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DISKURS/001: Herausforderungen im Spannungsfeld von Ökonomisierung, Inklusion und Singularisierung (sozialpychiatrische informationen)


sozialpsychiatrische informationen 4/2019

Sozialpsychiatrie 2019

Herausforderungen im Spannungsfeld von Ökonomisierung, Inklusion und Singularisierung

von Fritz Bremer und Wolfgang Bayer


Zusammenfassung

Im folgenden Text stellen die Autoren kritische Fragen zur Entwicklung der gemeindenahen psychiatrischen Strukturen und zum sozialpsychiatrischen Diskurs. Welche Hintergründe, Analysen, Impulse, Ideen führten eigentlich zur Arbeit an der Reform der Psychiatrie? Was ist aus den - um 1975 - emanzipatorisch gemeinten Zielen und Begriffen der sozialpsychiatrischen Diskussion geworden? Gab es so etwas wie eine Umdeutung im Zuge der Ökonomisierung der Arbeit? Welche Rolle spielte die Eingliederungshilfe in der Reformpraxis? Wie kam es zu den selektiven Wirkungen der neuen gemeindenahen Versorgungsangebote? Und welche Konsequenzen wären daraus zu ziehen gewesen? Die Autoren konfrontieren die Vorstellung von Inklusion und die Praxis von Inklusionsprojekten mit den sozioökonomischen Umfeldbedingungen. Sie fragen auch nach der heutigen gesellschaftlichen Situation von psychisch erkrankten Menschen in Zeiten zunehmender Fremdenfeindlichkeit einerseits und dem Trend zur Singularisierung andererseits und begründen die Notwendigkeit einer kritischen sozialpsychiatrischen Diskussion.


Seit geraumer Zeit beschleicht uns ein Unbehagen, ein Unbehagen an der sozialpsychiatrischen Debatte, an der psychiatrischen Praxis und Entwicklung. So haben wir den Eindruck, in der sozialpsychiatrischen Diskussion werden die z. B. von Wienberg 2008 und 2014 vorgelegten Daten zur Entwicklung der Sozialpsychiatrie, die die selektiven Wirkungen der Entwicklung der gemeindenahen psychiatrischen Versorgungsstrukturen belegen - kaum zur Kenntnis genommen. Und zwar hartnäckig. Das 40. Jubiläum der sozialpsychiatrischen Reformarbeit wäre eine gute Gelegenheit gewesen, diesen Befunden nachzugehen. Stattdessen wurden, wie wir zeigen, bekannte alte sozialpsychiatrische Parolen bemüht, oder die Vorteile neuer Versorgungsgedanken, die voraussichtlich weitere selektive Wirkungen entfalten werden, vorgetragen.

Wie kann es sein, dass die Forderung nach Abschaffung stationärer Hilfen immer noch als Ausweis einer emanzipatorischen sozialpsychiatrischen Grundhaltung gilt und nur in den seltensten Fällen mit einer Analyse der gesamten Struktur verbunden ist? Oder mit der Forderung nach der Sicherung eines schnellen Zugangs zur notwendigen Hilfe und der Verhinderung von Vernachlässigung? Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass ehemals emanzipatorische, reformerische Ziele inzwischen von ganz anderen Interessen überlagert und okkupiert sind.

Die Qualitäts- und Dokumentationsdebatte der 1990er-Jahre war der Beginn des Eindringens der Methoden der Ökonomisierung in die psychiatrische Arbeit. Qualität sollte messbar gemacht werden, quantifizierendes Denken hielt Einzug, Unifizierend Ergebnisorientierung wurden zum Maßstab. Die Unterstützung benachteiligter Menschen wurde in "Teilleistungen" zerhackt und "verpreislicht", womit sich psychiatrisches Handeln deutlich einfacher steuern, reduzieren, verbilligen, einsparen lässt. Seit den 1990er-Jahren hätten insbesondere sozialpsychiatrisch denkende Menschen das Eindringen der Methoden der Ökonomisierung kritisch reflektieren und zum fortwährenden Bestandteil ihres Nachdenkens über die Entwicklung der gemeindenahen psychiatrischen Versorgung machen müssen. Diese kritische Auseinandersetzung fand innerhalb der psychiatrischen Institutionen und der Professionellen nur begrenzt statt (z.B. Schernus 2010, Bayer 2018) und wurde bisweilen als eher weltfremd abgetan. Wir wundern uns, mit welcher Bereitwilligkeit stattdessen Personen und Vereine der gemeindenahen psychiatrischen Einrichtungen, also innerhalb des sozialpsychiatrischen Versorgungssystems, diese betriebswirtschaftliche Okkupation als neue Orientierung aufgegriffen haben.

