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ORGANISATION/475: Finanzkrise - Stille Katastrophe für Kinder verhindern (UNICEF)


UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen - Köln, 06.07.2009

Finanzkrise: Stille Katastrophe für Kinder verhindern

UNICEF-Aufruf anlässlich des G8-Gipfels in Rom
Jugendliche diskutieren mit den G8


UNICEF ruft anlässlich des G8-Gipfels in Italien die Regierungen in Industrie- und Entwicklungsländern dazu auf, die ärmsten Familien und ihre Kinder vor den Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zu schützen. Der Einbruch der Weltwirtschaft verschärft nach Einschätzung von UNICEF massiv das Ausmaß von Armut, Hunger und Krankheiten bei Kindern.

"Bereits heute wissen viele arme Familien in den Entwicklungsländern nicht mehr, wie sie ihre Kinder ernähren und zur Schule schicken können. Die volle Wucht des Abschwungs wird die Kinder in den kommenden Monaten treffen. Die G8-Staaten und die Regierungen der Entwicklungs- und Schwellenländer müssen bei ihren Maßnahmen die ärmsten Familien im Blick haben ", sagte Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland. "Die Kosten des Nichtstuns wären enorm - menschlich und auch wirtschaftlich."

Die Auswirkungen der internationalen Politik auf die nachwachsende Generation stehen auch im Mittelpunkt des Junior-8-Gipfels, den UNICEF vom 4.-12. Juli in Rom organisiert. 54 Jugendliche aus 14 Nationen behandeln dort die gleichen Themen wie die G8. Eine Delegation der Jugendlichen wird am 9. Juni den Staats- und Regierungschefs in L'Aquila persönlich die Ergebnisse ihrer Diskussionen präsentieren; dabei sein wird auch ein Mitglied des vierköpfigen J8-Teams aus Deutschland.


Mehr Armut, Hunger und Krankheiten

Die weltweite Krise bedeutet einen schweren Rückschlag im Kampf gegen Armut und Unterentwicklung.

Die Weltbank schätzt, dass im Jahr 2009 durch die Krise zwischen 90 und 100 Millionen Menschen zusätzlich in extremer Armut festgehalten werden. In der Folge könnten zwischen 200.000 und 400.000 Kinder sterben, weil sich ihre Versorgung mit Nahrung und medizinischer Hilfe verschlechtert.

Bereits in den vergangenen zwei Jahren stieg nach Schätzungen von UNICEF allein in Asien die Zahl der unterernährten Menschen von 300 auf 400 Millionen. Schätzungsweise ein Drittel der Kinder in der Region haben nicht genug zu essen, um gesund aufzuwachsen und sich gut zu entwickeln. Weltweit wird die Zahl der Hungernden in diesem Jahr auf über eine Milliarde Menschen steigen.

Durch die gesunkenen Rohstoffpreise, sinkende Investitionen und weil Überweisungen von Familienangehörigen, die im Ausland arbeiten, wegfallen verschärft sich die Armut. Die ärmsten Familien müssen bereits jetzt zwischen 60 und 70 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Die regelmäßige Versorgung von Millionen HIV-positiver Menschen mit Medikamenten ist bedroht.


Dramatische Auswirkungen auf die Kinder

UNICEF hat angesichts der Krise bereits im vergangenen Jahr in 45 Ländern Programme gestartet, um die Versorgung von bedrohten Kindern mit Nahrungsmitteln zu verbessern. UNICEF überwacht laufend die Lage der Kinder in mehr als 150 Staaten und berät die Regierungen bei der Planung von Maßnahmen. Aktuelle Untersuchungen von UNICEF aus Südasien und Afrika dokumentieren die dramatischen Auswirkungen der Krise auf Kinder und Frauen:

Mangelernährung nimmt zu: Sinkende Einkommen führen bei den ärmsten Familien unmittelbar dazu, dass sie weniger zu essen haben. Auch die Qualität der Ernährung der Kinder wird schlechter. Chronische Unterernährung wirkt sich massiv auf die gesamte körperliche und geistige Entwicklung der Kinder aus.

Geld für Bildung und medizinische Hilfe fehlt: Die Familien haben auch weniger Geld für medizinische Hilfe und für Bildung. Zum Beispiel werden Kinder von kostenpflichtigen Schulen genommen und auf schlechtere öffentliche Schulen oder gar zum Arbeiten geschickt. Sie gehen auch seltener zum Arzt und können sich Medikamente nicht mehr leisten.

Armut und Unsicherheit wachsen: Frauen und Kinder müssen zusätzlich arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern. Dies bedeutet, dass weniger Zeit und Kraft zur Versorgung der Kinder, zum Lernen und Spielen bleibt. Viele Familien müssen sich Geld zu hohen Zinsen leihen oder zum Beispiel ihr Vieh verkaufen. Dies erhöht ihre soziale Unsicherheit. UNICEF befürchtet einen Anstieg von Gewalt, Vernachlässigung, Kinderheiraten und Kinderarbeit.


Was muss passieren?

Investitionen in das Wohlergehen und die Entwicklung der Kinder sind nicht nur eine moralische Verpflichtung. Sie sind auch Grundlage für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Vor dem G8-Gipfel fordert UNICEF die Teilnehmer auf, die ärmsten Kinder besser vor den Folgen der Finanzkrise zu schützen:

Es muss ein Frühwarnsystem eingerichtet werden, das systematisch den Gesundheitszustand und die soziale Situation der Kinder auch in den entlegensten Regionen überwacht.

Der Kampf gegen Mangelernährung bei Kindern muss massiv verstärkt werden.

Die soziale und medizinische Grundversorgung müssen gestärkt werden. Insbesondere der Schutz von Kindern vor AIDS und die medizinische Versorgung infizierter Kinder muss sichergestellt werden.

Öffentlich finanzierte Konjunkturprogramme müssen soziale Schwerpunkte setzen, zum Beispiel im Bildungsbereich.

Die Industrieländer müssen zu ihrer Verpflichtung stehen und die Ausgaben für Entwicklungshilfe aufrechterhalten und die Umsetzung der Millenniumsziele vorantreiben.

Weitere Informationen auf www.unicef.de und zum J8-Gpfel auf www.younicef.de


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Quelle:
UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
Pressemitteilung vom 6. Juli 2009
Herausgeber: Deutsches Komitee für UNICEF, Pressestelle
Höninger Weg 104, 50969 Köln
Telefon: 0221/936 50-0, Fax: 0221/93 65 02 79
E-Mail: mail@unicef.de
Internet: www.unicef.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 8. Juli 2009