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TAGUNG/304: Schlechtere Versorgung psychisch Erkrankter befürchtet (Der Ring)


DER RING
Zeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel - März 2015

Leben nach der Rehabilitation
Schlechtere Versorgung psychisch Erkrankter befürchtet

Von Gunnar Kreutner


Die Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) in Deutschland befürchten eine deutliche Verschlechterung der psychiatrischen Versorgung. Der Grund sind Bestrebungen, die PIA zukünftig in die ambulante ärztliche Bedarfsplanung mit einzubeziehen. Dadurch würde sich die Zahl der freien Nervenarzt- und Psychotherapiesitze reduzieren.


PIA sind ambulante Einrichtungen der Krankenhäuser, in denen Menschen mit schweren psychischen Störungen behandelt werden. Diese Menschen benötigen sehr umfangreiche und intensive Therapieangebote, die über die Möglichkeiten niedergelassener Nervenärzte und Psychotherapeuten hinausgehen. Die Versorgung geschieht in enger Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten.

Die neue Bedarfsplanung erwägt der Gemeinsame Bundesausschuss. Er ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Nach seiner neuen Bedarfsplanung würde jede PIA mindestens einen verfügbaren Sitz für einen niedergelassenen Arzt kosten. Positiv nahmen die Experten bei der Bundesdirektorenkonferenz Psychiatrie und Psychotherapie Ende Januar in Bielefeld-Bethel darum die Nachricht auf, dass die Anrechnung der PIA im Rahmen des geplanten Versorgungsstärkungsgesetzes vorerst aufgeschoben wird.

Noch nicht vom Tisch

"Wir sind jetzt erst einmal erleichtert, auch wenn die neue Bedarfsplanung noch nicht vom Tisch ist", sagte Prof. Dr. Martin Driessen, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Ev. Krankenhauses Bielefeld. Die Planungen des Gemeinsamen Bundesausschusses, der unter anderem die Leistungen der Krankenversicherungen regelt, seien weder im Sinne der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten noch im Sinne der PIA und vor allem der Patienten.

Bundesweit arbeiten mehr als 450 Institutsambulanzen angeschlossen an Krankenhäuser. In Bielefeld gibt es eine psychiatrische Institutsambulanz am Betheleck. Sie gehört zum Ev. Krankenhaus Bielefeld. Diese Ambulanz ist angegliedert an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die die psychiatrische Pflichtversorgung für Bielefeld hat. In jedem Quartal werden rund 3.000 Patienten in der Einrichtung behandelt. Die PIA besteht seit 1980 und arbeitet in allen relevanten psychiatrischen Bereichen: Allgemeinpsychiatrie, Suchterkrankungen und Gerontopsychiatrie. Auch eine Opferhilfeambulanz für Menschen, die unter den psychischen Folgen akuter Traumatisierungen leiden, gehört dazu.

Rund 220 Fachleute nahmen an der Konferenz in der Neuen Schmiede teil. Die Tagung wird jedes Jahr von der Arbeitsgruppe PIA der Bundesdirektorenkonferenz leitender Ärztinnen und Ärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie sowie dem Arbeitskreis der Chefärzte der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie an Allgemeinkrankenhäusern veranstaltet. Die Arbeitsgruppe leiten Prof. Dr. Martin Driessen und Dr. Steffi Koch-Stoecker, leitende Ärztin der PIA im Ev. Krankenhaus Bielefeld.

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Quelle:
DER RING, März 2015, S. 22
Monatszeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Herausgeber: Pastor Ulrich Pohl in Zusammenarbeit mit der Gesamtmitarbeitervertretung
Redaktion: Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld
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veröffentlicht im Schattenblick zum 18. März 2015

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