1439-0469.2012.00660.x/abstract

Die Erforschung von Lebensformen in ihrer Vielfalt und ihren Ökosystemen, Klimaforschung und Geologie, die Suche nach vergangenem Leben und letztlich das Verständnis des gesamten Systems Erde-Leben - dafür arbeitet die SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblick in vergangene Zeitalter sowie die Vielfalt der Natur vermittelt.

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www.senckenberg.de.

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung unter:
http://idw-online.de/de/institution639

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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, Judith Jördens, 22.05.2012
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 24. Mai 2012