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KORRESPONDENZEN/010: Leserbrief zur Rezension "Naturschutz und Profit" - 2 (SB)


Leserbriefe von Klaus Pedersen zu einer Buchrezension

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Samstag, 16. August 2008 - 10:40 Uhr

Liebe SB-Redaktion,

vielen Dank für die Veröffentlichung meiner Stellungnahme und Ihre zusätzlichen Erläuterungen.

Selbstverständlich bin ich der Ansicht, dass eine "erste Natur" existiert(e). Schließlich gab es diese bereits rund 2 Millarden Jahre lang und konnte demzufolge bei bestem Willen nicht vom Menschen überprägt sein. Dass diese nun "folgerichtig als 'rein' oder 'unberührt' beschrieben werden müßte", ist allerdings Ihre Interpretation - ich kann mich nicht erinnern, derartiges in meinem Buch behauptet zu haben.

Herzlichst,
Klaus Pedersen.


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28. August 2008

Sehr geehrter Herr Pedersen,

vielen Dank für Ihre fortgesetzte Mühe um die Aufklärung möglicher Mißdeutungen seitens des Rezensenten.

Wir haben gut verstanden, daß es die von W. Bätzing als "zweite Natur" bezeichnete Umwelt ist, in deren Zusammenhang die Frage nicht nur nach ihrem Schutz und Erhalt und ihrem vernünftigen, bedarfsorientierten Gebrauch gestellt werden sollte, sondern mehr noch eine Besinnung auf die essentiellen Ursachen ihrer profit- und wachstumswirtschaftlich bedrohten Existenz nach sich ziehen muß. Die Zitation Bätzings allerdings ist es, welche die "unberührte" bzw. "ursprüngliche" oder auch "erste" Natur die Voraussetzung für das Postulat einer "zweiten" Natur, also jener vom Menschen "berührten" und damit kulturell überprägten Natur überhaupt erst schlüssig macht. Zumindestens zeigt sich doch, daß es sich bei ihrer Wahrnehmung keineswegs nur um eine subjektive Interpretation des Rezensenten handelt, nicht zuletzt, weil er im tatsächlichen Gebrauch eben dieser Begriffe und des Zitates wenn auch nicht das Ideal, so doch eine nicht bedeutungslose Präsenz jener "unberührten", "ersten" oder auch "ursprünglichen" Natur erkennt.

Die historische Realität weicht jedoch stark vom Konzept der "unberührten Natur" ab. Es gibt schon seit Jahrtausenden in weiten Teilen der Erde keine "ursprüngliche" Natur mehr, sondern eine vom Menschen bearbeitete und kulturell überprägte Natur, die der Erlanger Geograf Werner Bätzing (2005) als die "zweite Natur" bezeichnet.
(Naturschutz und Profit, Seite 21/22)

Selbstverständlich könnte man versuchen, sich darauf zu verständigen, daß es sich bei der ersten bzw. ursprünglichen oder unberührten Natur um jene handelt, in der die evolutionsgeschichtlichen Vorfahren der Menschen noch die Welt beherrschten. Allerdings müßte wohl eingeräumt werden, daß es dann auch vorgeschichtliche Unschärfen gibt.

Allerbeste Grüße
Ihre Schattenblick-Redaktion


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Dienstag, 02.09.2008 - 22:21 Uhr

Liebe Redaktion,

zunächst meine Bitte um Entschuldigung für die verspätete Antwort. Ich war anderthalb Wochen im Urlaub und dabei offline, so dass ich erst seit gestern zur Aufarbeitung der Mails komme, die sich angesammelt haben.

Zunächst ein klares JA zur publizistischen Fortsetzung unseres Meinungsaustauschs. Ich muss Sie jedoch aus oben genanntem Grund (Mail-Rückstau) mit meiner Antwort um ein paar Tage vertrösten.

Ich weiß nicht, ob ich nachstehenden richtig verstehe. Der Rezensent/die Rezensentin schreibt: "Zumindestens zeigt sich doch, daß es sich bei ihrer Wahrnehmung keineswegs nur um eine subjektive Interpretation des Rezensenten handelt, nicht zuletzt, weil er im tatsächlichen Gebrauch eben dieser Begriffe und des Zitates wenn auch nicht das Ideal, so doch eine nicht bedeutungslose Präsenz jener "unberührten", "ersten" oder auch "ursprünglichen" Natur erkennt."

Das "ihrer Wahrnehmung" in diesem Satz bezieht sich ja wohl auf die "zweite Natur" - da wäre ich mit dem Rezensenten einig. Den Zeilen danach interpretiere ich so, dass RezensentIn meint, der Gebrauch des Begriffs "zweite Natur" impliziere die "bedeutungsvolle Präsenz" einer "ersten Natur". Nun, ich möchte zunächst auf meine frühere Mail verweisen: Ja, es gab zwei Milliarden Jahre lang eine "nicht bedeutungslose", besser gesagt eine ausschließliche Präsenz der ersten Natur. Zum zweiten würde ich gern nachträglich Zeile 3-6 auf Seite 22 im Buch dick unterstreichen: Ich stehe voll hinter Bätzig's Meinung, sonst hätte ich sie nicht in der Weise zitiert, nämlich "Es gibt schon seit Jahrtausenden in weiten Teilen der Erde keine 'ursprüngliche' Natur mehr, sondern eine vom Menschen bearbeitete, kulturell überprägte Natur .....". Mit anderen Worten, seitdem ist die "erste Natur" von bedeutungsLOSER Präsenz. Ich bin der festen Überzeugung, dass biologische Vielfalt mit und durch den Menschen erhalten wird und zwar durch besagte kulturelle Überprägung. Nachträglich bestätigt fühle ich mich in dieser Meinung durch den wundervollen Artikel von Ivette Perfecto und John Vandermeer "Biodiversity in Tropical Agroecosystems. A Nwe Conservation Paradigm (Ann. N.Y. Acad. Sci. 1134:173-200; 2008).

Herzliche Grüße,
Ihr Klaus Pedersen.



3. September 2008