Natürlich mühen sich viele psychiatrisch Tätige redlich, inklusions- und sozialraumorientierte Arbeit mit und für psychiatrieerfahrene Menschen und ihre Angehörigen auf den Weg in die Gesellschaft zu bringen. Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Sozialräume gibt, in denen Menschen mit Behinderungen und Menschen mit auffälligem Verhalten wenig Gutes und eher Feindseligkeit zu erwarten haben und einfach nicht erwünscht sind. In der Inklusionsdebatte wird der Blick auf die realen Verhältnisse solcher "toxischen Sozialräume" beinahe vollständig ausgeblendet. Die Diskussion über Inklusion und die unreflektierte Übernahme des Begriffs in Programme sozialer Arbeit hat zu der Illusion verleitet, die Verhältnisse ließen sich einfach verändern, als wären Ausgrenzung, Armut und Einsamkeit mal eben abzuschaffen. Die Behauptung, die inklusive Gesellschaft, die Sozialräume und Nachbarn würden es schon richten, ist eng verknüpft mit der nicht überprüften Behauptung, alle Menschen - und damit auch jeder Mensch mit jeder Behinderung - seien a priori selbstbewusste Kunden im Hilfesystem. Diese Ideologie wird genutzt, um nun die Arbeit der Profis endlich deutlich reduzieren zu können. Reale Begrenzungen autonomen Handelns, seien diese personell oder strukturell bedingt, werden nur noch als perspektivisch zu überwindende simplifiziert oder ignoriert. So wird der Begriff "Inklusion" zum Kampfbegriff der Ökonomisierung. Ein Teil unserer Professionalität muss jedoch gerade darin bestehen, dass wir solche Zusammenhänge reflektieren und in unserer Arbeit mitdenken.

Das Gespenst der Ökonomisierung erfasst alles und jeden. Es durchweht die Pädagogik, die Kultur, die Arbeit im Gesundheitswesen und die Soziale Arbeit. Es kommt mit einem großen Versprechen: der grenzenlose Markt bringe Freiheit, Selbstbestimmung und Wohlstand. Tatsächlich durchleuchtet die neoliberale Markt-Ideologie alle Lebens- und Arbeitsfelder und beeinflusst sie aktiv - nach Maßgabe der wirtschaftlichen Attraktivität des Standorts Deutschland im globalisierten Wettbewerb. Übertreibung? Mystifizierung?

In einer Reaktion auf die Soltauer Impulse brachte es Jürgen Habermas auf den Punkt: "Die Professionen, die in der Lebenswelt am tiefsten verwurzelt sind, sind den ökonomistischen Zwängen am hilflosesten ausgesetzt." (Jürgen Habermas, Brief vom 3. Mai 2004) Dies gilt in besonderer Weise für soziale Arbeit und für die Sozialpsychiatrie.

Basaglia weitergedacht: eine These

In den 1960er- und 70er-Jahren hatten viele der revoltierenden und reformierenden Kräfte in der psychiatrischen Arbeit u.a. eines im Gepäck: die Einsicht in die Notwendigkeit, die ökonomischen und politischen Verhältnisse fest im Blick zu haben. Zum Beispiel Franca und Franco Basaglia, die in ihrem Buch "Die abweichende Mehrheit" schrieben: "Die Arbeit unserer Experten vollzieht sich immer noch eindeutig auf dem Feld der Ideologie des Andersseins, wo die Verschärfung der Gegensätze dazu benutzt wird, den wirtschaftlichen Aufschwung zu verteidigen und zu sichern." (Basaglia 1972, S. 26f.)

Wenn wir diesen Satz ins Heute übersetzen, würde er lauten: Die Arbeit unserer Experten vollzieht sich - nach einer Phase der emanzipatorischen Reform - inzwischen auf dem Feld der Ideologie der Egalisierung des Andersseins, wo die "Verflüssigung" der Gegensätze dazu benutzt wird, die "Sonderwelten" für Menschen mit Behinderung polemisch zu diffamieren und durch Gesetzgebung infrage zu stellen. Ziel ist, dadurch zu einer Reduzierung des Mitteleinsatzes zu kommen, um die Standortvorteile im globalisierten Wettbewerb zu verteidigen, zu sichern und am Ende folglich nur noch die Menschen zu unterstützen, bei denen es sich lohnt.

Wenn wir diesen Annahmen folgen, ergeben sich weitere Fragen: Was bedeutet das für die Weiterentwicklung des psychiatrischen Versorgungssystems? Was bedeutet das mit Blick auf Zugehörigkeit oder Ausgrenzung der betroffenen Menschen in der Gesellschaft und der Arbeitswelt? Welche Bedeutung wird der psychiatrischen Arbeit beigemessen? So wäre zu fragen, um dann erst zu Konsequenzen für die Praxis zu kommen.

Die gegenwärtige Diskussion ist aber sehr viel stärker geprägt von dem gedanklichen Kurzschluss, die "Soziale Arbeit" sichere ihre Zukunftsfähigkeit vor allem durch die innere Entwicklung immer neuer, moderner Methoden, durch eine Erweiterung des sozialarbeiterischen Instrumentenkoffers. Nein, das reicht nicht aus. Zur kritischen Entwicklung der Sozialen Arbeit gehört zwingend und fortwährend die Reflexion ökonomischer, gesellschaftlicher und politischer Bedingungen, also ihrer eigenen Bedingungen und ihrer gesellschaftlichen Funktionalität. Sie muss auch im politischen und gesellschaftlichen Diskurs auf der Höhe der Zeit sein.

