Schattenblick →INFOPOOL →PANNWITZBLICK → PRESSE

FRAGEN/180: Grundsätze für Zusammenarbeit und Führung (Der Ring)


DER RING
Zeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel - Dezember 2012

Grundsätze für Zusammenarbeit und Führung
"Vor allem der Respekt für mein Gegenüber"

Für den RING sprach Jens U. Garlichs mit Thomas Oelkers,
Vorstandsmitglied der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel



Im September sind sie in der Mitarbeiterschaft der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel verteilt worden, die aktualisierten "Grundsätze für Zusammenarbeit und Führung". Der kleine handliche DIN-A-6-Prospekt enthält die Grundsätze, die im Jahr 2000 zuerst verabschiedet wurden, in gekürzter und überarbeiteter Form.

Die Grundsätze sollen jetzt bis zum Herbst 2014 in möglichst allen Bereichen der vier Stiftungen Bethel, Nazareth, Sarepta und Hoffnungstaler Stiftung Lobetal wahrgenommen und reflektiert werden. Ziel ist es, die Kultur des Miteinanders weiterzuentwickeln. Gedacht ist die neue, kürzere Fassung dieser Grundsätze auch für die seit dem Jahr 2000 zu Bethel hinzugekommenen Unternehmensteile, wie die Einrichtungen und Kliniken in Berlin, in Hannover und an weiteren Orten. In seinem Vorwort zu der neuen Broschüre schreibt Bethels Vorstandsvorsitzender, Pastor Ulrich Pohl: "Die Grundsätze für Zusammenarbeit und Führung brauchen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Hier wollen wir uns gemeinsam in die Pflicht nehmen und reflektieren, wie wir die Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch besser auflösen können."

Für den RING sprach Jens U. Garlichs über die Bethel-Kultur der Zusammenarbeit und Führung mit Vorstandsmitglied Thomas Oelkers. Er hat im Vorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel das Personalwesen als einen Arbeitsschwerpunkt.


DER RING: Grundsätze für Zusammenarbeit und Führung, Herr Oelkers, das heißt, es geht um Handlungsempfehlungen für leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

THOMAS OELKERS: Nein, genau das eben nicht. Wir wünschen uns eine Kultur des guten und achtsamen Miteinanders unabhängig von der Hierarchie übergreifend für alle Bereiche und Verantwortungsebenen. Aber natürlich sind Führungskräfte mit Personalverantwortung besonders prägend für eine Unternehmenskultur.

DER RING: Wie viele leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Bethel?

THOMAS OELKERS: Das sind gut 600 in allen vier Stiftungen und Tochterunternehmen, und sie sollen jetzt Treiber des Prozesses der Diskussion und der Übernahme der Grundsätze im Bethel-Alltag sein, das ist Teil der Führungsaufgabe.

DER RING: Wie kann diese Übernahme in die täglichen Arbeitsabläufe praktisch gehen?

THOMAS OELKERS: Wir haben die neue Broschüre an alle Bereiche und Teams geschickt, eigentlich sollte jeder Mitarbeiter ein Exemplar in die Hand bekommen haben. Wenn es dabei noch Lücken gibt, kann man weitere Exemplare im Dankort in Bielefeld anfordern. Als zweiten Schritt soll es Gespräche und Nachdenken in allen Teams über die Grundsätze geben.

DER RING: Auf was kommt es Ihnen bei der Zusammenarbeit und Führung besonders an?

THOMAS OELKERS: Da ist vor allem der Respekt für mein Gegenüber zu nennen, egal ob Kollegin oder betreuter Mensch. Die Begriffe Achtung, Akzeptanz und Wertschätzung gehören dazu.

DER RING: Bleibt dafür im Alltag der diakonischen Arbeit noch genug Zeit bei allen drängenden Problemen und tagesaktuellen Fragen?

THOMAS OELKERS: Manchmal sicherlich nicht. Aber wir müssen uns immer wieder vergegenwärtigen: Wir arbeiten für den Satzungsauftrag Bethels, und der fordert, Menschen würdig zu behandeln und Menschen, die mit Einschränkungen leben, zu unterstützen, ihnen selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dafür gilt gerade nicht "eilig schlägt wichtig", sondern genau das Umgekehrte.

