Schattenblick → INFOPOOL → POLITIK → UNO


ORGANISATION/494: Grünes Licht für Weltfrauenorganisation (IPS)


IPS-Inter Press Service Deutschland gGmbH
IPS-Tagesdienst vom 2. Juli 2010

UN - Grünes Licht für Weltfrauenorganisation

Von Thalif Deen


New York, 2. Juli (IPS) - Die Vereinten Nationen haben den Weg für eine eigenständige Weltfrauenorganisation freigemacht. 'UN-Women', so der Name der neuen Agentur, wird aller Voraussicht nach unter weiblicher Führung stehen. Generalsekretär Ban Ki-Moon muss innerhalb der kommenden elf Wochen über die Personalie entscheiden.

Ein UN-Diplomat aus dem Süden lobte die Zusammensetzung des Exekutivausschusses der künftigen Organisation, die geographische Kriterien ebenso berücksichtigt wie einzelne Geberstaaten. So entfallen von den insgesamt 41 Sitzen jeweils zehn auf Afrika und Asien, vier auf Osteuropa, sechs auf Lateinamerika und Karibik und fünf auf Westeuropa und andere Gruppen (WEOG). Die vier größten UN-Beitragszahler erhalten vier und Geberstaaten des Südens zwei Plätze.

Auch das nichtstaatliche Bündnis GEAR, das sich für Reformen für eine bessere Gleichstellung von Frauen innerhalb der Vereinten Nationen einsetzt, äußerte sich zufrieden über den Ausgang der Verhandlungen. "Wir sind sehr erfreut darüber, dass die Regierungen sich endlich in den schwierigsten Punkten geeinigt haben", hieß es in einer Erklärung der Koalition, die aus etwa 300 Frauenorganisationen besteht.

Die Entscheidung für eine Weltfrauenorganisation kommt Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte nach der Gründung von UN-Sonderagenturen, die sich ausschließlich mit Kinder, Bevölkerung, Flüchtlinge, Ernährung und Bildung befassen.


Strukturen bestehender Gremien miteinander verbunden

Ein wichtiger Punkt sei die Definition des institutionellen Charakters des neuen Gremiums gewesen, erklärte GEAR in einer Mitteilung am 1. Juli. "Schließlich verständigte man sich darauf, dass die Neugründung kein Sekretariat, Programm oder Fonds werden würde." Stattdessen sei an ein neues Konstrukt gedacht worden, das die Strukturen der vier bestehenden Gleichstellungsgremien miteinander verbindet.

Unter dem Dach der Vereinten Nationen gibt es bereits den UN-Frauenentwicklungsfonds (UNIFEM), das Büro des Sonderberaters für Gleichstellungsfragen, die UN-Abteilung zur Frauenförderung sowie das Internationale Forschungs- und Ausbildungsinstitut zur Förderung von Frauen (INSTRAW). Diese vier Entitäten sollen unter Berücksichtigung ihrer Mandate in der neuen Organisation zusammengefasst werden.

"Vier Jahre, nachdem die Idee erstmals vorgeschlagen wurde, haben die Mitgliedstaaten offiziell die kleine, ineffiziente Koalition aus UN-Fonds und Büros abgeschafft, die sich nur bruchstückhaft mit Frauenfragen befasst haben", sagte Paula Donovan von der Organisation 'AIDS-Free World'. "Stattdessen ist die Basis für eine starke und wirkungsvolle Frauenbehörde gelegt worden", meinte die frühere Beraterin des Weltkinderhilfswerks UNICEF.

Die neue Organisation kann mit einem Jahresbudget von rund 500 Millionen US-Dollar rechnen. Dies ist bedeutend mehr, als den bisherigen vier Gremien zur Verfügung stand. Diese hatten 6,2 Millionen Dollar aus dem regulären UN-Budget sowie 218,5 Millionen Dollar von freiwilligen Beitragszahlern erhalten.

Charlotte Bunch, die das 'Center for Women's Global Leadership' an der Rutgers University in New Jersey leitet, sieht ausreichende finanzielle Ressourcen und eine kompetente Führung als wichtigste Voraussetzung für das Gelingen einer solchen neuen Initiative. Gefragt sei eine starke Untergeneralsekretärin, die sich den Respekt anderer Agenturen und der Gebern verschaffen und mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten könne.

Einflussreiche UN-Organisationen wie das Entwicklungsprogramm UNDP, der UN-Bevölkerungsfonds und UNICEF könnten laut Bunch 'UN Women' durch ihre Zusammenarbeit maßgeblich nach vorn bringen. Es bestehe allerdings auch die Gefahr, dass die anderen Organisationen aus Konkurrenzgründen gegen das neue Gremium arbeiteten, warnte sie. (Ende/IPS/ck/2010)


Links:
http://www.undp.org/women/
http://www.cwgl.rutgers.edu/globalcenter/policy/unadvocacy/gea.html
http://www.unifem.org/
http://www.un-instraw.org/
http://www.cwgl.rutgers.edu/
http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=52024

© IPS-Inter Press Service Deutschland gGmbH
vormals IPS-Inter Press Service Europa gGmbH


*

Quelle:
IPS-Tagesdienst vom 2. Juli 2010
IPS-Inter Press Service Deutschland gGmbH
vormals IPS-Inter Press Service Europa gGmbH
Marienstr. 19/20, 10117 Berlin
Telefon: 030 28 482 361, Fax: 030 28 482 369
E-Mail: redaktion@ipsnews.de
Internet: www.ipsnews.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 17. Juli 2010