Dreh- und Angelpunkt unserer Überlegungen ist die Frage, die schon Klaus Dörner vor gefühlten Ewigkeiten stellte: Was haben die "Schwierigsten" von einer Weiterentwicklung der Sozialpsychiatrie? Was haben also die Menschen davon, die durch komplexe Störungen und Behinderungen am stärksten in ihren "Teilhabemöglichkeiten eingeschränkt sind und die am deutlichsten und umfangreichsten auf Hilfen (mag man ja kaum noch sagen ...), Unterstützung und Mitmenschlichkeit angewiesen sind.

An drei Beispielen lassen sich nach unserer Auffassung und unserer beruflichen Erfahrung die Selektionsmechanismen der Sozialpsychiatrie und ihre relative Blindheit gegenüber der eigenen Mitwirkung an dieser ausgrenzenden Entwicklung aufzeigen.

Psychiatrische Behandlung

Psychiatrische Großkrankenhäuser und die ihnen angeschlossenen Langzeitbereiche waren bis in die 1970er-Jahre hinein die einzigen Behandlungs- und Unterstützungsformen für Menschen mit deutlichen psychiatrischen Störungen. Ambulante Behandlung gab es so gut wie nicht und die Behandlung bei einem Nervenarzt war Erkrankten aus Mittel- und Oberschicht vorbehalten. In den Anstalten sammelten sich Menschen, die neben ihren psychiatrischen Störungen insbesondere arm waren und Verhaltensprobleme aufwiesen. Die Enquete skandalisierte diese Umstände und sorgte damit für einen erheblichen Schub in der Entwicklung.

Erst infolge der Enquete entstand das uns heute so vertraute System mit dem Primat ambulanter Unterstützung und Behandlung. In Vergessenheit scheint geraten, dass 1975 die gesellschaftlichen Umstände für diesen Anstoß und den Entwicklungsprozess maßgeblich waren. Es ging weniger um Menschenliebe, als um den Reflex auf die sich emanzipierenden gesellschaftlichen Gruppen, die bevormundende und paternalistische Strukturen attackierten. Wichtig ist, daran zu erinnern, dass der Anstoß zwar auch aus der Psychiatrie, aber wesentlich aus einer Gesellschaft im Aufbruch kam. Die Psychiatrie selbst musste gewissermaßen zum Jagen getragen werden.

Aus dem sozialpsychiatrischen Diskurs über angemessene und sinnvolle Behandlung, über Wohnen und Betreuung, etc. verschwand im Laufe der Jahre klammheimlich die Frage nach den Besonderheiten der Erkrankungen und ihren Ursachen. Raus aus der Anstalt (heute: aus dem Heim!) war die maßgebliche und vielfach ungeprüfte Forderung. Alles andere - außerhalb - erschien als besser und menschenwürdiger. Sicher, die unerträglichen Lebensbedingungen in den Anstalten forderten eine Konsequenz. Aber es fehlte die positive Bestimmung des Ziels und eine konstruktive Auseinandersetzung mit psychischer Erkrankung: Wie könnte ein anderes, mitmenschliches Verstehen für Psychosen, Depressionen entstehen? Wie könnten psychisch erkrankte Menschen zukünftig leben? Wo und in welcher Gemeinde? Und wie wäre eine Nähe zu Nachbarschaften zu erreichen? Das Ringen um Antworten auf diese und andere Fragen ist Bestandteil der Psychoseseminare, des trialogischen Diskurses. Dort gibt es die Auseinandersetzung, die wir hier meinen. Aber - hat dieser Diskurs je Eingang gefunden in die Entwicklung der Versorgungsstrukturen?

Das einstmals angemessene "Feindbild Anstalt" hat sich, unter dem Dogma der Ambulantisierung beständig perpetuiert. Es mutierte im Laufe der Zeit zu der recht schlichten Gleichsetzung, dass alles, was nicht ambulant ist - ohne Wahrnehmung von Qualitäten - im Prinzip noch immer die Anstalt sei. Der fehlende gesellschaftskritische Bezug zu Entwicklungen der Individualisierung und Ökonomisierung ließ das Bild vom einzelnen psychisch erkrankten Menschen, dem nur noch ganz individuell (personenzentriert) geholfen werden kann, zum Leitbild beinahe der gesamten Sozialpsychiatrie werden. Der darin sich äußernde Prozess der Entsolidarisierung der Erkrankten untereinander, aber auch gegenüber den Nicht-Erkrankten, wird bis heute nicht wahrgenommen und darum auch nicht problematisiert.

Das ideologische Leitbild der Individualisierung und der Kampf gegen alles, was als Anstalt charakterisiert werden konnte, leistete der dramatischen Verkürzung von Behandlungsaufenthalten in psychiatrischen Krankenhäusern Vorschub und bot die Rechtfertigung, zum Aufbau von insuffizienten und zum Teil miserabel finanzierten ambulanten Behandlungswegen (Soziotherapie, Ambulante Psychiatrische Pflege, Psychotherapie für psychisch schwer erkrankte Menschen). Wie Wienberg (2014) präzise beschrieb, profitierten von Reformen im Wesentlichen leicht erkrankte Bürgerinnen und Bürger, und die Reformpsychiatrie entwickelte sich faktisch zu einer Dreiklassenpsychiatrie, in der - wie schon vor der Enquete, die am schwersten erkrankten Menschen am schlechtesten behandelt werden. Neben der (guten und für Bürger akzeptablen) Psychosomatik, gibt es die immer fragiler werdende Behandlung für Schwererkrankte und schließlich die Forensik, als Sammelbecken für viele Menschen, als einzigem Ort, an dem noch Langzeitbehandlung stattfindet. Warum wird dies nach vierzig Jahren Reformbemühungen derart klaglos hingenommen?

