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BERICHT/329: Weltkongreß 2010 in Berlin unter dem Motto Rechte werden Wirklichkeit (Selbsthilfe)


Selbsthilfe - 4/2009

Weltkongress 2010 in Berlin unter dem Motto Rechte werden Wirklichkeit


Erstmals findet in Deutschland ein internationaler Kongress statt, der Menschen mit geistiger Behinderung, ihre Familien, Dienstleistungsanbieter und Fachleute der Behindertenarbeit zusammenführt. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und ihr europäischer Dachverband Inclusion Europe sind die Ausrichter des 15. Weltkongresses von Inclusion International vom 16. bis 19. Juni 2010 in Berlin. Die Schirmherrschaft hat Bundespräsident Horst Köhler übernommen.


Rechte werden Wirklichkeit - so lautet das Motto. Es stellt die Verbindung her zur Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Sie Wirklichkeit werden zu lassen, ist eine große Herausforderung für uns alle. Sie auch für Menschen mit geistiger Behinderung mit Leben zu erfüllen, ist Anliegen des Kongresses.

Nationale Veranstaltungen zur Umsetzung der UN-Konvention gibt es viele. Sie sind notwendig und wichtig. Der Weltkongress, den die Bundesvereinigung Lebenshilfe mit ausrichtet, ist jedoch etwas Einmaliges: er bündelt weltweite Erfahrungen und Impulse, Probleme und deren Lösungen an vier Tagen unter einem Dach.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden weltweit voneinander lernen und über die Grenzen unseres Landes hinaus Kontakte knüpfen. Sie können Position beziehen mit nationaler und internationaler Wirkung.

An den vier Kongresstagen geht es um den aktuellen Umsetzungsstand der UN-Konvention in den unterschiedlichen Ländern, um ihre Auswirkungen auf alle Lebensfelder geistig behinderter Menschen, ihrer Familien und die Arbeit der Dienstleistungsanbieter: um Impulse, die von Teilhabe und Inklusion behinderter Menschen auf unsere Gesellschaft ausgehen, und um die Frage, was alle Beteiligten dazu beitragen können, damit diese Rechte Wirklichkeit werden.

Was wird konkret angeboten: im Wesentlichen viele praxisnahe Beispiele aus der ganzen Welt. Und: Spaß! Mia Farah, eine Selbstvertreterin aus dem Libanon im Programmkomitee, hat dies nachdrücklich eingefordert: Fun soll der Kongress auch machen! Und so wird es sicher in Berlin eine "Big Party" geben und ein Diner, bei dem wir das 50-jährige Bestehen von Inclusion International feiern werden. Auch ist eine fulminante Eröffnungsveranstaltung für den sicher zukunftweisenden Kongress geplant.

Das fachliche Programm aber ist die Hauptsache: Zirka 60 unterschiedliche Angebote von etwa 150 Referenten aus der ganzen Welt erwarten die voraussichtlich 1.300 Teilnehmer. Angebote in leichter Sprache werden genau so vorgetragen wie der eine oder andere wissenschaftliche Beitrag.

Das Programmkomitee unter dem Vorsitz von Ingrid Körner, Vorstandsmitglieder der Bundesvereinigung und Präsidentin von Inclusion Europe, hat erste Weichen gestellt: Hier einige Beispiele:

Was können Familien und geistig behinderte Menschen selbst zur Umsetzung der Konvention beitragen - hierüber werden Eltern und Selbstvertreter aus unterschiedlichen Ländern berichten.
Welche Rolle haben Einrichtungen in diesem Prozess - auch hier referieren wir "best practice" aus unterschiedlichen Ländern.
Wie können geistig behinderte Menschen sich selbst rechtlich vertreten - geplant sind hier bemerkenswerte Beispiele aus Ungarn und Kanada.
Visionen aus dem Arbeitsleben mit konkreten Projekten aus Mexiko, Luxemburg oder Österreich.
Armut und Arbeit - dies bewegt in Rumänien - aber sicher nicht nur dort.
Die Thematik des Persönlichen Budgets wird durch ein aufsehenerregendes Projekt aus Großbritannien aufgegriffen.
Workshops sind geplant zu dem nicht weg zu diskutierenden Spannungsfeld zwischen mehr Selbstbestimmung und notwendigem Schutz.
Selbstverständlich wird die Frage, wie auch Menschen mit hohem Hilfebedarf vom Geist der UN-Konvention profitieren können, diskutiert.
Gleiches gilt für medizinisch-gesundheitliche Themen, wo es zum Beispiel um den willkommenen Patienten im Krankenhaus oder in der Arztpraxis gehen wird.
Eine libanesische Vertreterin wird von der Selbstvertretungsbewegung im Mittleren Osten berichten.
Wie Eltern und behinderte Menschen selbst zusammenwirken, um ihre Rechte Wirklichkeit werden zu lassen - dazu stehen Beispiele aus Kanada und Südafrika bereit.
Empowerment bei alten Menschen mit geistiger Behinderung - hierzu wird aus Belgien berichtet.
Ein französisches, dort sehr "hochgehandeltes" Beispiel zum Zugang zu Informationen.
Wie Wohnen in der Gemeinschaft durch moderne Technologien unterstützt wird - hierzu ein Programmpunkt aus Großbritannien.
Die inklusive Stadt - unsere australischen Partner wissen hier Einiges zu berichten.
Natürlich: inklusive Bildung mit vielen Beispielen aus mehreren Ländern der Welt.
Die Rolle von Frauen mit geistiger Behinderung - auch Eltern geistig behinderter Menschen - wird Thema sein.
Aus Österreich kommt ein Erfahrungsbericht, wie Nutzer unserer Einrichtungen Qualität beurteilen und verbessern helfen.
Themen mit weltweiter Brisanz sind selbstverständlich vorgesehen: Ein japanischer Experte wird in diesem Zusammenhang zwischen Weltwirtschaftskrise und unserer Arbeit referieren.
Wie wir mit weltweit agierenden Organisationen wie der Weltbank und Unesco zusammenarbeiten können - auch dies wird unseren Horizont erweitern.

Internationale renommierte Experten werden sich mit den weltweit diskutierten ethischen Fragestellungen zwischen Lebensbeginn und Lebensende behinderter Menschen befassen. Hier werden wir aus Deutschland sicherlich eine besondere Rolle spielen - und natürlich in das Programm auch viele gute Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum einplanen.

Wenn Sie sich über den aktuellen Stand der Programmplanungen informieren wollen, laden wir sie ein, uns unter
www.inclusion2010.de zu besuchen. Dort finden Sie vertiefende Informationen zu Konditionen und Programm. Eines aber sollten Sie jetzt schon tun: den 16. bis 19. Juni 2010 in Ihrem Terminkalender vormerken, damit Sie die einmalige Chance eines Weltkongresses in Deutschland nicht verpassen.


DER AUTOR:
Dr. Bernhard Conrads ist ehemaliger Bundesgeschäftsführer der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung.


*


Quelle:
Selbsthilfe 4/2009, S. 30-31
Zeitschrift der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe
von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung
und ihren Angehörigen e.V.
Herausgeber: BAG Selbsthilfe
Kirchfeldstr. 149, 40215 Düsseldorf
Tel.: 0211/31 00 6-0, Fax: 0211/31 00 6-48
E-Mail: info@bag-selbsthilfe.de
Internet: www.bag-selbsthilfe.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 13. Januar 2010