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ARMUT/160: Nigeria - Kerosinmangel trotz Ölreichtum (IPS)


IPS-Inter Press Service Deutschland gGmbH
IPS-Tagesdienst vom 9. August 2011

Nigeria: Kerosinmangel trotz Ölreichtum

Von Sam Olukoya


Lagos, 9. August (IPS) - In Nigeria, dem sechstgrößten Rohölexporteur der Welt, stehen sich die Menschen die Beine in den Bauch, um an Kerosin zu kommen. Oftmals müssen sie einen ganzen Tag lang vor den Ausgabestellen Schlange stehen, bevor ihre mitgebrachten Kanister aufgefüllt werden. Ein Ende des Mangels ist nicht in Sicht.

Wie aus dem im Juli veröffentlichten jährlichen Statistik-Bulletin 2010/2011 der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hervorgeht, hat Nigeria im letzten Jahr täglich 2.464 Millionen Barrel Erdöl verschifft. Weil die Kapazitäten der drei staatlichen Raffinerien begrenzt sind, sieht sich das westafrikanische Land gezwungen, Erdölprodukte wie Kerosin, Benzin und Diesel einzuführen. "Wir leiden inmitten von Reichtum", meint Nelson Ilemchi, der vor einer Kerosinausgabestelle in Lagos ansteht.

Dass zu wenig Öl im Land raffiniert wird, führt Adetokunbo Mumuni von der zivilgesellschaftlichen Organisation 'Socio-Economic Rights and Accountabilitiy-Project' auf die verbreitete Korruption zurück. "Unter normalen Umständen könnte das Geld, das für die Kerosinimporte verwendet wird, in ein besseres Management der bestehenden Raffinerien und den Bau neuer Anlagen investiert werden", meint er.

Nigerias Erdölministerin Diezani Allison-Madueke macht für den Engpass skrupellose Händler verantwortlich. Das Kerosin werde gehortet und illegal ins Ausland geschafft, wo es zu Höchstpreisen veräußert werde, betont sie. Auch werde ein Teil des Kerosins an Fluggesellschaften verkauft. Anfang Juli hatte sie gegenüber dem nigerianischen Parlament erklärt, dass der nationale Kerosinbedarf acht Millionen Liter pro Tag betrage, ihr Ministerium jedoch elf Millionen Liter ausgebe.

Abdulkadir Amnu vom nigerianischen Erdöllieferantenverband IPMAN, weist die Vorwürfe gegen die Händler zurück. Das Problem sieht er darin, dass die Nachfrage weit über die von der Ministerin angegebenen acht Millionen Liter pro Tag hinausgeht und der nationale Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann.


Blühender Schwarzmarkt

Der Mangel an Kerosin hat dazu geführt, dass der Kraftstoff inzwischen teuer auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird. Dort kostet der Liter 330 Naira (1,98 Dollar). Der offizielle Preis liegt bei nur 50 Naira (33 US-Cent).

Da in Nigeria Kerosin auch zum Kochen verwendet wird, hat der allgemeine Mangel dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen nach alternativen Brennstoffen wie Holzkohle umsehen. "Das Geschäft boomt", bestätigt eine Holzkohle-Verkäuferin. Sie konnte ihre Verkäufe um mehr als 100 Prozent steigern. (Ende/IPS/kb/2011)


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veröffentlicht im Schattenblick zum 10. August 2011