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ORGANISATION/512: UNICEF - Internationale Hilfsgelder unzureichend, Millionen Kinder gefährdet (IPS)


IPS-Inter Press Service Deutschland gGmbH
IPS-Tagesdienst vom 6. Februar 2012

Kinder: Internationale Hilfsgelder unzureichend - Millionen Kinder gefährdet

von Bari Bates


Kinder auf einer Müllkippe in Pakistan - Bild: © Ashfaq Yusufzai/IPS

Kinder auf einer Müllkippe in Pakistan
Bild: © Ashfaq Yusufzai/IPS


Brüssel, 6. Februar (IPS) - Hätte das Weltkinderhilfswerk UNICEF 1,28 Milliarden US-Dollar, könnte es fünf Millionen äthiopische Kinder versorgen, 360.000 jungen Kenianern den Zugang zu qualitativ hoher Bildung verschaffen und 16.000 unterernährte Mädchen und Jungen in Madagaskar behandeln. Außerdem würden 2,2 Millionen Somalier sauberes Trinkwasser und eine Million Kinder im Südsudan eine Basisgesundheitsversorgung erhalten.

Diese Zahlen beziehen sich lediglich auf das östliche und südliche Afrika, also nur zwei der Weltregionen, die UNICEF erreichen will. Und leider konnte die UN-Organisationen für 2011 noch nicht einmal die Hälfte ihrer Finanzierungsziele erreichen. Zu befürchten ist nun, dass dies auch im laufenden Jahr nicht anders sein wird.

Jeden Januar gibt UNICEF seinen Bericht 'Humanitarian Action for Children' heraus, der darlegt, in welchen Regionen der Welt Heranwachsende aufgrund humanitärer Notlagen am dringendsten Hilfe brauchen. Der jüngste Report zeigt Mädchen und Jungen, die bis auf die Rippen abgemagert sind, und ganze Bevölkerungsgruppen, die allmählich verhungern.

Der 80-seitige Report, der in 25 Ländern und sieben Weltregionen den Bedarf in Bereichen wie Ernährung, Gesundheit, Trinkwasser, Sanitärversorgung sowie Bildung, Kinderschutz und AIDS-Bekämpfung untersucht, ist ein verzweifelter Ruf nach Hilfe.


Katastrophen treiben den Finanzbedarf nach oben

Zunächst hatte UNICEF weltweit um 1,4 Milliarden Dollar für Projekte in 38 Staaten angefragt. Mitte 2011 musste das Hilfswerk den Betrag aber nach oben korrigieren, nachdem am Horn von Afrika eine schwere Hungersnot ausgebrochen war. In die Region Ostafrika flossen der Untersuchung zufolge im vergangenen Jahr 44 Prozent aller UNICEF-Hilfsgelder.

Auch andere Teile Afrikas warten dringend auf Unterstützung. Allein in Somalia benötigt das Kinderhilfswerk 2012 mehr als 289 Millionen Dollar. Das wäre der größte Betrag, der einem einzelnen Land zukommen würde. Weitere 143,9 Millionen Dollar wurden für die Demokratische Republik Kongo und 98,1 Millionen Dollar für den Sudan gefordert.

Dem Report zufolge hatte UNICEF bis Oktober nur 854,7 Millionen Dollar erhalten - dies entspricht lediglich 48 Prozent des kalkulierten Budgets für alle humanitären Aktivitäten der UN-Kinderhilfsorganisation. Schmerzhafte Kürzungen sind also unumgänglich. "Leider können wir nie allen Menschen helfen, die Unterstützung benötigen", meinte dazu die UNICEF-Mitarbeiterin Marika Hofmeister.

Die finanziellen Engpässe haben dazu geführt, dass beispielsweise der Südsudan im vergangenen Jahr nur 36 Prozent der nötigen Hilfe erhalten hat. Das Ziel, dort 500.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, wurde nur teilweise erreicht. Mehr als 130.000 Südsudanesen gingen leer aus.

Auch der Plan, 75.000 Kinder in Überschwemmungsgebieten auf den Philippinen mit Schulmaterialien auszustatten, ist gescheitert. So konnten nur 25.000 Kinder mit den notwendigen Utensilien ausgestattet werden.

Aus einem im Oktober 2011 veröffentlichten Bericht geht hervor, dass Länder wie Madagaskar, Uganda, Kongo und Irak, Tadschikistan sowie irakische Flüchtlinge weniger als zehn Prozent der veranschlagten Hilfen erhalten haben.

Dennoch ist es UNICEF gelungen, 36 Millionen Kinder auf der Welt zu entwurmen, mit Vitamin A zu versorgen und zu impfen. 1,2 Millionen Kinder wurden wegen akuter Unterernährung behandelt. Zudem erhielten 19 Millionen Frauen und Kinder zusätzliche Nahrungsmittel. 16 Millionen Menschen erhielten Zugang zu Trinkwasser und einer sanitären Grundversorgung, weitere vier Millionen Kinder können jetzt zu Schule gehen.

Es sei wichtig, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den großen Katastrophen, die die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zögen, und den "stillen Notsituationen", für die jahrelang keine Gelder zur Verfügung gestellt würden, sagte Hofmeister.


Kritik an UN-Krisenmanagement

Doch stößt die Arbeit des Kinderhilfswerks auch auf Kritik. In dem am 18. Januar verbreiteten Bericht 'A Dangerous Delay' fordern 'Oxfam' und 'Save the Childeren', dass die Vereinten Nationen, Nichtregierungsorganisationen und privaten Geber bei der Hilfe in Dürreregionen nicht nur die Krisen selbst, sondern auch die Risiken angehen müssten. Am Horn von Afrika "ist die Chance, eine Krise zu verhindern, verpasst worden", heißt es.

Die beiden Organisationen warnten davor, dass die Dürre und die daraus resultierende Hungersnot, von der 13 Millionen Menschen betroffen sind, eine weitere Krise ankündigt. Vorboten seien unter anderem Wetterlagen, die mit dem Klimaphänomen 'La Niña' in Verbindung gebracht werden.

Um auf plötzlich auftretende Katastrophen vorbereitet zu sein, will die UNICEF-Abteilung 'Global Support', die für 2012 21,9 Millionen Dollar einwerben will, einen Finanzpool bilden, der nicht auf bestimmte Länder festgelegt ist. Ob sich diese Maßnahme umsetzen lässt, hängt vom Erfolg der Fundraising-Strategie ab. Im vergangenen Jahr erhielt Global Support nur drei Prozent der anvisierten Summe.

Nach dem Stand vom Oktober 2011 haben die zehn größten Geber von UNICEF 74 Prozent aller Finanzmittel eingebracht. Mit 115,8 Millionen sei die EU der größte Förderer, heißt es in dem Bericht. Es folgen die USA mit 98,2 Millionen Dollar, Japan mit 97,4 Millionen Dollar und der Zentrale UN-Notfallfonds (CERF) mit 97,1 Millionen Dollar. (Ende/IPS/ck/2012)


Links:
http://www.unicef.org/hac2011/files/HAC2011_EN_PDA_web.pdf
http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=106646

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veröffentlicht im Schattenblick zum 8. Februar 2012