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STANDPUNKT/093: Abrüstung - Kirchenvertreter fordern Maßnahmen zur Ächtung von Atomwaffen (IPS)


IPS-Inter Press Service Deutschland GmbH
IPS-Tagesdienst vom 14. April 2015

Abrüstung: Kirchenvertreter fordern Maßnahmen zur Ächtung von Atomwaffen


New York, 14. April (IPS) - Hochrangige Vertreter verschiedener Religionen haben auf einem Treffen unter Vorsitz der ständigen Beobachtermission des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen ihre religiösen und moralischen Vorbehalte gegen Atomwaffen dargelegt und damit den Ruf nach einer atomwaffenfreien Welt ethisch-theologisch unterfüttert.

Erzbischof Bernadito Auza, ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den UN, bezeichnete atomare Sprengköpfe als die "furchtbarsten Waffen", die je von der Wissenschaft entwickelt wurden. Seit Anbruch des nuklearen Zeitalters habe der Vatikan Kernwaffen stets moralisch hinterfragt, versicherte der Geistliche. "Aufgrund der unberechenbaren und unterschiedslosen Folgen solcher Waffen ist ihr Einsatz auch mit internationalem humanitärem Recht unvereinbar."

Auza zufolge steckt die derzeitige Abrüstungsbewegung in der Krise. Dem kirchlichen Würdenträger zufolge sind die Staaten aufgefordert, ihre Bereitschaft zu nuklearer Abrüstung zu erneuern. Seit Jahren würden die Institutionen, die sich für atomare Abrüstung engagierten, blockiert, kritisierte er. Nicht nur, dass die hervorstechendsten Atommächte nicht abrüsteten, sie würde diese gefährlichen Massenvernichtungswaffen modernisieren.

Die Vereinten Nationen sind Gastgeber der Überprüfungskonferenz der Vertragsstaaten zum Abkommen über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, auch Atomwaffensperrvertrag genannt, die vom 27. April bis 22. Mai in New York stattfindet. Etliche Kirchenvertreter nahmen auf ihrem April-Treffen zum Thema 'Nuklearwaffen und ihre moralische Grenze' Bezug auf die bevorstehenden Gespräche und drängten die Staats- und Regierungschefs dazu, sich auf der Konferenz stärker als bisher für einen atomaren Ausstieg zu engagieren.

Jonathan Granoff, Vorsitzender des Globalen Sicherheitsinstituts und ein erklärter Gegner des Arguments, dass vom Besitz von Atomwaffen eine abschreckende Wirkung ausgeht, erklärte, dass nur Abrüstung, nicht die Verwaltung von Kernwaffen, die einzig akzeptable Lösung sei. "Die Lage [...] ist abnorm, unermesslich gefährlich, gewiss nicht gesund und moralisch inakzeptabel", fügte er hinzu. Der Kernwaffenbesitz und die Androhung, diese Waffen einzusetzen, seien Ausdruck eines Machtgebarens in seiner gröbsten Form.

Bischof Oscar Cantú von der UN-Konferenz der katholischen Bischöfe, wies darauf hin, dass Atomwaffen mit ihrem höchst zerstörerischen Potenzial nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen trennen könnten. Bei einem Einsatz könne es nur Verlierer geben. (Ende/IPS/kb/2015)


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veröffentlicht im Schattenblick zum 15. April 2015

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