Uns empört, dass trotz dieser evidenten Fehlentwicklung die ideologische Stoßrichtung der Sozialpsychiatrie (klinisch wie außerklinisch) immer noch dieselbe ist. Ambulant vor stationär, die Dämonisierung psychiatrischer Stationen und Wohneinrichtungen (Heime), die Negierung eines zeitweiligen Bedarfes nach geschlossener Unterbringung und die damit verbundene Bagatellisierung psychischer Erkrankung und des Leidens erkrankter Menschen. Dies alles bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber einem sich ausweitenden System geschlossener Wohneinrichtungen unter dem Dach der Pflege, einer Ausweitung der Forensik und paralleler Zunahme der Zahl psychisch erkrankter Menschen in der Obdachlosigkeit. Aus den Augen aus dem Sinn - so könnte man das Handlungsprinzip kennzeichnen.

Die Eingliederungshilfe

Parallel zum Aufbau der psychiatrischen Stationen an Allgemeinkrankenhäusern, der Umwandlung der Landesbankenhäuser und Anstalten in psychiatrische Kliniken, die sich an den Reformanforderungen orientierten, entstanden die gemeindenahen Einrichtungen, Wohngruppen, kleinen Wohnheime, Tagesstätten, Betreutes Wohnen usw. Fast alle dieser - aus Sicht der Kliniken bis heute komplementären - Einrichtungen waren von Beginn an sozialrechtlich in der Eingliederungshilfe verankert, also zuerst im Bundessozialhilfegesetz, später im SGB XII, und damit gegenüber allen anderen Hilfen rechtlich nachrangig. Das BTHG ändert daran voraussichtlich nur wenig, denn für Menschen, die auch Grundsicherungsempfänger sind - also die meisten Menschen mit umfangreichem Unterstützungsbedarf - werden die Wohltaten des BTHG unerreichbar bleiben.

Seit Beginn haftete diesem Hilfesystem auf der Grundlage der Sozialhilfe daher etwas Provisorisches, aus der Not Geborenes an. Es fehlte der politische Wille zur Entwicklung und Absicherung eines Gesamtkonzeptes für ein psychiatrisches Behandlungs- und Unterstützungssystem - samt eindeutiger und funktionierender Finanzierungswege.

Der Bericht der Enquete-Kommission 1975 forderte eine menschenwürdige Verbesserung der psychiatrischen Versorgung. "Mehr-Demokratie-Wagen" lag in der Luft. Eine engagierte emanzipatorisch orientierte Debatte gab die Impulse für Reformpolitik und gesellschaftliche Entwicklungen, für die der große Tu-Nix-Kongress in Berlin 1978 eine Wegmarke war. Er war der laut hörbare und weithin sichtbare Abschied von prinzipiellen politischen Debatten in einer zersplitterten K-Gruppenkultur und die Hinwendung zur Arbeit an alternativen Projekten In der Folge wurde die Partei der "Grünen" gegründet, die neue Tageszeitung taz auf den Weg gebracht.

Einer der Hauptredner war der englische Psychiatriekritiker David Cooper. Die Öffnung der Anstalten und die Entwicklung einer demokratischen menschenwürdigen Psychiatrie wurde als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Aufbruchs verstanden. Nachdem man um 1968 begonnen hatte, theoretisch und politisch mit NS-Staat, Krieg und Faschismus abzurechnen, begann um 1978 die Arbeit an konkreten Projekten. In der Psychiatrie stand die kritische Auseinandersetzung mit der Psychiatrie im NS-Staat, mit deren grausigen Zwangssterilisationen und Euthanasiemorden am Anfang des sozialpsychiatrischen Umbruchs. Die Abgründe der Vergangenheit erkennen, die sozialgeschichtlichen Zusammenhänge begreifen, die gegenwärtigen menschenunwürdigen Verhältnisse in den Psychiatrien der jungen Bundesrepublik erfassen, Reformideen entwickeln, möglichst sofort mit der Umsetzung beginnen: So ungefähr war die Situation in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre.

Viele legten los: Reformarbeit in den großen Einrichtungen und zugleich die Gründung von kleineren Initiativen und Vereinen und der Aufbau gemeindenaher Strukturen. Sowohl die Politik als auch die beim Thema "Psychiatrie" engagierten Verbände nutzten die Eingliederungshilfe als Grundlage für die zu entwickelnden "außerklinischen Einrichtungen". Zeit für ein Gesamtkonzept samt Finanzierung haben sich die damals Beteiligten leider nicht genommen.

