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ORGANISATION/507: UN - Finanzmittel für Weltfrauenorganisation unzureichend (IPS)


IPS-Inter Press Service Deutschland gGmbH
IPS-Tagesdienst vom 4. Juli 2011

UN: "Gleich nach Geburt erdrosselt" - Finanzmittel für Weltfrauenorganisation unzureichend

Von Thalif Deen


New York, 4. Juli (IPS) - Bei der Einweihung der neuen Weltfrauenorganisation 'UN Women' (UNW) im Januar hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon einen Etat von 500 Millionen US-Dollar gefordert. Doch sechs Monate später summieren sich die freiwilligen Beiträge auf 80 Millionen Dollar, wie Hardeep Singh Puri, Indiens ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, kritisierte.

Der Betrag sei völlig unangemessen, erklärte Puri auf dem ersten regulären Treffen des 41 Mitgliedsländer zählenden UNW-Exekutivauschusses Ende Juni in New York. Er erinnerte daran, dass der UNW-Strategieplan Aktivitäten im Wert von fast 1,2 Milliarden Dollar vorsieht. "Soll UNW für Aktivitäten stehen, müssen die Zuschüsse der Geber für UN Women großzügig ausfallen."

Stephen Lewis, ehemaliger Chef des Weltkinderhilfswerks UNICEF und Mitbegründer der internationalen Aids-Hilfe-Organisation 'AIDS-Free World' war lange vor Entstehen von UNW einer der stärksten Befürworter einer Weltfrauenorganisation. Wie er im Interview mit IPS erklärte, hinkt der bisher zustande gebrachte Etat in Höhe von 80 Millionen bis 126 Millionen Dollar hoffnungslos den Erwartungen hinterher.

Lewis geht davon aus, dass die Zielmarke bereits auf 250 Millionen Dollar heruntergestuft wurde. Das sei eine Posse. Der Betrag liege nur unwesentlich über dem Gesamtbetrag der vier kleineren Organisationen, die in der neuen Weltfrauenorganisation aufgegangen sind: des UN-Entwicklungsfonds für Frauen (UNIFEM), des Büros des Sonderberaters für Genderfragen, der UN-Abteilung für Frauenförderung und des 'International Research and Training Institute for the Advancement of Women' (INSTRAW).

Lewis zufolge war die von UN-Chef Ban gestellte Mindestforderung in Höhe von 500 Millionen Dollar schon "lächerlich gering". Nichtregierungsorganisationen hatten 1,2 Milliarden Dollar als "gerade ausreichend" verlangt. Nach Ansicht des ehemaligen kanadischen UN-Botschafters Lewis haben die reichen Länder mit ihrer schlechten Zahlungsmoral die UN-Frauenorganisation "gleich nach der Geburt erdrosselt".


"Westen erledigt für frauenfeindliche Länder die Drecksarbeit"

"Alle diese frauenfeindlichen Länder - von Pakistan bis in den Sudan - lachen sich bestimmt ins Fäustchen. Sie wollten UN Women nicht, und nun erledigt der Westen für sie die Drecksarbeit", sagte er. "Das ist ein schmutziges Geschäft und zeigt, dass die UN, wenn es um Frauen geht, einfach nicht die Kurve kriegt." Die ehemalige chilenische Staatspräsidentin Michelle Bachelet sei eine hervorragende UNW-Chefin, die aber ohne die ausreichenden Mittel nichts für die Frauen ausrichten könne.

Antonia Kirkland, Rechtsberaterin der in New York angesiedelten Frauenorganisation 'Equality Now', erklärte gegenüber IPS, dass ohne wirkliche Finanzierungsanstrengungen der UNW-Mitgliedsländer die Weltfrauenorganisation Gefahr laufe, wie alle bisherigen Frauenagenturen ein Schattendasein zu fristen.

UNW ist das Ergebnis einer internationalen Kampagne für eine neue UN-Gleichstellungsarchitektur (GEAR), an der sich mehr als 300 Organisationen wie die 'Women's Environment and Development Organisation' (WEDO), 'International Planned Parenthood Association', 'Asia Pacific Women's Watch' und 'African Women's Development and Communication Network' beteiligt hatten.

Kirkland zufolge haben die UNW-Mitgliedsländer bereits viel Zeit und Geld in die Gründung der neuen Weltfrauenorganisation gesteckt. Nun sei es an der Zeit, die für Frauen und Mädchen weltweit erforderlichen Programme zügig umzusetzen, damit diese ihr Recht auf Gleichheit und auf eine Wahrnehmung ihrer vollständigen Menschenrechte in Anspruch nehmen könnten. (Ende/IPS/kb/2011)


Links:
http://www.unwomen.org/
http://www.unwomen.org/eb_docs/2011/background-documents/elements-UNWomen-strategic-plan.pdf
http://www.aidsfreeworld.org/
http://www.equalitynow.org/
http://www.gearcampaign.org/Campaign.shtml
http://ipsnews.net/news.asp?idnews=56313

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veröffentlicht im Schattenblick zum 5. Juli 2011