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EXOBIO/524: Sind Kometen Träger des Lebensfunkens? (SB)


Kometentheorie stützt sich auf pure Spekulation

Nach Ansicht von Chandra Wickramasinghe kam das Leben aus dem All


Forscher bemühen sich schon seit Jahrhunderten vergeblich, künstliches Leben herzustellen. In bekannten Romanen wie "Frankenstein oder der moderne Prometheus" (1819) von Mary Shelley oder "Der Golem" (1915) von Gustav Meyrink wurden solche Versuche literarisch recht ansprechend aufbereitet (und mit Erfolg gekrönt). Inspiriert wurden die Autorinnen und Autoren durch tatsächliche Bemühungen, auf nichtbiologische Weise Leben zu erschaffen. Getrieben von der Suche nach Unsterblichkeit oder Erkenntnis, nach Ruhm, weltlicher Macht oder einfach schnödem Mammon haben die Gelehrten der Vergangenheit immer wieder andere verschiedenste Elemente und Substanzen miteinander gemischt - je nach Orientierung drei Kreuzzeichen gemacht oder drei Vaterunser rückwärts gelesen -, und gehofft, daß es ihnen gelingt, den Lebenskeim zur Zündung zu bringen. Vergeblich, so weit dies bekannt ist.

Die modernen Alchimisten von der naturwissenschaftlichen Disziplin der Chemie, Biochemie und Biologie treibt ähnliches um, auch gleichen ihre Methoden der Analyse und Synthese denen ihrer Vorväter. Allerdings stehen heute andere Verfahren zur Verfügung, die der neuzeitlichen theoretischen Modellbildung entsprechen. Dazu gehört beispielsweise die Annahme, daß es eine Erbsubstanz gibt, die in Form einer Doppelhelix angeordnet ist und einen Kode für die verschiedenen Lebensfunktionen enthält. Doch trotz moderner Auszählverfahren (Gen-Sequenzierung) ist es auch den Forschern von heute nicht gegönnt, künstliches Leben zu erzeugen.

Als der Chemiker Stanley Miller 1953 verschiedene Elemente bzw. Verbindungen wie Wasser, Ammoniak und Kohlendioxid zusammenführte, erhitzte und eine Woche lang köcheln ließ, da hatten sich zwar in dieser "Ursuppe" komplexere Verbindungen wie Aminosäuren gebildet, aber weitere, wesentliche Schritte auf dem Weg, der zur Entstehung des Lebens führen sollte, gelangen nicht. Andere Forscher experimentierten mit der Membranbildung durch Lipide auf spezifischen Untergründen (Wächtershäuser), ebenfalls ohne den entscheidenden Durchbruch zu erzielen. Zudem wurden mittlerweile unzählige Experimente mit DNA und RNA, Mitochondrien und Zellkernen durchgeführt - allein der Lebensfunke verweigert sich der Kunst. Der Griff der Gelehrten geht weiterhin ins Leere.

In der Exobiologie bzw. Astrobiologie wird die These vertreten, daß das Leben nicht auf der Erde entstand, sondern irgendwo im All, und daß es mit Kometen von einem Planeten zum anderen gewandert sei. Auf der Erde habe es dann günstige Bedingungen gefunden, so daß nach dem Eintrag von Kometenmaterial in die Atmosphäre bzw. die Ozeane eine Evolution in Gang gesetzt wurde, deren vorläufiger Höhepunkt die Menschen sind.

Diese Theorie ist so spekulativ wie jede andere zum Lebensursprung. Solange sich dieser dem menschlichen Verständnis verschließt wie eine Black Box, solange könnte mit der gleichen Berechtigung behauptet werden, ein Gott habe den Menschen aus Lehm geformt und ihm seinen Odem eingehaucht.

Der Astrobiologe Chandra Wickramasinghe von der Universität Cardiff in Wales behauptet seit langem, daß das Leben im All entstand. Er und sein geistiger Ziehvater, der inzwischen verstorbene britische Astronom Sir Fred Hoyle, hatten schon 1976 die frühere These des schwedischen Physikochemikers Svante Arrhenius (1859 - 1927), demzufolge das Weltall voller Lebenskeime ist, durch die Planeten besamt würden, in modifizierter Form als Kometentheorie postuliert.

