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ORGANISATION/489: Kinder in Haiti weiter in Gefahr (UNICEF)


UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen - Köln, 30.03.2010

UNICEF zur internationalen Haiti-Wiederaufbaukonferenz am 31.3. in New York

Kinder in Haiti weiter in Gefahr
Verschärfung der Situation durch Regenzeit befürchtet


UNICEF ruft anlässlich der morgigen Haiti-Wiederaufbaukonferenz in New York zu massiven Anstrengungen für die Kinder auf. In Haiti leiden rund 1,5 Millionen Kinder unter den Folgen des Erdbebens vom 12. Januar. UNICEF befürchtet, dass die jetzt beginnende Regenzeit zur Ausbreitung von Krankheiten führen kann. Das Kinderhilfswerk fordert, bessere Lebensbedingungen für Kinder in den Mittelpunkt der Bemühungen um den Wiederaufbau zu stellen.

Dank der internationalen Hilfe nach dem verheerenden Erdbeben wurden Seuchen bislang verhindert. Die meisten der rund 1,5 Millionen Obdachlosen erhielten provisorische Unterstützung. Doch in den kommenden Wochen droht sich nach Einschätzung von UNICEF die Lage der Erdbebenopfer wieder zu verschlechtern. Allein in Port-au-Prince sind sieben Camps mit mehr als 45.000 Menschen von Überschwemmungen und Erdrutschen bedroht.

"Die Krise in Haiti ist noch nicht vorbei", sagte Rudi Tarneden, Sprecher von UNICEF Deutschland, der gerade aus Haiti zurückgekehrt ist. "Jetzt geht es weiter darum Leben zu retten. Gleichzeitig müssen Grundlagen für einen Neuanfang gelegt werden. Dazu gilt es die Zivilgesellschaft und öffentliche Einrichtungen zu stärken. Eine Rückkehr zur Normalität vor der Katastrophe reicht nicht aus."

UNICEF weist darauf hin, dass die Ausgangssituation für Hilfsmaßnahmen in Haiti extrem schwierig ist. Politische Instabilität, das Fehlen funktionierender öffentlicher Einrichtungen und extreme Armut verschärfen die Notlage der Menschen. Bereits vor der Naturkatastrophe starben in Haiti so viele Kinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Krankheiten wie sonst nirgendwo in der westlichen Hemisphäre; ein Viertel der Kinder war unterernährt. Über die Hälfte aller Kinder im schulpflichtigen Alter gingen nicht zur Schule.

Um Haiti zu einem besseren Platz für Kinder zu machen, ist langfristig internationale Hilfe notwendig. Kinderschutzsysteme sowie Zugang zu Schulbildung und Gesundheitsdiensten müssen geschaffen werden. Eine Befragung von über 1.000 Kindern ergab jetzt, dass für viele die Rückkehr in die Schule oberste Priorität hat. "Ich möchte, dass die Rechte der Kinder respektiert werden...Und ich möchte, dass alle zur Schule gehen können", sagte Erdbebenopfer Daphmika, 15 Jahre.

UNICEF hilft den Menschen in Haiti mit einem umfassenden Nothilfe- und Wiederaufbauprogramm. Schwerpunkte sind der Kampf gegen Hunger und Unterernährung bei Kindern, der Schutz der Kinder vor Ausbeutung und Gewalt und die Einrichtung von Kinderzentren und Notschulen. Zudem deponiert das Kinderhilfswerk in allen Landesteilen derzeit Hilfsgüter, um rasch auf verschärfte Notlagen zum Beispiel nach schweren Regenfällen oder Stürmen reagieren zu können.

UNICEF hat 215 Experten nach Haiti entsandt, die mit einer Vielzahl von Partnern zusammenarbeiten. UNICEF koordiniert die internationale Hilfe in den Bereichen Wasserversorgung, Kinderernährung, Bildung und Kinderschutz und unterstützt folgende Maßnahmen:

Wasser und Hygiene: 
Gegenwärtig werden jeden Tag rund 1,1 Millionen Menschen mit Tankwagen, Plastiktanks und Verteilstationen mit sauberem Trinkwasser versorgt. Mehr als 5.500 Latrinen wurden in den Notlagern angelegt.
Über 65.000 Hygienepakete mit Seife, Eimern und Wasserkanistern wurden zur Versorgung von 327.000 Menschen verteilt. Radiospots klären über hygienisches Verhalten auf.
UNICEF hilft bei der Reparatur von Wasserwerken, Handpumpen und Leitungen.

Gesundheit: 
Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium hat UNICEF eine Impfkampagne für insgesamt 900.000 Menschen gestartet und stellt Kühlschränke, technisches Gerät und Impfstoffe zur Verfügung.
Rund 80.000 Kinder zwischen acht Monaten und sieben Jahren sind inzwischen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern und Röteln geimpft und mit Vitamin A zur Stärkung der Abwehrkräfte versorgt worden.

Ernährung: 
UNICEF unterstützt die Versorgung und Behandlung von akut mangelernährten Kindern in 136 Ernährungszentren. Über 24.000 Kinder erhalten bereits regelmäßig nährstoffreiche Zusatznahrung.
In 23 Beratungsstellen, so genannten "Baby Zelten", erhalten Mütter mit Kleinkindern, die ihre Babys nicht stillen können, Hilfe.

Bildung: 
Bisher wurden über 600 Großzelte für Notschulen nach Haiti gebracht. Hinzu kommen Lern- und Spielmaterial für Zehntausende Kinder. Zahlreiche Notschulen haben bereits ihre Arbeit aufgenommen.

Kinderschutz: 
UNICEF hat zusammen mit seinen Partnern 78 Kinderzonen in Lagern und Stadtteilen eingerichtet, um den Kindern ein Stück Normalität zu ermöglichen. Insgesamt 55.000 Kinder werden hierdurch schon erreicht.
Rund 600 unbegleitete Kinder wurden bislang registriert und über Partner versorgt. UNICEF unterstützt auch die Suche nach Angehörigen.
Um Kinderhandel und illegale Adoptionen zu verhindern, werden Mitarbeiter von Behörden und Polizei geschult.

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Quelle:
UNICEF - Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
Pressemitteilung vom 30. März 2010
Herausgeber: Deutsches Komitee für UNICEF, Pressestelle
Höninger Weg 104, 50969 Köln
Telefon: 0221/936 50-0, Fax: 0221/93 65 02 79
E-Mail: mail@unicef.de
Internet: www.unicef.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 1. April 2010