Alle waren guter Dinge. Alle verfolgten scheinbar das gleiche Ziel. Es gab viel Solidarität zwischen der Politik, der Verwaltung, den Verbänden und den neuen Vereinen, die alle die "seelische Gesundheit fördern" wollten. So kam zu dieser Zeit niemand auf die Idee, dass das Instrument der Eingliederungshilfe problematisch werden könnte. Niemand dachte daran, dass sich unter dem Dach der Eingliederungshilfe genau die Logik entwickeln könnte, die Franco und Franca Basaglia am Beispiel der Kliniken kritisiert hatten, die Logik der Großkrankenhäuser, die Logik, die sich im Zusammenspiel der "Ideologie des Andersseins, der Ausgrenzung, der Defizitorientierung" und dem Zwang zur Belegung der Betten entfaltet.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts ermüdete der reformerische Schwung. Die Energie der gemeindepsychiatrischen Gestalter verausgabte sich in der Verhandlung von Vergütungsvereinbarungen, in der Formulierung von Konzepten, die - kritisch betrachtet - vor allem überschaubare Hilfeangebote für gut erreichbare Klientengruppen beschrieben. Sie artikulierte sich in der Sicherstellung der Belegung und der damit verbundenen Arbeitsplätze, in der Pflege der Kontakte zu den Kliniken, in der Eroberung von Mitspracherechten in den "Psychosozialen Arbeitskreisen", später "Gemeindepsychiatrischen Verbünden", und sie verbrannte - jedenfalls mit Blick auf die Kliniken - oft im Zwiespalt zwischen Kontaktpflege und Abwehr der klinischen Dominanzansprüche. In vielen Regionen blieb es dabei: Obwohl die Einrichtungen der Eingliederungshilfe schon bald einen maßgeblichen Teil der Versorgungsangebote darstellten, wurden sie von den Kliniken weiterhin als "komplementär" wahrgenommen. In vielen Diskussionen in Dach- und Fachverbänden, in denen es um die "Psychiatrie" oder die "Gemeindepsychiatrie" ging, zeigte sich diese Schieflage. Immer und immer wieder wurden die Unterschiede in der Arbeit in der Klinik und den Einrichtungen der Eingliederungshilfe und das strukturelle Gefälle zwischen beiden nicht thematisiert. Oft hatten wir den Eindruck, dass man miteinander sprach, ohne zu merken, dass man übereinander sprach, obwohl man vom Arbeitsfeld des anderen eigentlich nichts Genaues wusste.

Indem wir - weil nicht weitergedacht - die sozialpsychiatrische Arbeit auf die Sozialhilfe gründeten, begaben wir uns auf einen Weg, der zwangsläufig zur Ausblendung bestimmter Gruppen von hilfebedürftigen Menschen und damit zu selektiven Strukturen führte. Seit den 1990er-Jahren wurden Konzepte geschrieben für Gruppen hilfebedürftiger Menschen, die ausreichend groß und gut erreichbar waren und deren Betreuung in Wohngruppen, Tagesstätten u.a.m. hinreichend Aussicht auf kleinere "Erfolge" im Sinne von "Verselbstständigung" boten. Diese Auswahl einer "relativ leichteren Klientel" wurde und wird bis heute immer wieder dadurch gestärkt, dass diese Angebote billiger sein müssen, als aufwendige und langfristige Behandlung oder Unterbringung, Beheimatung, Versorgung. Das war in den Anfängen alles gut gemeint und niemand ahnte oder wollte Böses. Aber tatsächlich wurde dieses gut gemeinte System neuer Angebote zu einem Raster und viele Menschen, die sich nicht so einfach und eben für kleines Geld einpassen ließen, fielen durch - landeten dann doch wieder in "Langzeitbereichen" von Heimen oder Kliniken, landeten in Pflegeheimen, auf der Straße oder im Knast (siehe hierzu die Zahlen von Wienberg 2014, die Untersuchungen von Vock u.a. 2007). Diese Entwicklung ist gewissermaßen der Idealfall des Inverse-Care-Law.

Viele an komplexen Störungen leidende Menschen scheiterten schon bald an den Aufnahmevoraussetzungen und Hausordnungen der neuen Einrichtungen, an den Verpflichtungen, die sie nicht einhalten konnten. Uns scheint, wir müssen auch in Betracht ziehen, dass psychisch erkrankte Menschen aus der "Unterschicht" mit den Normen und Wertvorstellungen der engagierten, reformbegeisterten, enthusiastischen jungen Mitarbeiter aus der "Mittel- und Oberschicht" nicht zurechtkommen und dass sich dies bis heute durch das Hilfesystem zieht.

Besonders schwer wurde es für die Personen, deren Lebenslage und Hilfebedarf an den Schnittstellen bzw. Leerstellen zwischen den Sozialgesetzbüchern und den verschiedenen Feldern im Hilfesystem liegen (z.B. Menschen, die obdachlos und psychisch krank sind). Das gilt ganz besonders auch für Kinder psychisch erkrankter Eltern, die bis heute nur marginal Unterstützung erfahren.