DER RING: Wenn der Mensch das Maß für unser Handeln ist, wie stellt sich das dann dar aus Sicht der Mitarbeiter, die häufig den Eindruck haben, dass ihre Möglichkeiten und die zur Verfügung stehenden Ressourcen immer geringer werden?

THOMAS OELKERS: Wir sind in erster Linie für die betreuten Menschen da und sind abhängig von den Zeitumständen, aber wir können unsere Aufgabe nicht ablehnen wegen des sich verändernden sozialen Systems. Wo blieben denn dann die behinderten Menschen? Und dazu gehört auch, im Mitarbeiterkreis die mitzutragen und zu unterstützen, die mal mit ihrer Aufgabe hadern. Das heißt aber auch, niemand darf die Solidarität überstrapazieren und sich immer unkollegial wegducken. Und natürlich geht es auch darum, an den entsprechenden Stellen für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen einzutreten.

DER RING: Aber Sie werden mir Recht geben, dass mit den Grundsätzen jetzt ein Idealbild gemalt worden ist. In der täglichen Praxis sieht doch oft manches anders aus, oder?

THOMAS OELKERS: Natürlich geht es hier auch um idealtypische Sätze. Auch wir im Vorstand wissen, dass man ein Ideal kaum je erreicht. Aber deswegen sind unsere beschriebenen Ziele in Bethel ja nicht ungültig. Wir alle sollten in diese Richtung streben im Bewusstsein aller menschlichen Unzulänglichkeit. Das Ideal nicht zu erreichen ist kein Drama, aber den Versuch gar nicht erst zu machen wäre eines.

DER RING: Sind unsere Bedingungen in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel andere als in anderen Einrichtungen der Diakonie?

THOMAS OELKERS: Ja, das glaube ich, andere segeln notgedrungen viel härter am Wind als wir. In Bethel haben wir durch die vielen Menschen, die uns verbunden sind und die uns vielfältig unterstützen, mehr Möglichkeiten. Um uns zu stärken, sollten wir aber auch weiter offensiv in Fortbildung und bewusste Gestaltung von Veränderungsprozessen investieren. Das wird ja in diesem Unternehmen Bethel deutlich gestützt und ist notwendiger denn je.

DER RING: Sind Veränderung und Organisationsentwicklung inzwischen der Standard in der Diakonie und nicht mehr die Ausnahme?

THOMAS OELKERS: Das kann man so feststellen und zwar sowohl in Bezug auf die Strukturen als auch auf die Aufgaben der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber hier hilft der Vergleich mit früheren Zeiten. Es gab nie unbegrenzte Ressourcen, auch wenn sich Veränderungen in der Diakonie bis in die Mitte der 1990er-Jahre nur langsam eingestellt haben. Heute gleicht sich Diakonie, was das angeht, an das normale Wirtschaftsleben an.

DER RING: Das heißt, wer nicht gestaltet, hat das Recht auf Schicksal?

THOMAS OELKERS: Ja, und dabei zeigen die Grundsätze für unsere Zusammenarbeit und für das Miteinander auf allen Ebenen und in allen Bezügen die richtige Richtung für unsere Arbeit auf. Wir richten uns nach diesen Grundsätzen, das ist unser Ziel. Über den Weg dorthin kann man sich immer wieder konstruktiv auseinandersetzen.

DER RING: Wie geht es mit der Broschüre jetzt weiter?

THOMAS OELKERS: Ich sehe in den nächsten zwei Jahren die große Chance für alle, an der Endform der Grundsätze mitzuarbeiten, Anstöße zu geben und aus der Praxis unserer diakonischen Arbeit Anregungen einfließen zu lassen. Jetzt nach zwölf Jahren und einer neuen Unternehmensaufstellung ist dafür die Zeit gekommen. Wir hoffen, dass daraus auch neue Motivation entsteht.

*

Quelle:
DER RING, Dezember 2012, S. 6-7
Monatszeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Herausgeber: Pastor Ulrich Pohl in Zusammenarbeit mit der
Gesamtmitarbeitervertretung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Redaktion: Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld
Telefon: 0521/144-35 12, Fax: 0521/144-22 74
E-Mail: presse@bethel.de
Internet: www.bethel.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 16. Januar 2013