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TAGUNG/260: Bildungspolitik kommt in Bewegung (LHZ)


Lebenshilfe Zeitung, Nr. 2 - Juni 2009

Bildungspolitik kommt in Bewegung
Lebenhilfe-Tagung "Eine Schule für alle" vom 12. bis 14. November in Frankfurt/Main

Von Ulrich Niehoff


Wie kann es gelingen, dass Kinder mit und ohne Behinderung in ihrem Heimatort eine gemeinsame Schule besuchen? Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass es möglich ist.


Die Bildungspolitik in Deutschland ist in Bewegung gekommen. Sie nimmt momentan einen hohen Stellenwert ein in der öffentlichen Wahrnehmung und politischen Diskussion. Die Vielgliedrigkeit des Schulsystems in Deutschland wird infrage gestellt. Schulstrukturfragen sind nicht länger tabuisiert. In diesem Rahmen meldet sich auch die Lebenshilfe zu Wort mit einem Positionspapier zur schulischen Inklusion, einer Fachtagung zum Thema und ihrem "Visionspapier 2020". Hier heißt es in Bezug auf Bildung: "Jeder Mensch hat unbehinderten Zugang zu inklusiver Bildung in Kindertagesstätten, Schulen und Erwachsenenbildung, zu kulturellen, spirituellen, sportlichen und Freizeitangeboten. Behinderte Menschen werden dabei nicht benachteiligt oder diskriminiert. Unsere Gesellschaft bietet Schutz vor Diskriminierung. Sie sichert für jeden Menschen ein Recht auf inklusive, allseitige, schulische und lebenslange Bildung. Sie gewährt unabhängig von der jeweiligen Haushaltslage die notwendige Assistenz, Unterstützung und Mittel dort, wo sie erforderlich sind."

Unser Visionspapier "atmet" Inklusion ebenso wie die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Inklusion in Bezug auf Schule bedeutet, dass Eltern mit ihren Kindern Zugang zu allen Schulformen haben. Inklusion bedeutet, dass auch Kinder mit Beeinträchtigung in die Schule gehen können, die "für sie vorgesehen ist", weil sie in ihrem Stadtteil liegt. Ausreichend Unterstützung wird dort gewährt, wo alle anderen Kinder und Jugendlichen sind. Das bedeutet nicht gleichzeitig das Aus für die sogenannte Sonderschule. Eltern behinderter Kinder sollen aber eine echte Alternative zur Förderschule haben, das von der Lebenshilfe seit jeher vertretene Wahlrecht wird so erst Realität.

Die Kultusministerkonferenz hat aktuell eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die "Empfehlungen zur Sonderpädagogischen Förderung behinderter Kinder" aus dem Jahr 1994 neu zu erarbeiten. Es gilt, Aussagen zu treffen, die mit der rechtsverbindlichen neuen UN-Konvention vereinbar sind. Die Lebenshilfe hat ihre Kooperation angeboten und sich mit einem Positionspapier eingebracht. Es steht als Download auf www.inklusive-schule.de zur Verfügung.

Mit dieser Webseite möchte die Lebenshilfe ein Forum anbieten, um über all die Fragen zu sprechen, die sich stellen, wenn man eine Schule für alle anstrebt. Wie diese Schule funktioniert und was genau man dort wie lernen kann, darüber sprechen wir während der Fachtagung "Eine Schule für alle" vom 12. bis 14. November in der Sportschule und Bildungsstätte des hessischen Landessportbundes in Frankfurt/Main. Es gibt eine "Zukunftskonferenz". Fachleute aus der Praxis und Wissenschaft, auch aus dem Ausland, stellen in Vorträgen und Arbeitsgruppen ihre Erfahrung vor. Gefördert wird die Fachtagung von der Aktion Mensch.

Nähere Infos unter www.inklusive-schule.de.


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Quelle:
Lebenshilfe Zeitung, Nr. 2/2009, 30. Jg., Juni 2009, S. 10
Herausgeber: Bundesvereinigung Lebenshilfe
für Menschen mit geistiger Behinderung
Bundesgeschäftsstelle, Raiffeisenstr. 18, 35043 Marburg
Telefon: 06421/491-0, Fax: 06421/491-167
E-Mail: lhz-redaktion@lebenshilfe.de
Internet: www.lebenshilfe.de

Die Lebenshilfe-Zeitung mit Magazin erscheint
jährlich viermal (März, Juni, September, Dezember).


veröffentlicht im Schattenblick zum 30. Juni 2009