In einer der kommenden Ausgaben des "International Journal of Astrobiology" will Wickramasinghe Beweise für diese Ansicht vorlegen. Er und seine Mitarbeiter haben eine Computersimulation erstellt, derzufolge es zig Milliarden Mal wahrscheinlicher sei, daß organische Moleküle innerhalb von Kometen in lebende Strukturen umgewandelt wurden, als daß das Leben in irgendeinem kleinen Teich auf der Erde gediehen ist.

Wickramasinghe macht seit einigen Jahren mit recht spekulativen Behauptungen auf sich aufmerksam. So meinte er im Januar 2000, als in Europa eine Grippewelle tobte, daß sich die Grippeviren im Staub der oberen Atmosphäre befänden und daß dieser wiederum von Kometen aus dem All stamme. Wickramasinghe und Hoyle glaubten nämlich, anhand von Statistiken erkannt zu haben, daß der elfjährige Zyklus vermehrter Sonnenaktivität ebenfalls durchschnittlich alle elf Jahre zu einer Grippeepidemie auf der Erde führt, da die Partikel durch den intensivierten Sonnenwind hierher gepeitscht würden.

Im November 2000 wartete Wickramasinghe mit der Behauptung auf, ein indischer Stratosphärenballon habe in 16 Kilometer Höhe Bakterien eingefangen, die keinerlei Ähnlichkeiten mit irdischen Bakterien aufwiesen, also nachgerade außerirdischer Herkunft sein müßten. Ein knappes Jahr darauf vertrat der Forscher auf einer astrobiologischen Konferenz in San Diego die Ansicht, daß ein von Astronomen im All registriertes rotes Leuchten in einem Spektralbereich zwischen 5000 und 8000 Angström von leuchtenden Mikroorganismen erzeugt werde. Im Mai 2003 mußte die Epidemie mit dem SARS-Erreger, der bei Menschen eine atypische Form der Lungenentzündung auslöste, für Wickramasinghes kosmische Einfälle herhalten. Das britische Medizinjournal "The Lancet" veröffentlichte einen entsprechenden Brief von ihm und seinen Mitarbeitern, wonach SARS aus dem All stammt.

Abgesehen davon, daß auch Wickramasinghe nicht erklären kann, wie Leben entsteht, besteht eine weitere prinzipielle Schwäche seiner Theorie darin, daß er den vielen Spekulationen zum Lebensanfang lediglich eine weitere hinzufügt, die die mögliche Erklärung sprichwörtlich in weite Ferne rückt. Er muß Annahmen formulieren, die sogar noch komplizierter sind als jene, die Wissenschaftler beim Erklärungsversuch der irdischen Lebensentstehung bemühen.

Beispielsweise gehen Wickramasinghe und seine Kollegen davon aus, daß Kometen Lehmpartikel enthalten, die wiederum so durchlässig sind, daß sie Wasser enthalten, welches Äonen in flüssiger Form vorliegt, wenn die Kometen durchs All fliegen. Dabei handelt es sich um eine problematische Vermutung, denn erstens enthalten Kometen kaum Lehm, zweitens vermutlich kein Wasser in flüssigem Aggregatzustand, sondern allenfalls in gefrorenem. Beide Annahmen Wickramasinghes sind in der Fachwelt umstritten (SPACE.com, 16.8.2007).

Solche Voraussetzungen der Kometentheorie müssen als spekulativ bezeichnet werden. Nun bleibt aber noch die Berechnung, die Wickramasinghe und seine Mitarbeiter durchgeführt haben. Wird dadurch nicht der Beweis geliefert, daß Leben in Kometen entstanden sein muß? Ohne daß die Studie vorläge, dürfen Zweifel angemeldet werden. Denn keine Computersimulation ohne denjenigen, der sie programmiert hat. Und ein Programmierer dürfte die starke Neigung verspüren, exakt jene Voraussetzungen zu schaffen, die bei der Berechnung dann das gewünschte Ergebnisse erbringen (andernfalls er seine Programmierung modifizieren würde). Man könnte somit von einer zielführenden Computersimulation sprechen. Deshalb bleibt als vorläufiges Resümee festzustellen: Bis heute stützt sich die Kometentheorie genauso auf Vermutungen wie andere Theorien zur Entstehung des Lebens und der Existenz außerirdischen Lebens.

20. August 2007



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