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ORGANISATION/465: Philippinen - Sexuelle Ausbeutung von Kindern (unicef)


UNICEF-Nachrichten Nr. 3/2008
Zeitschrift des Deutschen Komitees für UNICEF

Sexuelle Ausbeutung
www.Millionenfacher_Missbrauch. com

Von Kerstin Bücker, Sebastian Sedlmayr, Christian Schneider


Sexuelle Ausbeutung von Kindern ist ein Milliardengeschäft: besonders Mädchen aus armen Familien sind in Gefahr, in Bordellen oder für Internetpornografie missbraucht zu werden. UNICEF hilft den Opfern und kämpft für gesetzlichen Schutz und konsequente Strafverfolgung - mit Hilfe deutscher Spenden zum Beispiel auf den Philippinen.


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Grace war erst 13, als sie in der Hauptstadt Manila ankam. Schlepper hatten ihr einen Job als Hausmädchen versprochen - stattdessen landete sie in einer Bar im Rotlichtbezirk. "Ich war völlig mittellos und hatte keine Wahl", sagt Grace. Der Barbesitzer hielt sie gemeinsam mit anderen Mädchen wie eine Gefangene. "Es gab Momente, in denen ich mich umbringen wollte", sagt Grace. "Ich dachte, ich würde dieses Haus nie wieder verlassen."

Die Geschichte von Grace ist kein Einzelfall. Jedes Jahr kommen Tausende Mädchen und junge Frauen nach Manila, um Geld zu verdienen und ihre Familien zu unterstützen. Allein, ohne Geld und oft ohne Papiere verschwinden viele hinter den Türen der Bars und Bordelle der Stadt. Viele sind jede Nacht bis zum Morgengrauen den Männern ausgeliefert. Tagsüber müssen sie zusätzlich putzen oder Wäsche waschen.

Sieben Jahre lang musste Grace Gewalt und Unterdrückung ertragen, bis sie endlich Hilfe erhielt. Sie fand in einem Zentrum Aufnahme und hofft nun auf eine bessere Zukunft. "Ich möchte meine beiden Kinder bald zu mir holen und ihnen ein gutes, anständiges Leben ermöglichen. Aber sie sollen nichts über meine frühere Arbeit erfahren", sagt die junge Frau.

Auf den Philippinen werden zwischen 60.000 und 100.000 Kinder als Prostituierte ausgebeutet. In den letzten Jahren ist das Land auch zu einer Drehscheibe für Kinderpornografie im Internet geworden. Besonders junge Mädchen vom Land sind in Gefahr.

UNICEF hat geholfen, das Thema Kinderprostitution aus der Tabuzone zu holen und konkrete Verbesserungen durchzusetzen. Doch die Herausforderung bleibt groß. So ist Kinderpornografie im Internet im Land zu einem enormen Geschäft geworden. Die Täter sind international vernetzt. Fotos und Videos lassen sich extrem schnell und billig herstellen und verbreiten. Oft werden Kinder und Jugendliche in Internet-Cafés angesprochen und mit schnellem Geld für einen Job als "Modell" gelockt. Oder Erwachsene versuchen, direkt über Webseiten mit Kindern in Kontakt zu kommen.

Erst langsam wächst das Bewusstsein für die Gefahr. UNICEF hilft mit deutschen Spenden, die Hilfsangebote für missbrauchte Mädchen in zunächst fünf Städten auszubauen. In Anlaufstellen erhalten sie medizinische und psychologische Hilfe. Aufklärungskampagnen informieren Kinder und Eltern über die Gefahren, die im Internet lauern. So lernen die Mädchen und Jungen, dass sie Internet-Bekanntschaften nie ihre Adresse mitteilen dürfen. UNICEF arbeitet mit Internet- und Mobilfunkanbietern, Betreibern von Internet-Cafés und der Tourismus-Industrie zusammen. Sie sollen Kindesmissbrauch öffentlich anprangern und die Ermittlungen gegen Verdächtige unterstützen - damit der Missbrauch von Kindern nicht länger straflos bleibt.


UNICEF Deutschland hat das Programm gegen sexuelle Ausbeutung auf den Philippinen 2008 bereits mit 97.000 Euro unterstützt. Mit der Weihnachtsaktion 2008 ruft UNICEF zu weiteren Spenden für das Programm auf.


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Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung

Die Vereinten Nationen, einzelne Staaten, internationale Gremien und viele Nichtregierungsorganisationen haben in den vergangenen 15 Jahren wichtige Schritte unternommen, um Kinder besser vor sexueller Gewalt zu schützen. Meilensteine waren die Weltkongresse in Stockholm 1996 und in Yokohama 2001. Ende November lädt die brasilianische Regierung in Rio de Janeiro zum dritten Weltkongress ein. Dabei geht es auch um neue Gefahren wie die Verbreitung der Internet-Pornografie und die Kontaktaufnahme von Tätern über das weltweite Netz. UNICEF gehört mit der internationalen Kinderschutzorganisation ECPAT zu den Organisatoren.

UNICEF Deutschland hat den Vorstoß des BKA-Präsidenten Ziercke unterstützt, der rasanten Ausbreitung der Kinderpornografie entschiedener entgegen zu treten. UNICEF fordert gemeinsam mit ECPAT, dass Internetprovider und Plattformen kinderpornografische Inhalte aus dem Netz nehmen beziehungsweise den Zugang zu entsprechenden Seiten sofort sperren. Sie müssen die Strafverfolgungsbehörden bei der Tätersuche unterstützen. Kinder müssen über die Risiken im Internet Bescheid wissen. Lehrer und Eltern sind aufgefordert, sich zu informieren und ihre Kinder zu schützen. Alle Informationen zum Thema unter www.unicef.de/weltkongress.html.



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Quelle:
UNICEF-Nachrichten Nr. 3/2008, Seite 16-17
Herausgeber: Deutsches Komitee für UNICEF e.V.
Höninger Weg 104, 50969 Köln
Telefon: 0221/936 50-0
E-Mail: mail@unicef.de
Internet: www.unicef.de

UNICEF-Nachrichten erscheint vierteljährlich und kostet 2,50 Euro.


veröffentlicht im Schattenblick zum 3. Januar 2009