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INTERNATIONAL/198: Landrechte - PepsiCo kündigt Schutzmaßnahmen an (IPS)


IPS-Inter Press Service Deutschland GmbH
IPS-Tagesdienst vom 20. März 2014

Landrechte: PepsiCo kündigt Schutzmaßnahmen an - Zulieferer zu mehr Transparenz angehalten

von Carey L. Biron


Bild: © Wade C.L. Williams/IPS

Land in Liberia, das für 50 Jahre an Palmölproduzenten verpachtet wurde
Bild: © Wade C.L. Williams/IPS

Washington, 20. März (IPS) - Der weltweit zweitgrößte Erfrischungsgetränkehersteller 'PepsiCo' hat zugesichert, mit neuen Sicherheitsstandards und Transparenzmaßnahmen gegen Landgrabbing innerhalb seiner globalen Zulieferkette vorzugehen.

Entwicklungsexperten und Aktivisten begrüßten den Plan, den der Konzern am 18. März an seinem Hauptsitz in New York angekündigt hat. Coca-Cola hatte im vergangenen Jahr bereits ähnliche Schritte angekündigt. Beide Firmen folgen damit einem Trend, den Wünschen der Verbraucher nachzukommen, die weiter an Einfluss gewinnen.

PepsiCo will künftig eine 'Null Toleranz' gegenüber Landgrabs walten lassen. Darunter ist die Pacht oder der Kauf meist riesiger Agrarflächen ohne Rücksicht auf die Rechte und die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerungsgruppen zu verstehen. Außer dem weltbekannten Erfrischungsgetränk, dem er seinen Namen verdankt, stellt der Konzern unter anderem die Softdrinks 'Gatorade', 'Tropicana' und 'Quaker' sowie Snacks her.

"Landwirtschaft ist ein integraler Bestandteil der PepsiCo-Zuliefererkette", sagte der stellvertretende Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Paul Boykas. Unabhängig davon, ob die jeweiligen Rohstoffe von einem Bauern oder einem Verarbeitungsbetrieb kämen - das Unternehmen werde sicherstellen, dass die Landrechte innerhalb der gesamten Zulieferkette gewahrt würden.

PepsiCo verzeichnet einen Umsatz von jährlich rund 65 Milliarden US-Dollar und verwendet für die Herstellung der Getränke Hunderte verschiedener Zutaten, darunter Zucker. Der Zuckerverbrauch der gesamten Soft-Drink-Branche wird global auf etwa 176 Millionen Tonnen im Jahr geschätzt.

Bild: © Michelle Tolson/IPS

Verkauf von Zuckerrohr auf einem Markt in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh
Bild: © Michelle Tolson/IPS

Wie der Konzern in seinem neuen Strategiepapier erläutert, werden er und seine Zulieferer in Landerwerbsfällen transparent agieren und nach den Prinzipien des Rechts auf freie, frühzeitige und informierte Zustimmung ('Free, Prior and Informed Consent' - FPIC) verfahren. Damit soll ein substantieller Verhandlungsprozess mit Dorfgemeinschaften gewährleistet werden. Für den Fall, dass die Firma oder ihre Zulieferer in einem Land tätig sind, in dem die Landrechte nicht angemessen geschützt werden, will sich PepsiCo bei der jeweiligen Regierung für die Umsetzung spezifischer FPIC-Prinzipien einsetzen.

Mit dieser Vereinbarung betritt das Unternehmen Neuland, wie Chris Jochnick von der Hilfsorganisation 'Oxfam America' erklärt. Auch für Aktivisten sei dies eine neue Erfahrung. "Es ist sehr hilfreich, wenn sich große Unternehmen für derartige Anliegen auf nationaler und internationaler Ebene starkmachen", meint er. "Für die betroffenen Menschen vor Ort und die Hilfsorganisationen ist es nützlich, darauf verweisen zu können, dass diese Firmen auf die Einhaltung von FPIC-Standards beharren."

