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VERBAND/648: Bethel - Stiftungsbereich Integrationshilfen mit neuer Struktur (Der Ring)


DER RING
Zeitschrift der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel - November 2009

Stiftungsbereich Integrationshilfen mit neuer Struktur
Individueller, effektiver und zielstrebiger

Von Gunnar Kreutner


Der Stiftungsbereich Integrationshilfen erhält zum 1. Januar 2010 eine neue Struktur. Die bisher getrennten Hilfen der Bereiche Psychiatrie, Sucht und Wohnungslosenhilfe werden zugunsten eines sozialräumlichen Konzepts gebündelt. In Zukunft werden in Bielefeld drei Zentren alle Hilfeleistungen anbieten, und für die Klientinnen und Klienten gibt es nur noch einen gemeinsamen Zugang. Die neue Struktur soll vor allem eine individuellere Unterstützung ermöglichen.


Im Rahmen des Projekts "Zukunft - Konsequente Orientierung am Hilfebedarf" werden drei Zentren - West, Süd und Ost - aufgebaut, die jeweils für ein bestimmtes Stadtgebiet zuständig sind. Innerhalb der Zentren werden die Angebote der persönlichen Hilfen künftig unterschieden in Tagesstruktur, Wohnbegleitung, Case Management sowie Unterstützende Dienste - wobei Begriffe wie Case Management oder Case Manager vorübergehende Arbeitstitel sind und die endgültigen Bezeichnungen für einige Bereiche und Funktionen noch nicht feststehen.


Mehr Flexibilität

Die bisherige strenge Zuordnung der Hilfen zu den Arbeitsfeldern Sucht, Psychiatrie oder Wohnungslosenhilfe und die Unterscheidung zwischen ambulanten und stationären Angeboten seien in der Vergangenheit häufig eine Barriere für die individuelle Hilfeplanung gewesen, sagt Christine Schäfer von der Stabsstelle Projekte, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaus Loevenich leitet.

"So wie wir die Leistungen bisher angeboten haben, mussten die Menschen letztlich immer ein ganzes Paket 'kaufen', zum Beispiel das stationäre oder das ambulante", bemängelt Integrationshilfen-Geschäftsführerin Mechthild Böker-Scharnhölz. Dadurch hätten die Menschen teilweise Leistungen erhalten, die sie gar nicht benötigten - zum Beispiel Fremdküche oder Wäscheservice. Damit verbunden sieht sie auch die Gefahr der Hospitalisierung. "Wenn Klienten bestimmte Fähigkeiten nicht anwenden, verlieren sie diese und auch den persönlichen Antrieb zur Eigenverantwortlichkeit, den wir eigentlich fördern möchten", so die Geschäftsführerin.

Die meisten Klienten des Stiftungsbereichs Integrationshilfen haben einen vielfältigen Hilfebedarf. Sie benötigen zum einen Unterstützung aus allen drei Bereichen Sucht, Psychiatrie und soziale Hilfen, denn eine eindeutige Zuordnung zu einem Bereich ist in vielen Fällen nicht möglich. Zum anderen brauchen sie Hilfe in unterschiedlicher Form und Intensität - stationär, teilstationär und ambulant. Manche sind auf umfassende Hilfen angewiesen, andere nur auf eine geringe begleitende Unterstützung und Information. Außerdem verändert sich der Hilfebedarf. "Für die Hilfeplanung müssen wir ganz konsequent von dem individuellen Bedarf ausgehen und die persönlichen Ressourcen und die Situation im Lebensumfeld berücksichtigen", sagt Mechthild Böker-Scharnhölz. Die Klienten sollen künftig genau das erhalten, was sie wirklich benötigen.


Eine Bezugsperson

Um die individuelle Unterstützung zu verbessern, übernehmen Case Manager die Verantwortung für die komplette Hilfeplanung. Sie haben den ganzheitlichen Blick für die Bedürfnisse des Klienten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei neuen Teams Wohnen, Unterstützende Dienste und Tagesstruktur begleiten die Klienten, wie es in dem Hilfeplan vereinbart wurde.

Ein weiterer Vorteil für die Klienten wird sein, dass sie ihre Bezugsperson behalten, wenn sich ihr Hilfebedarf verändert und sie beispielsweise von einer stationären in eine ambulante Hilfe wechseln. Für die Mitarbeitenden bedeutet die Umstrukturierung umgekehrt eine große Herausforderung. Denn in Zukunft werden sie es mit Klienten aus allen drei Bereichen Sucht, Psychiatrie und Wohnungslosenhilfe sowie aus dem stationären und ambulanten Bereich zu tun haben.


Enge Vernetzung

Falls nötig, vermitteln und nutzen die geplanten Zentren fremde und externe Angebote in Bielefeld. Zusätzliche eigene Angebote wird der Stiftungsbereich Integrationshilfen nur entwickeln, wenn ohne sie eine bedarfsgerechte Hilfe nicht gewährleistet ist. "Unsere Hilfeangebote gehen mit den Zentren in die Stadt. Darum ist eine enge Kooperation und Vernetzung im Sozialraum gewollt und notwendig", sagt Mechthild Böker-Scharnhölz.

Die drei Zentren werden in "Tandems" von jeweils zwei Personen geleitet - das Zentrum West von Britta Lohmann und Joachim Scholz, das Zentrum Ost von Karin Kammerer und Rüdiger Klein und das Zentrum Süd von Wolfgang Bayer und Ulrich Weber.

Die neue Struktur hat Modellcharakter und wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterstützt. Genauere Informationen über das Projekt "Zukunft - Konsequente Orientierung am Hilfebedarf" finden Bethel-Mitarbeitende im Intranet auf den Seiten des Stiftungsbereichs Integrationshilfen.


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Quelle:
DER RING, November 2009, S. 8-9
Monatszeitschrift für Mitarbeiter, Bewohner, Freunde
und Förderer der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel
Herausgeber: Pastor Ulrich Pohl in Zusammenarbeit mit der
Gesamtmitarbeitervertretung der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel
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veröffentlicht im Schattenblick zum 20. November 2009