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FORSCHUNG/475: Mit Innovationen aus Thüringen dem Urknall auf der Spur (idw)


CiS Institut für Mikrosensorik GmbH - 28.11.2007

Mit Innovationen aus Thüringen dem Urknall auf der Spur

CiS Institut für Mikrosensorik GmbH Erfurt gewinnt hohe Auszeichnung des größten Teilchen-Physik-Labors der Welt CERN in Genf.


Das CiS Institut für Mikrosensorik GmbH wurde heute in Genf mit dem ATLAS Supplier Award des europäischen Kernforschungszentrums CERN ausgezeichnet. Mit dem Preis ehrt das CERN-Management das Erfurter Forschungsinstitut für die Entwicklung und Zulieferung spezieller Siliziumdetektoren, die für Messungen im Rahmen des größten Physikexperiments der Welt benötigt werden.

Die Auszeichnung, die CiS-Geschäftsführer Dr. Hans-Joachim Freitag in Genf entgegen nahm, würdigt die umfassende Forschungs- und Entwicklungsarbeit und die hervorragende Produktqualität der Siliziumdetekoren sowie die reibungslose Zusammenarbeit zwischen der Thüringer Forschungseinrichtung und dem CERN. Hans-Joachim Freitag: "Einen solchen Preis zu bekommen, ist für uns eine große Ehre. Wir freuen uns über die Anerkennung unserer Leistung durch eines der größten internationalen Forschungsprojekte. Der Award unterstreicht unser Wissen um die Werkstoffeigenschaften von Silizium und honoriert unsere Fähigkeit, es als Detektormaterial mit hoher Präzision doppelseitig strukturieren zu können."

Siliziumdetektoren sind hochempfindliche Messeinheiten, etwa so dünn wie eine Visitenkarte mit vielen tausend Messzellen. Diese Messzellen sind in der Lage, die Spur, die beim Durchflug hochenergetischer Teilchen entsteht, vermessen zu können. Deshalb sind sie für die CERN-Wissenschaftler von Bedeutung: Im größten Teilchenbeschleuniger der Welt erforschen 1.800 Physiker von über 220 Universitäten aus 35 Ländern das grundlegende Wesen der Materie und wollen damit der Entstehung der Welt auf die Spur kommen. In einer 27 Kilometer langen unterirdischen Teilchenkanone genannt "Large Hadron Collider" (LHC) wollen die Wissenschaftler den Urknall simulieren und so die Frage der Fragen beantworten: Wie ist unsere Welt entstanden?

Dafür werden Wasserstoffatomkerne mit noch nie gekannter Wucht in einander prallen. In sechs verschiedenen Experimenten wird untersucht, was bei der Kollision passiert. Eines der Teilexperimente trägt den Namen ATLAS. Im Rahmen von ATLAS wollen die internationalen Wissenschaftler-Teams unter anderem die entstandenen Kollisionssplitter nachweisen. Dafür wurde von Physikern und Ingenieuren eine spezielle Messstation in der Größe eines fünfstöckigen Hauses entwickelt. Hier kommen die CiS-Siliziumdetektoren ins Spiel: Sie wurden in das Innere der ATLAS-Messstation eingepasst und sollen die kleinsten Teilchenspuren, die bei der Urknall-Simulation entstehen, aufzeichnen. Derzeit befindet sich das Mega-Experiment noch im Aufbau. Im Frühjahr 2008 soll die unterirdische Teilchenkanone gezündet werden und unter anderem das ATLAS-Experiment starten.

Als anwendungsnahe Forschungseinrichtung mit einem umfassenden Know How in der Mikrosystemtechnik, Mikrosensorik und der Siliziumverarbeitung, ist das CiS Institut als einzige deutsche Forschungseinrichtung in der Lage, Siliziumdetektoren in höchster Qualität serienmäßig für hochspezialisierte Anwendungen herzustellen.


Weiterführende Informationen zum CERN:
CERN ist die europäische Organisation für die Kernforschung mit Sitz in Genf. Der Name leitet sich ab vom französischen Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire. Gegründet im Jahre 1954 war das CERN eines der ersten Europäischen Gemeinschaftsunternehmen. Heute gibt es 20 Mitgliedsstaaten sowie acht Organisation und Länder mit Beobachterstatus. Am CERN sind insgesamt 3.000 fest angestellte Wissenschaftler, Ingenieure, Verwaltungsangestellte tätig. Außerdem forschen 6.500 Gastwissenschaftler von 500 Universitäten aus über 80 Nationen in den Labors der europäischen Organisation. Deshalb wird es auch als das größte Teilchenphysik-Labor der Welt bezeichnet. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, woraus Materie besteht und durch welche Kräfte unsere Welt zusammengehalten wird. Dafür laufen derzeit die Vorbereitungen zum größten Physikexperiment aller Zeiten: Internationale Teams aus Forschern und Ingenieuren errichten am CERN den Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider). Er soll im Frühjahr 2008 starten und "uns tiefer in die Struktur der Materie vordringen lassen, als je zuvor", so die Vision der CERN-Wissenschaftler.
Für diese Hochleistungsforschung bedarf es Materialien, Dienstleister und Zulieferer, die den extra hohen Ansprüchen gerecht werden. Jedes Teilexperiment des CERN prämiert deshalb jedes Jahr ausgewählte Zulieferfirmen für ihre besonderen Leistungen mit dem Supplier-AWARD. Dieser Preis ist in Branchenkreisen eine höchst begehrte europäische Auszeichnung.

Weiterführende Informationen zum CiS Institut für Mikrosensorik GmbH: Das CiS Institut für Mikrosensorik GmbH Erfurt arbeitet seit 1991 als wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung zur Förderung von Innovationen in der Thüringer Wirtschaft. Gleichberechtigte Geschäftsfelder sind die Zukunftstechnologien Mikrosystem- und Solartechnik. Von der Forschung bis zu Produktion vereint das Institut alle Voraussetzungen für angewandte Forschung und Entwicklung.
Das CiS Institut nimmt eine Spitzenposition unter den wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen in Thüringen ein und belegte bei der jüngsten Evaluierung des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Arbeit (TMWA) Platz 1. Rund 65 Wissenschaftler arbeiten im CiS an industrierelevanten Projekten. Für etwa 4 Mio. Euro forscht und produziert CiS im direkten Auftrag für die Industrie auf dem Gebiet der Hochtechnologie. Dazu kommt ein gleich großer Anteil an öffentlichen Forschungsprojekten.

Weitere Informationen unter:
http://www.cern.ch
http://www.cismst.de

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution516


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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
CiS Institut für Mikrosensorik GmbH, Andreas Albrecht, 28.11.2007
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 30. November 2007