Die bereits im BSHG angelegte allein personenbezogene und individuelle Hilfe führte konsequent zu Konzepten und zu Leistungsvereinbarungen, die im Kern auf einzelne erkrankte, behinderte, hilfebedürftige Personen ausgerichtet waren. Im Widerspruch zu systemischen und familientherapeutischen Erkenntnissen kamen und kommen z.B. in diesen Hilfen die Angehörigen nicht vor. Dieser Mangel, der sich in der von uns nicht beantworteten Frage nach der Wirkung und Wirksamkeit der Eingliederungshilfe ausdrückt, wird aktuell von Eingliederungshilfeträgern zu einer weiteren Sparrunde genutzt. Dieser fehlende Wirkungsnachweis (viele Klienten/innen bleiben tatsächlich seit Jahren krank und arm!) wird nun zum Argument, um die individuelle sozialstaatliche Unterstützung zurückzufahren, zugunsten einer unklaren und ideologisch verklärten inklusionsförmigen Unterstützung, die, weil bürgerschaftlich umgesetzt/unterstützt, schlicht und ergreifend billiger ist.

Was heißt das alles im Ergebnis? Indem wir uns - ohne die Sache vom Ende her zu denken - auf diesen Weg machten, nahmen wir gravierende strukturelle Mängel, Fehler, Widersprüche in Kauf und ließen uns auf ein System ein, das selektive Wirkungen entfaltete. Und wir haben diese Wirkungen nicht wahrhaben wollen. Mit dem "Wir" meinen wir uns selbst, Politik, Dach- und Fachverbände, Kostenträger, Leistungsträger, Vereine, Einrichtungen und viele einzelne beteiligte Personen. Wir haben diese Zusammenhänge und deren Folgen - auch als die selektiven Wirkungen durch den zunehmenden Druck im System unübersehbar wurden - kaum und nur widerwillig realisiert und wir haben auch nicht über evtl. Konsequenzen nachgedacht, sondern mit einem fortwährenden Pragmatismus einfach weitergemacht.

Die Inklusionsdebatte

Warum plädieren wir für politische Reflexion? Warum halten wir politisches, sozioökonomisches Mitdenken für einen konstitutiven Bestandteil sozialpsychiatrischer Arbeit? Wir wollen das an einem weiteren konkreten Beispiel zeigen - am Beispiel der Inklusionsdebatte.

Wir finden es sehr ermutigend, dass es seit ca. zwölf Jahren in vielen Regionen des Landes, getragen von einzelnen Einrichtungen oder auch von Verbänden, gefördert vom Bundesland, von Aktion Mensch u.a., interessante und richtungsweisende Inklusionsprojekte gibt, in denen Sozialraumorientierung, Vernetzung, Mitwirkung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und von Angehörigen erfunden, entwickelt und erprobt werden. Wir wissen aus eigener Anschauung, dass in diesen Projekten Erfahrungen gemacht wurden, die sehr hilfreich sein könnten, wenn sie in die Weiterentwicklung von Eingliederungshilfe- bzw. Teilhabeleistungen einfließen könnten. Die Berücksichtigung dieser Erfahrungen könnte helfen, den Zielen der UN-BRK bezogen auf psychisch erkrankte Menschen konkret näher zu kommen. Wir haben andererseits aber auch erlebt, dass Mitarbeitende voller Engagement in die Projektarbeit starteten und nach Ablauf der Förderzeiträume stolz auf ihr Werk schauten, um kurze Zeit später frustriert zu bemerken, dass die Regelversorgungsarbeit unter den Bedingungen der vereinbarten Vergütungen völlig ungerührt weiterläuft und kaum Raum bietet für die Umsetzung der Erfahrungen, die in der mit Projektmitteln geförderten Arbeit gemacht wurden.

Es fehlte die Reflexion der sozioökonomischen Bedingungen, der finanziellen Ausgangslage, der sozialpolitischen Zielsetzung des Trägers, des Verbandes, der Landespolitik. An jedem Projektbeginn müsste die nüchterne Feststellung stehen: Inklusionsorientierte Arbeit ist weder die Ausführung einer neuen Methode der Sozialen Arbeit noch ein Anlauf, um grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen einzuleiten. Sie muss unter den gegebenen Bedingungen vorübergehend Stückwerk bleiben.

Zuerst einige Gedanken zum zweiten Aspekt: Die Umsetzung von Inklusion - ernst und genau genommen - würde zu einer gesellschaftlichen Transformation führen müssen. Das gesamtgesellschaftliche Tempo müsste verlangsamt werden. Die Kommunikationsmittel, die öffentlichen Verkehrsmittel, die Architektur, die Städteplanung - in all diesen und vielen anderen Feldern stünde man vor neuen Planungsherausforderungen, vor großen Investitionen und technischen Problemen. Die Abläufe im Arbeitsleben, in Betrieben aller Art müssten verändert, verlangsamt und neu organisiert werden. Die Politik müsste von der Wirtschaft den Verzicht auf höchstmögliche Effizienz, ja, auf Erfolgs- und Gewinnchancen fordern - zugunsten der umfassenden Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Auch die Abläufe in der Welt des Konsums könnten nicht so bleiben wie sie sind. Was für eine Aufgabe, einen Supermarkt so zu verändern, dass Menschen mit all den verschiedenen Behinderungen ungehinderten Zugang hätten. Notwendig wäre die Infragestellung der bisher üblichen gesellschaftlichen alltäglichen Vollzüge, ja, eine umfassende Infragestellung von "Normalität", die Entwicklung der Bereitschaft zur Konfrontation mit Anderssein - und zwar umfassend. Kurz, es stünde an - ein großes Werk der Emanzipation der Menschen mit Behinderung und zugleich der nicht behinderten Menschen, die sich von ihren bisherigen Vorstellungen von Normalität zu emanzipieren hätten.

