Schattenblick →INFOPOOL →PANNWITZBLICK → PRESSE

WERKSTATT/259: Wirtschaftskrise trifft Werkstätten unterschiedlich (LHZ)


Lebenshilfe Zeitung, Nr. 2 - Juni 2009

Wirtschaftskrise trifft Werkstätten unterschiedlich
Auftragsrückgänge schwanken zwischen zehn und 75 Prozent - Preiskampf bei industrieller Fertigung

Von Jana Kohlmetz


Wir haben nachgefragt, wie stark die Werkstätten von der Wirtschaftskrise betroffen sind und wie sie mit der Krise umgehen. Zurzeit hat niemand wirklich eine Lösung. Viel Ratlosigkeit in Wirtschaft und Politik ist zu spüren.


Die Krise macht sich am stärksten bemerkbar in einem Auftragsrückgang und der damit einhergehenden Reduzierung der Umsätze. Die uns genannten Rückgänge sind sehr unterschiedlich und liegen zwischen zehn und 75 Prozent, wobei dies eine Momentaufnahme ist. Wie stark das Auftragsminus ist, hängt häufig vom Auftragsprofil der Werkstatt ab. So berichten Werkstätten, die vor allem im Bereich der industriellen Fertigung tätig sind, von regelrechten Auftragseinbrüchen. Viele Unternehmen erledigen nun die Arbeit selbst, oder es entbrennt ein Preiskampf um die verbleibenden Aufträge.

Weniger hart trifft es derzeit Werkstätten, die Dienstleistungen anbieten. Da sich die Krise aber vermeintlich auf alle Wirtschaftsbereiche mittelfristig auswirken wird, kann keine Prognose für die Zukunft abgegeben werden. Bemerkenswert ist jedoch, dass einige Werkstätten uns zurückmelden, dass Eigenprodukte der Werkstätten derzeit geringeren Schwankungen unterliegen oder gar stärker nachgefragt werden.

Wird die Arbeit weniger und die Umsätze gehen zurück, so hat dies große Auswirkungen auf die Menschen mit Behinderung in den Werkstätten. Teilhabe am Arbeitsleben kann ohne sinnvolle und ausreichende Arbeit nur noch bedingt erreicht werden. Da die Löhne der behinderten Beschäftigten vom Umsatz der Werkstatt abhängig sind, werden bei anhaltender Krise die Entgelte geringer werden. Noch schwieriger wird in Zukunft die Vermittlung von Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Wie Werkstätten mit der Krise umgehen, ist sehr unterschiedlich. Einige setzen auf Kooperationen mit anderen Werkstätten oder Unternehmen, um ihre Position am Markt zu sichern und zu verbessern. Andere Werkstätten nutzen die Zeit, um neue Projekt in der Werkstatt auf den Weg zu bringen und neue Geschäftsfelder aufzubauen. Mitunter begegnen Werkstätten der, Krise auch durch Diversifizierung und bauen die Dienstleitungs- und Eigenproduktsbereiche aus. Sehr viele Werkstätten setzen in der Krise auf den Bildungsbereich. Das gilt für den Ausbau der Arbeitsbegleitenden Maßnahmen ebenso wie für die persönliche Entwicklungsplanung oder die Qualitätsentwicklung.


Im Internet unter www.lebenshilfe.de
(Rubrik "Aus fachlicher, Sicht/Erwachsenenalter/Arbeit")
finden Sie mehr zum Thema.


*


Quelle:
Lebenshilfe Zeitung, Nr. 2/2009, 30. Jg., Juni 2009, S. 9
Herausgeber: Bundesvereinigung Lebenshilfe
für Menschen mit geistiger Behinderung
Bundesgeschäftsstelle, Raiffeisenstr. 18, 35043 Marburg
Telefon: 06421/491-0, Fax: 06421/491-167
E-Mail: lhz-redaktion@lebenshilfe.de
Internet: www.lebenshilfe.de

Die Lebenshilfe-Zeitung mit Magazin erscheint
jährlich viermal (März, Juni, September, Dezember).


veröffentlicht im Schattenblick zum 26. Juni 2009