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MEDIZIN/165: Steter Fortschritt durch klinische Epilepsieforschung (Der Ring)


DER RING
Zeitschrift der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel - Oktober 2009

Fachsymposium in der Klinik Mara zeigte Entwicklungen auf
Steter Fortschritt durch klinische Epilepsieforschung

Von Volker Pieper


Die Klinik Mara im Epilepsie-Zentrum Bethel ist eine wichtige Adresse, wenn es um die Diagnostik, Therapie und Beratung anfallskranker Menschen geht. Ständiger Begleiter auf diesem Gebiet ist die klinische Forschung. Ein Fachsymposium in der Aula der Mamre-Patmos-Schule in Bielefeld-Bethel führte Anfang September deren Stellenwert und Bandbreite vor Augen.


Einer der zahlreichen Referenten war Prof. Dr. Peter Wolf. Fast 20 Jahre lang war er ärztlicher Direktor des Epilepsie-Zentrums Bethel. Er zeigte Wege und Irrwege in der Epilepsietherapie der vergangenen rund 75 Jahre auf. Dabei konzentrierte er sich auf die Pharmakotherapie. Viele Betroffene können ihre Anfälle heute mit Antiepileptika wirksam kontrollieren. Dazu war aber laut Prof. Wolf eine lange und intensive Forschung nötig, die bezüglich der Wirkstoffe zu systematischen Entwicklungen, aber auch zu Zufallsentdeckungen führte. Ein Teil der Betroffenen wird mit Medikamenten jedoch nicht anfallsfrei oder hat mit erheblichen Nebenwirkungen zu tun. Die Epilepsieforschung beschäftigt sich deshalb permanent damit, die Wirksamkeit und Verträglichkeit vorwiegend neuer Antiepileptika bei unterschiedlichen Patientengruppen und unter verschiedenen klinischen Bedingungen zu untersuchen. Auch daran wirkt Bethel seit jeher maßgeblich mit, wie Peter Wolf betonte. Er verwies auf die sehr große Zahl von Medikamenten, die heute zur Verfügung stehen und gezieltere Maßnahmen als früher erlauben. Bethel gehöre, was die Pharmakotherapie betreffe, zweifellos zu den Pionieren, so sein Gesamturteil. "Wir können stolz darauf sein, dass wir uns den Wegen angeschlossen haben und die Irrwege weitgehend ausgeschlossen blieben!"


Präzisere Vorhersagen

Auf die operative Therapie richtete Dr. Alois Ebner, heute Chefarzt des Epilepsie-Zentrums Bethel, sein Augenmerk. Dafür kommen in erster Linie Patienten mit fokaler Epilepsie in Frage. Die operative Behandlungsmethode ist noch relativ jung. In Bethel wurde 1990 mit den Aufbau eines epilepsiechirurgischen Programms begonnen, zunächst in enger Kooperation mit der Cleveland-Klinik in Ohio. Inzwischen findet ein großer Teil der bundesweit durchgeführten Eingriffe in Bethel statt. Dr. Ebner schilderte verschiedene Ansätze, wie operative Therapieerfolge besser vorhersehbar werden könnten. Eine umfassendere Anamnese, die detaillierter auf die Vorgeschichte des Patienten eingeht, kann nach seinen Erläuterungen ebenso dazu beitragen wie beispielsweise weitere Verbesserungen beim EEG und der Bildgebung. Den psychiatrischen Befund nannte er als ein weiteres mögliches Zusatzkriterium. "Eine genaue Vorhersage geht sicher nicht, aber mit Hilfe dieser Faktoren können Profile erstellt werden, die die Vorhersage präziser machen."


Schonendere OPs

Wie sich die Art des Operierens im Laufe der Zeit verändert hat, schilderte der leitende Arzt der Epilepsiechirurgie in Mara, Dr. Heinz Pannek. Er stellte den umfangreichen Eingriffen früherer Jahre, bei denen ganze Hirnregionen entfernt wurden, das heutige schonendere, wesentlich weniger invasive Vorgehen gegenüber. Es habe diesbezüglich "größte Forschritte" gegeben, lautete sein Fazit, das auf den Erfahrungen von etwa 100 bis 110 Operationen pro Jahr in Mara basiert. Pannek konnte anhand von Zahlen belegen, dass mit der veränderten Form der Operation die Erfolgsquote signifikant zugenommen hat. Der Anteil derjenigen, die nach einer Operation anfallsfrei sind, ist im Laufe der vergangenen Jahre nach und nach gestiegen.

Die klinische Diagnostik und die damit verbundene Forschung sind in der jüngeren Vergangenheit insbesondere durch die Magnetresonanztomografie (MRT) stark verändert worden. Die MRT liefert genaue hochaufgelöste Schichtbilder, mit denen feinste Läsionen, Malformationen und Tumore des Gehirns nachgewiesen und damit unter anderem Ursachen von epileptischen Anfällen erforscht werden können. Durch MRT-Untersuchungen ist der Verzicht auf andere, stärker belastende Diagnostik möglich.


Enorme Fortschritte

Die seit 1999 in Mara eingesetze MRT hat nach den Worten von Dr. Friedrich Wörmann die Erforschung der Ursachen enorm vorangebracht. "Wir sind allerdings doch nicht da, wo wir hin wollen", stellte der Leiter der MRT-Abteilung weitere Fortschritte bei der Diagnose in Aussicht. "Wir wollen noch besser werden!" Dieser Tenor klang direkt oder indirekt auch in den übrigen Vorträgen des umfangreichen Tagungsprogramms durch. Spezielle Fragen der Diagnose und Therapie wurden darin zum Beispiel behandelt, aber auch bestimmte Aspekte der Rehabilitation. Klinische Epilepsieforschung leistet wichtige Beiträge für die Praxis, lautete das Gesamtresümee der Veranstaltung. Und das gleich in vielerlei Hinsicht.


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Quelle:
DER RING, Oktober 2009, S. 12
Monatszeitschrift für Mitarbeiter, Bewohner, Freunde
und Förderer der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel
Herausgeber: Pastor Ulrich Pohl in Zusammenarbeit mit der
Gesamtmitarbeitervertretung der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel
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veröffentlicht im Schattenblick zum 6. November 2009