Mit Blick auf die Rolle der Ökonomie, mit Blick auf das, was Politik von Ökonomie zu fordern hätte - steckt in dieser kleinen utopischen Skizze die Machtfrage. Um zu einer nüchternen politischen Betrachtung zu kommen, zitieren wir erneut Basaglia: "All dies beweist, dass es unmöglich ist, eine technische Neuerung einzuführen, solange sie wirtschaftlich nicht notwendig ist. [...] Es ist unmöglich, ein fortschrittliches System sozialer Kontrolle einzuführen, wenn das alte [...] noch seinen Zweck erfüllt." (S. 16) Und: "Das bedeutet, dass einem bestimmten ökonomischen Entwicklungsstand eine adäquate wissenschaftliche Terminologie und eine adäquate institutionelle Wirklichkeit korrespondiert." (S. 24)

Es ist also in Betracht zu ziehen, was psychisch erkrankte, seelisch, geistig und körperlich behinderte Menschen in absehbarer Zeit in unserer Gesellschaft erwarten können. Welche ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung, welcher Stellenwert wird ihnen zugemessen? Und welche Forderungen sollten sie in dieser Zeit stellen, wofür sollten sie sich und sollten andere sich mit ihnen einsetzen? Mit inklusionsorientierter Arbeit sind die gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse nicht idealistisch zu überspringen, sie sind mit keinem Inklusionsprojekt zu überlisten Teil solcher Arbeit sollte immer die kritische Reflexion ihrer eigenen Bedingungen sein. Und damit könnten wir uns zugleich vor einem anderen Kurzschluss bewahren, nämlich dem, der Inklusion im Handumdrehen zu einer neuen Methode Sozialer Arbeit erklärt und entsprechende Handbücher in seinen sozialen Werkzeugkasten legt. Wer so vergeht, der wiederum raubt dem Leitziel Inklusion seinen politischen Inhalt und seine ethische, kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung.

Schlussbemerkungen

Abschließend ein Blick auf das, was idealistisch nicht zu überspringen ist: "Die Abstiegsgesellschaft führt in eine neue Klassengesellschaft. Die Oberklasse lebt in einer ständischen Welt, in der man sozial abgeschottet ist. Die Mittelklasse koproduziert sich durch die zunehmende Praxis sozialer Schließungen und kultureller Distinktionen. Die Melange aus sozialstaatlicher Kontrolle und Disziplinierung, prekären Jobs oder Sozialleistungen konstruiert eine neue Unterklasse." (Nachtwey 2017, S. 169) Heitmeyer u.a. belegen in ihrer Langzeitstudie "Deutsche Zustände" (2002-2012), dass große Teile der Mittelklasse die Solidarität mit den "Schwächeren" aufgekündigt haben, indem sie sich ihrer selbst durch Abgrenzung versichert. "In der gesamten Bevölkerung (...) ist so etwas wie ein 'marktkonformer Extremismus' entstanden, der in Verbindung mit unternehmerischen Selbstoptimierungsnormen die Abwertung anderer befördert." (Nachtwey 2017, S. 223)

In seinem Buch "Gesellschaft der Singularitäten" beschreibt Andreas Reckwitz (2017) das Besonderssein, die Singularität als neue Norm einer akademischen Mittelklasse. Die gelingende, selbst produzierte Singularität des Individuums ist maßgeblich geworden für beruflichen, ökonomischen, gesellschaftlichen Erfolg. Die Orientierung am Standard, am allgemein Vereinbarten nimmt ab.

All diese Befunde bekräftigen Uwe Beckers Beschreibung der "Inklusionslüge - Behinderung im flexiblen Kapitalismus" (2015). Insbesondere stellt Becker klar, dass diejenigen, die annehmen, der Königsweg der Inklusion von Menschen mit Behinderung sei der Weg in die Arbeitswelt, die "Präparation für den Arbeitsmarkt", auf dem Holzweg sind. Die Zeiten der industriellen und sozialdemokratischen Moderne, in der dieses Ziel hätte realistisch sein können, sind vorbei. Das "Budget für Arbeit" im BTHG wird heute keine maßgeblichen Wirkungen mehr entfalten können. Da wird auch keine Implementierung "neu gestrickter Angebote" helfen. Nur die "Maßnahmenträger" werden wahrscheinlich an den bereitgestellten Mitteln verdienen. Neue Ideen und Wege für sinnvolle Teilhabe durch Arbeit und Beschäftigung sind gefragt. Und weiter: Angesichts einer wachsenden Mittelklasse, für die die Singularität konstitutiv ist, die ihren ökonomischen Erfolg auf der Einzigartigkeit des "biografischen Designs" gründet, stellt sich die Frage nach der zukünftigen gesellschaftlichen Rolle und Bedeutung des Besondersseins der geistig, körperlich und seelisch behinderten Menschen, die nicht anders können als besonders zu sein, die in ihrer Mehrheit mit ihrer Singularität allerdings weit davon entfernt sind, erfolgreich zu sein. Werden ihre Besonderheiten nun mehr Respekt erfahren? Oder gehen sie in der Konkurrenz der "Singularitäten" unter?

