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ORGANISATION/481: 20 Jahre Kinderrechte am 20. November (UNICEF)


UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen - Köln/Berlin, den 13.11.2009 Köln, .01.2009

20 Jahre Kinderrechte am 20. November
Mariatu Kamara: "Ich habe zwar keine Hände mehr, aber eine Stimme"

UNICEF: Fast jedes zweite Kind wächst in Kriegs- und Krisenländern auf


Anlässlich des 20. Jahrestages der UN-Konvention über die Rechte des Kindes ruft UNICEF dazu auf, Kinder in den Kriegs- und Krisengebieten besser zu schützen. Weltweit wachsen nach Schätzungen von UNICEF rund eine Milliarde Kinder in Ländern auf, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind - das ist fast jedes zweite Kind. Zusammen mit der heute 22-jährigen Mariatu Kamara aus Sierra Leone, der Kindersoldaten im Bürgerkrieg beide Hände abgeschlagen haben, weist UNICEF auf die kaum fassbare Brutalität und Gleichgültigkeit hin, denen Kinder in den Kriegen und Konflikten der Gegenwart ausgesetzt sind.

"Ich habe zwar keine Hände mehr, aber eine Stimme", schreibt Mariatu Kamara in ihrer Biographie, die jetzt im Pattloch-Verlag erschienen ist. "Für mich war die Gewalt keine Nachricht im Fernsehen. Sie war mein Leben. Deswegen bin ich für mein Leben gezeichnet. Wenn ich die Chance habe, anderen zu sagen, dass alle Kinder ein Recht darauf haben, in Sicherheit aufzuwachsen, dann nehme ich dies war", erklärt die UNICEF-Sonderbotschafterin für Kinder im Krieg.

Zwar hat sich die Zahl schwerer bewaffneter Konflikte gegenüber den 90er Jahren verringert, doch auch der Charakter der Kriege von heute hat sich verändert. Bürgerkriege, Staatszerfall und chronische Krisen wie in Afghanistan, im Sudan, in der Demokratischen Republik Kongo oder Somalia fordern enorme Opfer unter der Zivilbevölkerung und schaffen ganze Generationen "verlorener Kinder", die nie gelernt haben, Konflikte friedlich zu lösen.

So zählte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) http://www.hiik.de/ 2008 weltweit allein 39 "hochgewaltsame" Auseinandersetzungen. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Konflikte, die sporadisch mit Waffengewalt ausgetragen werden. Die Auswirkungen auf Kinder sind gravierend:

UNICEF schätzt, dass zwei Drittel der rund 101 Millionen Kinder, die weltweit nicht zur Schule gehen, in Krisengebieten aufwachsen. Diese Kinder sind meist besonders von Armut und Unterernährung betroffen. Viele werden auf der Flucht von ihren Eltern getrennt. Viele Flüchtlingskinder haben psychische Probleme und Lernschwierigkeiten und erhalten wenig Hilfe und Förderung.
Milizen, bewaffnete Gruppen und auch Armeen halten sich vielfach nicht an internationale Vereinbarungen. So ist der Einsatz von Kindern unter 18 Jahren als Soldaten zwar weltweit geächtet. Trotzdem dienen schätzungsweise 250.000 Kinder in 25 Ländern in bewaffneten Gruppen und Armeen. Sexuelle Gewalt und Kinderhandel sind in vielen Krisengebieten an der Tagesordnung.
Tausende Kinder und Jugendliche wurden in den vergangenen Jahren bei Terroranschlägen zum Beispiel im Irak, Afghanistan und Pakistan getötet oder haben ihre Eltern verloren. Nach Recherchen der Vereinten Nationen werden auch immer wieder Kinder und Jugendliche zu Selbstmordanschlägen angestiftet.


UNICEF: Kinder im Krieg besser schützen

In Artikel 38 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes heißt es: "Die Vertragsstaaten treffen alle durchführbaren Maßnahmen, um sicherzustellen, dass von einem bewaffneten Konflikt betroffene Kinder geschützt und betreut werden." Hierzu sind aus der Sicht von UNICEF stärkere Anstrengungen notwendig:

Gezielte Hilfe für Kinder: Es müssen ausreichend Mittel bereitgestellt werden, um die Grundversorgung von Kindern mit Nahrung, Wasser, medizinischer Hilfe, Unterkunft und Schulen in Krisenregionen sicher zu stellen.
Kampf gegen Rechtlosigkeit: Internationale Standards zum Schutz von Kindern müssen durchgesetzt werden. Kinder- und Menschenrechtsverletzungen in Kriegsgebieten müssen dokumentiert und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.
Prävention: Die Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen muss dazu genutzt werden, um Konflikten vorzubeugen. Nach dem Ende von Konflikten müssen gezielte Programme zur Wiedereingliederung, Versöhnung und Friedenserziehung gestartet werden
Kinder und Jugendliche beteiligen: Heranwachsende brauchen Möglichkeiten, sich aktiv für Frieden und Verständigung einzusetzen.


Mariatu Kamara: Eine Kindheit im Krieg

Mariatu Kamara wuchs in der Ortschaft Magborou im Landesinneren von Sierra Leone in Westafrika auf. 1999, im Alter von zwölf Jahren, wurde sie von dem Mann, dem sie versprochen war, vergewaltigt. Auf dem Weg in ein Nachbardorf geriet sie ein paar Tage später in einen Hinterhalt der Rebellenorganisation RUF. Kindersoldaten hackten ihr mit einer Machete beide Hände ab, damit sie nie ein Kreuz auf einen Wahlzettel machen kann. Schwer verletzt gelangte sie in ein Flüchtlingslager in der Hauptstadt Freetown. Dort brachte sie auch ihr Kind, das durch die Vergewaltigung entstanden ist, zur Welt. Wenige Monate später starb es an Unterernährung. Doch Mariatu gab nicht auf. Sie bettelte auf den Straßen um ihren Lebensunterhalt. In einer Theatergruppe entwickelte sie Selbstbewusstsein. Internationale Medien berichteten über ihr Schicksal. Hierdurch fand sie eine Pflegefamilie in Kanada, lernte lesen und schreiben und veröffentlichte 2008 ihre Biographie, die sofort in zehn Sprachen übersetzt wurde.


Am 20. November wird die UN-Konvention über die Rechte des Kindes 20 Jahre alt. Mit den Wochen für Kinderrechte ruft UNICEF zu verstärktem Einsatz für die Kinderrechte auf.

Terminübersicht und weitere Infos auf www.20-jahre-kinderrechte.de


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Quelle:
UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
Pressemitteilung vom 13. November 2009
Herausgeber: Deutsches Komitee für UNICEF, Pressestelle
Höninger Weg 104, 50969 Köln
Telefon: 0221/936 50-0, Fax: 0221/93 65 02 79
E-Mail: mail@unicef.de
Internet: www.unicef.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 14. November 2009