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MARKT/2244: Milchmarkt fordert Gegensteuern (UBS)


Unabhängige Bauernstimme, Nr. 417 - Januar 2017
Die Zeitung von Bäuerinnen und Bauern

Milchmarkt fordert Gegensteuern
Wachsendes Überangebot drückt Preise nach unten. Molkereien gefordert

von Ulrich Jasper


Der Milchmarkt dreht derzeit gefährlich nach unten. Im Oktober haben die deutschen Molkereien laut Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) mit durchschnittlich gut 40 Cent je Kilogramm Milch das höchste Milchgeld des Jahres 2017 ausgezahlt. Viele Molkereien haben diese Marke auch im Dezember noch erreicht, aber besonders in Norddeutschland haben erste Verarbeiter den Erzeugerpreis jetzt bereits um bis zu zwei Ct/kg gesenkt. Weitere Absenkungen sind angekündigt. Der Chef des Deutschen Milchkontor (DMK) Ingo Müller sagte Anfang Dezember dem Weserkurier, dass schon feststehe, dass die Preise wieder nach unten gingen. Der Geschäftsführer der Ammerland-Molkerei schrieb seinen Genossen, sie könnten für die erste Jahreshälfte 2018 einen Milchpreis von voraussichtlich 30 bis 35 Cent je kg ansetzen.

Fallende Preise

Damit würden die Erzeugerpreise dem Abwärtstrend vor allem der Butternotierungen folgen, die von September bis Mitte Dezember um 23 Prozent abgesackt sind. Das hat - neben Verlusten beim Magermilchpulver - den Rohstoffwert Milch des Kieler Instituts für Ernährungswirtschaft zwischen Oktober und November um 6,4 Ct/kg auf 32,9 Ct/kg abstürzen lassen. Das war der stärkste Monats-Absturz der letzten Jahre. Ein weiteres Warnzeichen ist, dass der Preis für Magermilchpulver in Deutschland auf 1.440 Euro/t und damit deutlich unter das Niveau der EU-Festpreisintervention von 1.698 Euro/t gesunken ist. Weil in den Interventionslagern der EU vor allem als Konsequenz der letzten Milchmarktkrise 2015/2016 noch über 370.000 Tonnen Magermilchpulver liegen, hat die EU-Kommission mit Unterstützung der Mehrheit der Mitgliedstaaten den Interventionskauf zu Festpreisen für 2018 ausgesetzt. Der Pulverberg entspricht der Hälfte des gesamten Jahresexports der EU mit Magermilchpulver. Entspannung ist hier erstmal nicht zu erwarten.

Das gilt umso mehr, als dass die Milcherzeugung in der EU und auch in Deutschland wieder deutlich ansteigt. EU-weit lag die letzte von der EU-Kommission veröffentlichte Monatsmenge (September) um 3,7 Prozent über dem Vorjahr. Die deutschen Molkereien meldeten für die letzten Wochen des Jahres ein Plus von 4,2 Prozent, in Niedersachsen sogar von 8,1 Prozent. Monika Wohlfarth von der ZMB (Zentrale Milchmarkt Berichterstattung) stellt daher nüchtern fest: "Die Marktentwicklung im weiteren Jahresverlauf von 2018 wird maßgeblich durch das Milchaufkommen bestimmt werden."

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert die Molkereien auf, jetzt konkrete Maßnahmen gegen diesen starken Anstieg der Milcherzeugung einzuleiten. "Wir müssen schleunigst auf die Bremse treten, sonst melken wir uns den derzeit noch relativ guten Milchpreis kaputt", mahnt Ottmar Ilchmann, Milchsprecher der AbL. EU und Bundesregierung hätten es trotz der guten Erfahrungen mit Reduzierungsmaßnahmen vom Herbst 2016 versäumt, zeitlich befristete wirksame Kriseninstrumente einzuführen. Umso mehr seien jetzt die Molkereien gefordert. "Wir rufen besonders die norddeutschen Molkereien auf, den Milcherzeugern, die ihre Erzeugung in den kommenden Monaten noch steigern, starke Preisabzüge für die Übermengen anzukündigen. Im Gegenzug sollte ein befristeter Bonus für eine leichte Verringerung der einzelbetrieblichen Milchmenge eingeführt werden", so Ilchmann. Die größte niederländische Molkerei Friesland-Campina hat solche Maßnahmen für Anfang 2018 bereits für den Fall beschlossen, dass die Menge weiter steigt. "Unsere Molkereien sollten diesem Beispiel folgen", fordert Ilchmann.

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Quelle:
Unabhängige Bauernstimme, Nr. 417 - Januar 2018, S. 7
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veröffentlicht im Schattenblick zum 15. Februar 2018

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