Jochnick zufolge haben Coca-Cola und PepsiCo mit ihrem Strategiewechsel zugunsten der Landrechte auf einen von Oxfam im letzten Jahr erzeugten öffentlichen Druck reagiert. Die Zielsetzung von PepsiCo, null Toleranz walten zu lassen, würdigte der Sprecher der Hilfsorganisation gleichwohl als "sehr ehrgeizig".


Mobilisierung der Öffentlichkeit

Vor einem Jahr hatte Oxfam damit begonnen, das Verhalten der zehn weltgrößten Konsumgüterunternehmen einschließlich Coca-Cola und PepsiCo hinsichtlich ihres Umgangs mit Arbeits-, Land- und Frauenrechten sowie mit Öko- und Transparenzstandards zu durchleuchten. Im November 2013 legten Oxfam und andere Organisationen einen Gesellschafterbeschluss vor, in dem PepsiCo aufgefordert wurde, einen jährlichen Bericht zur Handhabung der Landrechte innerhalb der gesamten Zulieferkette des Unternehmens zu verfassen.

"PepsiCo bezieht Zucker von Lieferanten, die mit Landgrabs in Verbindung gebracht werden, was für die Firma selbst und ihren Aktienwert ein Risiko bedeutet", heißt es in dem Beschluss. "PepsiCo muss sich über dieses Problem dringend im Klaren werden und Schritte einleiten, um zu garantieren, dass Landrechtsverstöße innerhalb seiner Zulieferkette ausbleiben."

Im November kündigte daraufhin zunächst Coca-Cola eine Null Toleranz-Strategie gegen Landgrabs an. Seitdem haben fast 275.000 Personen Petitionen unterzeichnet, in denen PepsiCo aufgefordert wird, nachzuziehen. "Wir sind selbst überrascht, wie viel Druck die Verbraucher ausüben können und wie die Hersteller darauf ansprechen", meint Jochnick.

Zuvor hatten erst zwei der zehn von Oxfam aufgelisteten Unternehmen - neben Coca-Cola und PepsiCo sind das 'Associated British Food', 'Danone', 'General Mills', 'Kellogg's', 'Mars', 'Mondelez', 'Nestlé' und 'Unilever' - überhaupt damit begonnen, über Landrechte zu sprechen. Aus einer im Februar aktualisierten Bewertung geht hervor, dass inzwischen sieben Firmen spezifische Verpflichtungen eingegangen sind.


Nachfrage nach Zucker und Palmöl im Aufwind

Der Getränkeriese unterstützt nach eigenen Angaben die Annahme freiwilliger Sozial- und Umweltstandards bei der Produktion von Palmöl und Zucker. Die globale Nachfrage nach diesen Produkten steigt derzeit an. Dies hat dazu geführt, dass es in der letzten Zeit international verstärkt zu Fällen von Landgrabbing gekommen ist.

Aktivisten halten jedoch wenig von den von Industrieunternehmen angestoßenen Zertifizierungsinitiativen wie dem Runden Tisch zu nachhaltig produziertem Palmöl (RSPO) und dem Projekt 'Bonsucro', das auf Zulieferer in der Zuckerbranche abzielt. Die RSPO beispielsweise zertifiziert Unternehmen, die Regenwälder abholzen, lautet ihr Vorwurf. PepsiCo will sich aber weiterhin aktiv an beiden Initiativen beteiligen.

Die Umweltorganisation 'Rainforest Action Network' (RAN) und andere Gruppen stellten kürzlich die neue Initiative Palmöl-Innovationsgruppe (POIG) vor, die auf den RSPO-Prozess aufbauen und zeigen soll, "dass die Palmöl-Produktion nicht mit der Zerstörung von Wäldern, sozialen Konflikten oder der Verschärfung des Klimawandels in Verbindung stehen muss". (Ende/IPS/ck/2014)


Link:

http://www.ipsnews.net/2014/03/pepsi-pledge-signals-momentum-land-rights/

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veröffentlicht im Schattenblick zum 21. März 2014