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VERBAND/679: Bethel - Betreutes Wohnen sucht Pflegefamilien in Bielefeld (Der Ring)


DER RING
Zeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel - September 2011

Eine Oase der "Normalität" und Geborgenheit
Betreutes Wohnen sucht Pflegefamilien in Bielefeld

von Gunnar Kreutner


Am liebsten liegt Michelle Durrant nach der Arbeit in ihrer bunten Hängematte auf der sonnigen Terrasse. "Hier kann ich herrlich entspannen. Es ist eine echte Oase. Das Schönste und Wichtigste aber ist, dass ich jemanden in der Nähe habe, wenn ich Hilfe oder ein offenes Ohr für Sorgen und Probleme brauche", freut sich die 30-jährige psychisch beeinträchtigte Frau. Seit drei Monaten lebt sie in einer Gastfamilie, die von dem Betheler Dienst Betreutes Wohnen in Familien begleitet wird.


Michelle Durrant fühlt sich geborgen im Haus von Manuela Kieselbach in Bielefeld-Quelle. Von der alleinstehenden Frau erhält sie Unterstützung in alltäglichen Dingen. "Ich bin zwar relativ eigenständig, aber ich habe zum Beispiel Probleme, wenn es um den Haushalt geht", sagt sie. Hilfe benötige sie auch "in sozialen Dingen". "Durch Erfahrungen aus meiner Vergangenheit bin ich zerrüttet. Ich brauche einen Menschen in meiner Nähe, dem ich vertrauen kann."

Mit Manuela Kieselbach war Michelle Durrant sofort "auf einer Wellenlänge". Ihr Miteinander beschränkt sich nicht allein auf die Hilfe bei alltäglichen Arbeiten, wie Putzen, Aufräumen oder Einkaufen. "Wir unternehmen regelmäßig etwas zusammen, gehen zum Beispiel mit unserem Mischling Knuffi spazieren oder kochen gemeinsam", erzählt Michelle Durrant, die beim Therapeutischen Reiten Bethel einen Werkstattarbeitsplatz für behinderte Menschen hat.

Manuela Kieselbach hatte über eine Zeitungsanzeige von dem Dienst erfahren. Das Betreute Wohnen in Familien ist ein Angebot für Menschen mit psychischer Erkrankung, geistiger Behinderung oder einer Suchterkrankung. Die Betroffenen werden in Gastfamilien oder Lebensgemeinschaften vermittelt, um dort Stabilität zu bekommen und um wieder am normalen sozialen Leben teilhaben zu können.


Freude am Fördern

Voraussetzung für die Aufnahme sind Offenheit und Verständnis. "Und die Familien müssen ein Interesse daran haben, jemanden in seiner Selbstständigkeit zu unterstützen", so Sabine Melichar, Teamleiterin des Betreuten Wohnens in Familien. Manuela Kieselbach hat Freude daran, Michelle Durrant zu fördern und zu begleiten. Für die Grundschullehrerin ist das Modell keine Belastung, im Gegenteil: "Ich profitiere von der Erfahrung, ihr zu helfen. Außerdem verstehen wir uns ja sehr gut und haben viel Spaß", sagt die 54-jährige Mutter von zwei erwachsenen Söhnen.

Durch ausführliche Vorgespräche und ein Probewohnen stellt das Team des Betreuten Wohnens fest, ob ein Klient und eine Familie zueinanderpassen. Zurzeit werden in ganz Ostwestfalen-Lippe 40 Klienten in 31 Gastfamilien begleitet, wobei der Begriff Familie sehr weit gefasst ist - auch Alleinstehende oder Wohngemeinschaften können jemanden aufnehmen.

Problematisch ist, dass die meisten Klienten ihre sozialen Bezüge im Raum Bielefeld haben und gerne in ihrer vertrauten Umgebung bleiben möchten. "Wir haben gut 15 freie Plätze und ebenso viele Anfragen. Leider kommen die nicht zusammen, da die Familien zum Beispiel in Verl oder Paderborn leben", schildert Sabine Melichar. Der Dienst sucht daher vor allem Familien in Bielefeld.

Das Betreuungsangebot wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe finanziert. Die Gastfamilien erhalten ein Betreuungsgeld. Interessierte können sich unter Telefon 0521 5606950 informieren.


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Quelle:
DER RING, September 2011, S. 20
Monatszeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Herausgeber: Pastor Ulrich Pohl in Zusammenarbeit mit der
Gesamtmitarbeitervertretung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Redaktion: Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld
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veröffentlicht im Schattenblick zum 24. September 2011