Die Besonderheiten von Menschen mit Behinderungen werden von vielen MitbürgerInnen als fremd oder gar abstoßend empfunden. Andererseits - viele Fremde kommen in unser Land und suchen Platz in der Gesellschaft. Die Fremdenfeindlichkeit nimmt zu. Was bedeutet das für diejenigen, die besonders und fremdartig sind wegen ihrer Behinderung? Wie werden sich ihre Rolle und die Art, wie sie gesehen werden, wandeln? Und was ist mit den sogenannten "toxischen Sozialräumen", in denen psychisch erkrankte Menschen, geistig, körperlich. seelisch behinderte Menschen eher Feindseligkeit als Inklusion und Anerkennung zu erwarten haben?

Wir hatten nicht vor, Anleitungen für die Praxis zu entwickeln oder vorzustellen. Wir wollten deutlich machen, dass sozialpsychiatrische Theorie und Praxis dringend der kritischen Betrachtung bedürfen. Sozialpsychiatrisches Denken und Handeln muss sich fundamental neuen ökonomischen und kulturellen Tatsachen stellen. Wir sind sicher, dass sich aus der notwendigen kritischen Analyse die Neubestimmung sozialpsychiatrischer Inhalte und Ziele und Anregungen für eine neue Praxis entwickeln werden.


Die Autoren

Fritz Bremer, Jg. 1954, Sonderschullehrer, Diplompädagoge, Autor, ca. 40 Jahre Mitarbeit an der Entwicklung gemeindenaher sozialpsychiatrischer Arbeit, zugleich "Angehöriger", Mitbegründer der Zeitschrift "Brückenschlag", des Paranus-Verlages und der "Soltauer Initiative", Mitglied der DGSP

Wolfgang Bayer, Jg. 1958, Diplompädagoge, Sozial-Manager (Uni.); Leiter der Stiftungsbereiche Sozialpsychiatrie, Pflege in der Stiftung Rauhes Haus in Hamburg; u.a. Vorstandsmitglied in verschiedenen Fachverbänden.


Literatur

BASAGLIA, F. U. F. (1972): Die abweichende Mehrheit. Die Ideologie der totalen sozialen Kontrolle. Frankfurt a. M.

BAYER, W. (2018): Was ist das Soziale an der Psychiatrie heute? Versuch einer politischen Neuorientierung. Kerbe, Heft 1/2018 S. 9-12

BECKER, U. (2015): Die Inklusionslüge. Behinderung im flexiblen Kapitalismus. Bielefeld

HEITMEYER, W. (Hg.) (2002-2011): Deutsche Zustände. Frankfurt am Main/Berlin: Suhrkamp

NACHTWEY, O. (2017): Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne. Frankfurt a. M.

RECKWITZ, A. (2018): Die Gesellschaft der Singularitäten - Zum Strukturwandel der Moderne. Berlin

SCHERNUS, R., BREMER, F. (2007): Tyrannei des Gelingens. Neumünster

SCHERNUS, R. (2010): Zur Ökonomisierung des Sozialen. Beziehungsgestaltung zwischen Markt und Bürokratie. Sozialpsychiatrische Informationen, 2, S. 7- 14

VOCK, R., ZAUMSEIL, M., ZIMMERMANN, R.B., MANDERLA, S. (2007): Mit der Diagnose "chronisch psychisch krank" ins Pflegeheim? Die Situation in Berlin. Frankfurt a. M.: Mabuse-Verlag

WIENBERG, G. (2008): Gemeindepsychiatrie heute - Erreichtes, aktuelle Herausforderungen und Perspektiven. In: Sozialpsychiatrische Informationen, Heft 1/2008 S. 2-13

WIENBERG, G. (2014): 40 Jahre Psychiatriereform in Deutschland - Auf dem Weg in die Drei-Klassen-Psychiatrie?! In: Sozialpsychiatrische Informationen Heft 1/2014, S. ###


Link zur Gesamtausgabe der sozialpsychiatrischen information 4/2019
https://psychiatrie-verlag.de/product/si-4-2019-komplett/

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Quelle:
sozialpsychiatrische informationen 4/2019, S. 37 - 42
49. Jahrgang
Psychiatrie Verlag GmbH, Ursulaplatz 1, 50668 Köln
Telefon: 0221 167989-11, Fax: 0221 167989-20
E-Mail: verlag@psychiatrie.de
Internet: www.psychiatrie-verlag.de
 
Erscheinungsweise: Januar, April, Juli, Oktober
Abonnement: Print für Privatkunden jährlich 42 Euro einschl. Porto,
Ausland 42 Euro zzgl. 15 Euro Versandkostenpauschale


veröffentlicht im Schattenblick zum 15. März 2020

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